Robin Wright Penn
© Wireimage.com Robin Wright Penn

Robin Wright Penn "Er sollte Präsident sein"

Als First Lady würde Robin Wright Penn sicher eine glänzende Figur abgeben. In GALA erzählt die Schauspielerin aus ihrem Leben mit dem nicht immer einfachen Sean Penn

Sie trägt weite Hosen, die ihre schmale Figur noch zarter wirken lassen. Fast zerbrechlich wirkt Robin Wright Penn auf den ersten Blick, wie eine Frau, die sich gerne im Hintergrund hält. Doch der Schein trügt: Beim Treffen für das Interview in Toronto tritt die 41-Jährige sehr bestimmt auf und sagt offensiv ihre Meinung. Kein Wunder, dass es gerade dieser Frau gelang, den Rebellen Sean Penn zu zähmen. Im Gespräch enthüllt die attraktive Blondine Erstaunliches über ihren als schwierig geltenden Ehemann.

GALA: Ihr Mann gilt als sehr, sagen wir, intensiver Mensch. Es gibt sogar etliche Journalisten, die Angst vor ihm haben. Wie ist er zu Hause?

Robin Wright Penn: Ein total Verrückter - nein, ich mache nur Spaß. Er ist ein sehr relaxter Mensch und gar nicht so kompliziert, wie man allgemein annimmt.

GALA: Wie erklären Sie sich dann sein Image?

Penn: Ich glaube, er fühlt sich nicht wohl mit anderen Menschen und ist ungern berühmt. Vor allem, wenn er Interviews geben muss, ist das schlimm für ihn - er hasst es. Sean denkt, diese Dinge halten ihn auf. Er ist ein Schnelldenker, sein Fuß ist stets auf dem Gaspedal. Dadurch wirkt er manchmal wortkarg oder schwierig, weil ihm alles nicht schnell genug geht. Was er aber eigentlich nicht ist. Er redet sogar lieber vor einer Gruppe, als dass er mit jemandem allein spricht. Deshalb sollte er der Präsident sein.

GALA: Tatsächlich? Hat er Absichten?

Penn: Ich scherze nur. Er hat zu viele Eigenschaften, die seine Widersacher nur gegen ihn instrumentalisieren würden. Er würde deshalb wohl nie nominiert werden. Ich meine damit nur, er hätte durchaus das Zeug dazu.

GALA: Das klingt spannend. Beschreiben Sie uns den Sean Penn, den Sie kennen.

Penn: Er ist ein lustiger Mann, der immer in der Lage ist, seine Familie zum Lachen zu bringen. Es ist schade, dass außer uns niemand diese Seite an ihm zu sehen kriegt. Er kann wirklich zum Schreien komisch sein! Und dann wieder sehr ernst, wenn wir über die Welt nachdenken und wie wir die Dinge verbessern könnten. Und seine Arbeit nimmt er natürlich auch sehr ernst.

GALA: Sie sind beide Schauspieler. Tauschen Sie sich auch aus?

Penn: Natürlich. Wir sind ja auch Lebenspartner. Wir lesen gegenseitig unsere Skripte. Nicht jedes, weil uns dazu die Zeit fehlt. Aber natürlich sind wir immer füreinander da, und wenn ich unsicher bin, frage ich ihn. Oder umgekehrt.

GALA: Gelingt es Ihnen auch mal, seine Meinung zu ändern? Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand Sean Penn widerspricht.

Penn: Natürlich widerspreche ich. Vor allem im Schneideraum, wenn er Regie führt. Da ist es am besten, da komme ich richtig zum Zug. Das ist toll!

GALA: Schauen Sie sich gemeinsam die Filme des anderen an?

Penn: Ich habe nur fünf von Seans Filmen gesehen. Dauernd nehme ich mir vor, sie alle anzuschauen, aber irgendwie komme ich nie dazu. Sagen Sie ihm das bloß nicht. Er denkt, ich hätte mehr gesehen (lacht).

GALA: Sie sind eine Schauspielerin, die Ihre Rollen sehr genau auswählt. Zeitweise haben Sie bis zu 14 Angebote nacheinander abgelehnt. Wonach gehen Sie?

Penn: Es gab viele wunderbare Rollen, die mir nie angeboten wurden. Ich hätte vielleicht selbst die Regisseure anrufen sollen, aber irgendwie mache ich das dann doch nicht. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr man doch auf einen Typ festgelegt wird.

GALA: Wie meinen Sie das?

Penn: Ich wette, ich kriege die nächsten fünf Jahre Drehbücher, in denen ich genau dieselbe Frau spiele, die ich in "Breaking And Entering - Einbruch und Diebstahl" (jetzt auf DVD, Anm. d. Red.) verkörpere. Zum Glück kommt hin und wieder auch etwas Anderes auf den Tisch. Ich muss nicht dauernd arbeiten, also mache ich nur das, was mir wirklich gut gefällt.

GALA: Sie spielen in dem Film eine Mutter, die für ihr krankes Kind alles aufopfert und ihren Ehemann vernachlässigt, der sie dann prompt betrügt. Ist Ihnen diese Selbstaufgabe für ein Kind vertraut?

Penn: Nicht in dieser Form. Aber als Mutter kenne ich dieses Gefühl natürlich. Ich würde sagen, jede Mutter opfert sich für den Rest ihres Lebens auf. Und es ist nicht mal richtig schwierig.

GALA: Was war das größte Opfer, das Sie gebracht haben?

Penn: Meine Karriere. Ich habe sie 15 Jahre lang zu kurz kommen lassen. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, monatelang meine Kinder nicht zu Bett zu bringen, nur weil ich von Martin Scorsese eine Rolle bekommen habe. Jetzt, da sie älter sind, hat sich das etwas geändert. Nun sind sie es, die ab und zu fragen: "Mom, wann drehst du wieder?" Die beiden wollen mich einfach nicht mehr dauernd um sich haben (lacht). Insofern pendelt sich das alles irgendwann wieder ein.

GALA: Einige Ihrer Kolleginnen engagieren Nannys und haben die Kids am Set immer dabei.

Penn: Das haben wir auch oft so gemacht. Aber es ist keine gute Sache, das Kind aus seiner Routine zu reißen. Und so ein Set ist furchtbar langweilig. Wenn ich Sean am Set besuche, werde ich richtig genervt von all dem Herumsitzen.

GALA: Wie haben Sie es also arrangiert?

Penn: Ich habe entschieden, dass ich die Familie vorrangig behandele. Ich habe größere Rollen nur dann angenommen, wenn sie in den Sommerferien lagen. Und Sean durfte nicht während der Ferien arbeiten. So hatten wir alles gut aufgeteilt, und einer von uns war immer bei den Kindern. In "Breaking and Entering - Einbruch und Diebstahl" verzeihen Sie Ihrem Ehemann einen Seitensprung.

GALA: Wie stehen Sie dazu in Wirklichkeit?

Penn: Ich kann mir das nicht richtig vorstellen. Ich habe oft europäische Frauen gefragt, wie sie damit umgehen. In Frankreich gehört es ja zur Kultur. Mir ist das fremd.

GALA: Werden Sie wieder einmal gemeinsam mit Sean vor der Kamera stehen? Vielleicht sogar seinen Regieanweisungen folgen wie in "Das Versprechen"?

Penn: Aber sicher. Ich arbeite sehr gern mit ihm. Aber danach brauche ich eine Pause. Etwa zwei Jahre lang. Und dann mache ich es wieder (lacht).