Nina Hoss + Karoline Herfurth

"Unglaubliche Weiblichkeit"

Nina Hoss und Karoline Herfurth haben einen sexy Vampirfilm gedreht. Gala sprach mit den beiden Schauspielerinnen über Sinnlichkeit, lange Nächte und den Gruselfaktor der "Desperate Housewives"

Nina Hoss, Karoline Herfurth

Schon wieder

ein Vampirfilm, diesmal made in Germany - muss das sein? Nach dem Hype um "Twilight" und die vielen Nachfolger ist man erst mal skeptisch. Aber der Thriller "Wir sind die Nacht" (jetzt im Kino) ist anders. Regisseur interessierte sich weniger für Kunstblut. Er inszenierte eine so elegante wie actionreiche Geschichte über emotionale Abhängigkeiten zweier Frauen im Berliner Nachtleben, über die Vampir-Ladys Louise und Lena. und lernten sich erst beim Dreh kennen - die Chemie zwischen den Schauspielerinnen stimmte sofort. Gala traf die beiden morgens in Berlin. war etwas übernächtigt, kam gerade von ihrer frühen Joggingrunde im Park. Aber beide waren richtig happy, sich wieder mal zu sehen.

Filmpremiere

Nachts in Berlin

Gedeon Burkhard geht auf der Premierenfeier lässig mit Zigarette über den roten Teppich.
Frauenpower auf dem roten Teppich: Anna Fischer, Jennifer Ulrich, Karoline Herfurth und Nina Hoss.
Florian Fitz lächelt für die Fotografen.
Torsten Koch, Oliver Berben und Martin Moszkowicz stellen sich für ein Gruppenfoto zusammen.

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Wie war es für Sie, ein Liebespaar zu spielen?

Nina Hoss : Wir sind im Film kein wirkliches . Ich bin hinter ihr her - und sie will mich nicht. Es geht um große Anziehung, würde ich sagen.

Na ja, Ihre gemeinsamen Szenen sind schon sinnlich bis erotisch.

Hoss: Ja, aber wir wollten nicht, dass ein männlicher, voyeuristischer Blick bedient wird. Es ist eine Geschichte über Verführung und Verführbarkeit ...
Karoline Herfurth: ... die jenseits von gängigen Kategorien stattfindet.
Hoss: Trotzdem ist gegen Sinnlichkeit natürlich überhaupt nichts zu sagen.
Herfurth: Eine erotische Ausstrahlung gehört ja bei einem Vampir auch dazu. Sozusagen als Grundausstattung.

Nina Hoss fühlt sich zu Hause auf dem roten Teppich.

Nina Hoss fühlt sich zu Hause auf dem roten Teppich.

Finden Sie Frauen sexy?

Herfurth: Also, ich finde Nina total schick.
Hoss: Oh oh! (lacht)
Herfurth: Okay, ob ich sie jetzt unbedingt küssen wollte, weiß ich nicht ... Aber wenn Sie mich so fragen: ist eine wahnsinnig schöne Frau. Sie hat eine unglaubliche Weiblichkeit und diese besondere Aura. Das haut mich völlig von den Socken.
Hoss: Ja, sie ist sehr erotisch. Ob ich mich in eine Frau verlieben könnte, weiß ich aber auch nicht. Manche Frauen wirken auf mich allerdings durchaus sexy und anziehend.

Der Film "Wir sind die Nacht" ist streckenweise ziemlich düster. Wie viele Horrorfilme haben Sie sich bei der Vorbereitung angeschaut?

Herfurth: Ich grusel mich leider generell extremschnell. (Nina Hoss lacht) Warum lachst du? (lacht selbst)
Hoss: Weil du vorher nicht einen einzigen Film gucken konntest.
Herfurth: Den ein oder anderen schon!
Hoss: Mit dem Gesicht hinterm Kissen.
Herfurth: Na gut, ich kann sogar nach einem "Tatort" zwei Wochen nicht schlafen. Manchmal sind mir sogar die "" zu unheimlich.
Hoss: Du Arme!

Und wovor fürchten Sie sich, Frau Hoss?

Hoss: Davor, krank zu werden. Ich bin nicht hypochondrisch veranlagt, aber wenn man sich überlegt, wie schon allein Zahnschmerzen das Leben beeinträchtigen ... Solche Sachen machen mir Angst, weil ich sie nicht beeinflussen kann.
Herfurth: Man könnte schon mal diese kleinen Nikotinteile weglassen.
Hoss: Ein Bekannter von mir ist vor zwei Tagen umgekippt, Herzanfall, tot. Nichts hat darauf hingedeutet, er war athletisch und fit. Bei solchen Geschichten denkt man: Mein Gott, du musst das Leben noch mehr genießen!

