Oscargewinner Christoph Waltz

"Das Hemd habe ich selbst gebügelt"

Im Interview mit Gala beschreibt Christoph Waltz die letzten stressigen Tage vor der großen Oscar-Nacht - und verrät, was man in Hollywood in Sachen Film besser macht

Christoph Waltz

Herr Waltz, mal ganz ehrlich: Nimmt man bei einer solchen Veranstaltung als Nominierter einen Spickzettel für eine mögliche Dankesrede mit ins Kodak Theatre?

Natürlich tut man das. Eine Milliarde Menschen schauen zu, die Gewinnchancen stehen bei 20 Prozent. Da will man vorbereitet sein.

Penélope Cruz überreicht Christoph Waltz seinen Oscar.

Penélope Cruz überreicht Christoph Waltz seinen Oscar.

Beschreiben Sie doch mal die letzten Tage vor dem Oscar in LA, war es anstrengend für Sie?

Ja, es war anstrengend. Gestern standen wir zwei Stunden im Stau auf dem Weg von Venice Beach nach Hollywood. Das war meine erste echter LA-Traffic-Erfahrung, irre. Aber ich muss auch sagen, dass es eine schöne Anstrengung war für mich.

Selten zuvor hat es einen solchen Rummel um einen europäischen Schauspieler gegeben. Haben Sie damit gerechnet?

Natürlich habe ich mit einem solchen Rummel nicht gerechnet. Sonst hieße ich und nicht .

Sie haben jetzt ein bisschen Hollywood-Blut geleckt. Steht bald der Umzug nach LA bevor?

Nein, ich wüsste nicht, warum. Wenn es die Umstände verlangen, dann bin ich dem nicht abgeneigt, aber derzeit ist das kein Thema.

Preisverleihung

Oscar 2010 in Bildern

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Was gefällt Ihnen an Hollywood?

Hier gibt es einfach eine andere Begeisterung, eine andere Überzeugung als in Deutschland. Manchmal habe ich das Gefühl, in Deutschland findet immer noch eine bürokratische Abhandlung von Filmen statt. Die Amerikaner sind da emotionaler.

Geteiltes Glück ist doppeltes Glück: Christoph Waltz mit Lebensgefährtin Judith Holste und seinem Goldjungen.

Geteiltes Glück ist doppeltes Glück: Christoph Waltz mit Lebensgefährtin Judith Holste und seinem Goldjungen.

Wieviel Karten hatten Sie eigentlich im Vorfeld von der Academy bekommen?

Die sind da recht sparsam. Eine Karte für mich und eine Zusatzkarte. Das war's dann auch schon.

Deutschland und Österreich waren in diesem Jahr hervorragend vertreten. Spürt man da so etwas wie Nationalstolz?

Nein, ich sehe das nicht so vom nationalen Status. Und ganz ehrlich: Eigentlich ist "Inglorious Basterds" ja auch ein viel mehr ein deutscher Film als "Das weiße Band". "Das weiße Band" hat viel mehr ausländische Beteiligung.

Trugen Sie am Oscar-Abend einen gesponsorten Anzug?

(lacht). Nein, das war mein eigenes Zeug. Das Hemd habe ich selbst gebügelt.

Wie gehen Sie jetzt mit dem neu erreichten Ruhm um?

Aufgeregt kann man ja auch sein, wenn man zuviel Kaffee trinkt. Dann muss man halt weniger Kaffee trinken. Und ich bin ja auch jemand, der schon öfter vor die Öffentlichkeit geworfen wurde. Ich kann damit ganz gut umgehen.

Wie sah Ihr Oscar-Tag aus?

Da bleibt nicht viel Freizeit übrig. Vielleicht ein kurzer Strandspaziergang am Morgen (Erläuterung: Waltz hatte sich in Venice Beach ein Haus angemietet), dann zur Veranstaltung. Anschliessend zum Governor's Ball, dann noch zur Vanity Fair Party. Party-Hopping ist eigentlich nicht so mein Ding. Und auf Partys schreit man sich dann ohnehin die meiste Zeit nur an (weil es so laut ist), obwohl es dafür eigentlich gar keinen Grund gibt.

Was war für Sie das schönste Erlebnis rund um Ihr erstes großes Oscar-Erlebnis?

Das Luncheon mit den anderen Nominierten, das hat mir schon gut gefallen. Das ist doch auch eigentlich der Erfolg, die eigentliche Nominierung. Und keiner gönnte dem anderen einen Misserfolg, da war kein Druck zu spüren. Das war schön.

Haben Sie sich die Oscars früher eigentlich auch immer angeschaut?

Ich mag diese alten Oscar-Shows mit und . Diese Shows schaue ich mir immer wieder gerne an.

Ist dieser Tag für Sie ein bisschen surreal?

Nicht unbedingt surreal, es ist wie es ist.

Wie unterscheidet sich die Filmindustrie in den USA von anderen?

Sie ist ein formatives Element für die Gesellschaft. Hier haben einige Studiobosse mehr Macht als Ackermann in Deutschland. Wir sollten endlich einmal lernen, dass es voölig in Ordnung ist, herausragende Leute auch einfach mal herausragend sein zu lassen.

Wie gehen die Amerikaner mit Ihnen um?

Die Menschen hier haben eine wunderbare Wertschätzung, eine respektvolle Distanz. Das gefällt mir.

Interview:

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