Nena
© Getty Nena

Nena Sie kann auch ein Drache sein ...

Das beweist Nena zumindest mit ihrem neuen Projekt: Da synchronisiert die nimmermüde Pop-Sängerin ein Feuer spuckendes Ungeheuer. Aber auch sonst gibt es reichlich Stoff für ein Interview

Man denkt unweigerlich an kunterbunte Luftballons, wenn sie einen so anlacht. Mit dieser Unbeschwertheit, als wären Neue Deutsche Welle und ZDF-Hitparade noch voll im Gange - und Nena mittendrin. Jung, energiegeladen, neugierig auf die Welt. Genauso wirkt die 46-Jährige auch heute noch. Während des Interviews im Hamburger Hotel "Hyatt" sprudeln Worte wie "krass" und "geil" aus ihrem Mund. Da ist ein Feuer spuckendes Monster das Letzte, was einem in den Sinn kommt. Doch genau das synchronisiert Nena in dem Fantasy-Drama "Eragon" (Filmstart: 14. Dezember). Eine ganz neue Erfahrung für die vierfache Mutter, Popsängerin, angehende Schulgründerin und Lebensgefährtin des zwölf Jahre jüngeren Musikers Philipp Palm.

GALA: Bitte mal eine Kostprobe: Wie klingt Nena als Drache?

Nena: (röchelt) Hrrrrchgggh! Das war jetzt so eine Szene, wo der Drache mit dem Tod kämpft. Dafür braucht man echt viel Atem.

GALA: Haben Sie für die Synchronisation Sprechunterricht genommen?

Nena: Ach was, ich bereite mich auf so etwas gar nicht vor, ich habe ja nicht mal den Inhalt der Geschichte gelesen. Ich geh einfach da hin und rede drauflos. Einer meiner Söhne war top informiert und hat mir den Inhalt erklärt. Er liebt Fantasy-Romane.

GALA: Und Sie?

Nena: Nö, ich kannte das Buch "Eragon" überhaupt nicht. Aber mein Sohn war voll geflasht davon und sagte, dass ich unbedingt diese Synchronisation machen müsse.

GALA: Man kennt Sie ja besser als Sängerin. Wie sind Sie denn überhaupt zu diesem Job gekommen?

Nena: Ooch, man hat mich angerufen. Ich denke mal, die wussten, dass ich früher in einem anderen Filmen bereits eine Löwin gesprochen habe, davor eine Piratin. Gerade ist noch ein Film draußen, da spreche ich eine Prinzessin. Doch als es dann mit "Eragon" klappte, hat mich das besonders gefreut, weil eben meine Kinder Fans sind.

GALA: Ihre beiden Jüngsten sind elf und neun. Dürfen die den Film überhaupt sehen? Es soll ja recht actionreich zugehen.

Nena: Tja, das ist nun mal leider heutzutage so. Selbst auf dem Kinderkanal gibt es Gewalt.

GALA: Sind Sie da eine strenge Mutter und schalten auch mal den Fernseher zu Hause ab?

Nena: Also, ich würde meinen Kindern nie kategorisch etwas verbieten, sondern immer nur das Gespräch mit ihnen suchen. Wir haben mal sogenannte fernsehfreie Wochen eingeführt, anstelle eines Fernsehverbotes. Von Verboten halte ich nichts.

GALA: Aber Sie möchten trotzdem, dass der Nachwuchs auch mal ein Buch liest.

Nena: Ich würde jetzt auch nicht sagen: Lies doch mal dies, tu doch mal das! Das ist schon wieder zu viel. Kinder sollen Dinge mit Freude tun.

GALA: Nach diesem pädagogischen Prinzip wollten Sie doch mal eine Schule in Hamburg gründen ...

Nena: Was heißt wollten? Ich bin mittendrin, das Haus ist inzwischen gekauft. Ich hoffe, dass bald auch die Genehmigung kommt. Lehrer, Eltern und Schüler warten. Siebzig Anmeldungen sind es inzwischen.

GALA: Und Sie werden dann auch unterrichten?

Nena: Nee, nee, ich bin doch kein Lehrer. Aber wenn mal ein Musikprojekt oder ähnliches ansteht, klar, das mache ich.

GALA: Apropos Projekte: Sie waren kürzlich zusammen mit Bill, dem Sänger von Tokio Hotel, im Synchronstudio. Gibt es womöglich auch Pläne für eine musikalische Zusammenarbeit?

Nena: Wenn es denn mal so sein soll, gern. Das darf man sich aber nicht vornehmen und planen - schon gar nicht, wenn alle darauf lauern. Das muss sich ergeben. Aber ich habe zu dem Bill wirklich eine Verbindung, ich weiß nicht genau, was es ist. Keine dicke Freundschaft oder so, aber da ist etwas.

GALA: Vielleicht eine Art Seelenverwandtschaft?

Nena: Das klingt gewaltig. Ich würde eher sagen, dass wir beide authentische Typen sind.

GALA: Authentisch in welcher Hinsicht?

Nena: Wenn man sich selbst entdeckt und guckt, wo sein Weg ist. Und diesen Weg verfolgt, auch wenn da Hindernisse sind.

GALA: Dazu braucht man Disziplin.

Nena: Sicherlich, ich packe Dinge schon recht diszpliniert ab.

GALA: Stimmt es, dass Sie auch Marathon laufen?

Nena: Einmal habe ich einen Halbmarathon geschafft. Aber das mache ich nie, nie, nie wieder. Obwohl ich immer noch ganz gerne jogge, so hobbymäßig, weiß ich heute gar nicht mehr, wie ich das damals durchgehalten habe. Trainieren, die Kondition und so. Als ich beim Marathon am Start stand, war das zwar ein Supergefühl, aber jetzt wäre mir das echt zu anstrengend. Ich spare meinen Atem für andere Sachen.