Schon früh zog es sie ins Rampenlich: Als kleines Mädchen trat Karoline Herfurth im Kinderzirkus auf.

Karoline Herfurth bei ihrer Ankunft auf dem roten Teppich.

Fänden Sie es schön, unsterblich zu sein?

Hoss: Auf keinen Fall! Allein die Vorstellung, dass dir Freunde und Familie einfach so wegsterben und du allein bleibst ...
Herfurth: Ewig jung auszusehen und für immer glatte Haut zu haben, das hört sich vielleicht erst mal reizvoll an. Aber es gehört halt zum Leben dazu, sich die Endlichkeit jeden Tag ein bisschen vor Augen zu führen, Ohne das wäre alles sehr flach.

Sie sind beide sehr attraktive Schauspielerinnen. Haben Sie Angst vorm Altern?

Hoss: Ganz ehrlich: Damit beschäftige ich mich, wenn es soweit ist.
Herfurth: Genau. Als ich mich damals als Kind im Zirkus verbogen habe, hat jeder gesagt: Oh Gott, dir wird später mal so der Rücken weh tun! Und ich hab nur gedacht: Ja, ja ...

Im Film sind Sie über 400 Jahre alt. Wenn Sie in der Realität die Möglichkeit hätten zu wählen: In welcher Epoche hätten Sie gern gelebt?

Hoss: Ganz klar in den Zwanzigerjahren, und zwar in . Überall Cabarets, wo getanzt wurde. Da einzutauchen stelle ich mir sehr aufregend vor. Alles war so lebendig, modern, grenzenlos - es war der Tanz auf dem Vulkan. Man wusste, das bricht irgendwann zusammen. Kommst du mit?
Herfurth: Ich hätte auch zuerst die Zwanziger genannt. Ich sage nur: fast 50 Theater in Berlin! Aber ich würde auch gern noch mal die Achtziger- und Neunzigerjahre erleben. Da war ich leider noch zu klein.
Hoss: Bist du noch so jung? Putzig, putzig!

Was reizt Sie ausgerechnet an den Achtzigern, Frau Herfurth?

Herfurth: "Flashdance" hätte ich gern erlebt. Ich hätte gerne bewusst wahrgenommen, wie alle auf Rollschuhen rumlaufen und diese Wahnsinnsfrisuren haben.

Im Film wird heftig gefeiert. Machen Sie auch privat oft die Nacht zum Tag?

Hoss: Bei mir gibt es Ausgeh-Phasen, ich kann aber keine Clubs nennen. Letzte Woche bin ich auf drei Partys hintereinander gelandet und dachte ein bisschen stolz "Hallo, da geht ja noch was!". (lacht) Wenn man viel Theater spielt, ist die Luft auch mal raus. Man freut sich dann, mal zu Hause zu sein, weil es der Beruf schon mit sich bringt, dass man permanent in sich wühlt.
Herfurth: Ich bin nie viel weggegangen, höchstens vielleicht mit 16, 17 mal gelegentlich. Wenn mich jemand fragt, wo er in Berlin hingehen kann, habe ich keine Ahnung. Wenn zum Beispiel auf der Berlinale gefeiert wird, dann bin ich gern dabei - aber ich liege genauso gern zu Hause auf der Couch.

Was tun Sie sonst, um abzuschalten?

Herfurth: Ich gehe reiten. Pferde sind für mich das Beruhigendste überhaupt, abgesehen vielleicht vom Meer. Ein Pferd steht einfach auf der Weide und kaut sein Gras. Ich habe das mit meinem Pflegepferd mal mitgemacht, das ist eine tolle Vertrauensübung.
Hoss: Wie bitte, du hast da so richtig mitgemacht?!
Herfurth: Na ja, ich habe mich zu ihm gestellt und so getan, als ob ich grase. Seitdem sind wir die besten Kumpels.
Hoss: Also, was mich total entspannt: Ich spiele Klavier. Das Großartige ist, dass du dich dabei ganz und gar aufs Spielen konzentrieren musst, an nichts anderes denkst. Und dann produzierst du auch noch was Schönes. Wenn es denn klappt.

Roland Rödermund

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