Nazan Eckes

"Macht etwas aus eurem Leben!"

Erfolgreiche Moderatorin, Buchautorin, Männerschwarm: Die RTL-Allzweckwaffe spricht mit Gala über ihre Erfahrungen als Deutsch-Türkin und ihre große Liebe

Nazan Eckes

Wenn deutsche Stars nach ihrer Pfeife tanzen,

schalten bis zu sechs Millionen Zuschauer ein. Spätestens seit dem Quotenhit "Let's Dance" zählt zu erfolgreichsten TV-Ladys: Das Multitalent moderiert RTL-Sendungen wie "Explosiv", "Boxen live" oder " - echt persönlich". Sogar als Kandidatin für die Nachfolge von bei "Stern TV" wird sie gehandelt. Die Vorstellung, den Infotainment-Klassiker zu übernehmen, sei verlockend, aber auch beängstigend - wegen des drohenden Vergleichs mit dem Vorbild: "Fakt ist, dass es viele Anwärter gibt und die Entscheidung erst Anfang 2011 fallen wird", betont die 34-Jährige beim Gala-Interview in Köln.

Beruflich läuft es für sie bestens - und auch privat hat Nazan nach einer ersten gescheiterten Ehe ihr Glück gefunden: Vor zweieinhalb Jahren verliebte sich die Tochter türkischer Einwanderer in den österreichischen Künstler . Jetzt erscheint ihr Buch "Guten Morgen, Abendland" (Lübbe, 248 S., 14,99 Euro), in dem sie ihre Familiengeschichte vom Leben zwischen zwei Welten erzählt - und damit ihren ganz persönlichen Beitrag zur neu entflammten Integrationsdebatte abliefert.

Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse stellte Nazan Eckes ihr Buch "Guten Morgen, Abendland" vor.

Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse stellte Nazan Eckes ihr Buch "Guten Morgen, Abendland" vor.

Wie haben Ihre Eltern reagiert, als sie erstmals von Ihren Buchplänen erfuhren?

Sehr positiv. Für meinen Vater und meine Mutter sind die Recherche und der Schreibprozess eine sehr bewegende Sache gewesen. Ich habe bei ihnen ein unglaublich großes Erklärungs- und Mitteilungsbedürfnis gespürt - nach dem Motto: Endlich fragt mal einer nach! Meine Eltern haben seit vielen Jahren mit Vorurteilen zu kämpfen und hatten bislang nie die Möglichkeit, dazu Stellung zu nehmen. Viele unterschätzen es, wie verloren sich vor allem die erste Generation der Migranten in Deutschland gefühlt hat.

Sie sind eine der wenigen deutsch-türkischen Karrierefrauen und Paradebeispiel für gelungene Integration. Was haben Ihre Eltern besser und anders gemacht?

Mein Vater hat vor allem eines verinnerlicht: Wenn ich ernst genommen werden will, muss ich die Sprache lernen. Von 120 Migranten in seinem Wohnheim belegte er in den Sechzigerjahren als Einziger einen Deutschkurs. Noch heute bereut er es, nicht gleich im Anschluss eine Ausbildung gemacht zu haben. Aber mein Vater musste sofort Geld verdienen; seine Familie in Deutschland ernähren und in der unterstützen. Deshalb wollte er unbedingt, dass meine Geschwister und ich es später besser haben.

Und Ihre Mutter?

Die musste viel zurückstecken und hat erst mit den Jahren gelernt, selbstbestimmt zu leben. Auch durch mich und meine Schwester. Die Selbstständigkeit, die sie uns anerzogen hat, haben wir ihr wieder zurückgegeben. Wir sind auch das Produkt der Träume unserer Eltern.

Das heißt?

Beide haben uns immer wieder eingetrichtert: Geht zur Schule, lernt die deutsche Sprache und macht etwas aus eurem Leben! Das haben wir verinnerlicht und befolgt. Mein Vater hat mir immer gedroht: Wenn du nicht am Fließband enden willst, dann gibst du dir verdammt noch mal Mühe in der Schule! Der Spruch hat gesessen.

Was lieben Sie an Deutschland besonders?

Ich genieße jeden einzelnen Tag, den ich in Freiheit leben und genießen darf. Das ist für mich keine Selbstverständlichkeit. Ich habe mir das ein Stück weit erkämpft. In vielen Ländern haben Frauen diese Chance nicht.

Was mögen Sie weniger?

Den manchmal übertriebenen Arbeitseifer und die Leistungsorientiertheit. Dummerweise bin ich selbst so ein Arbeitstier geworden, aber ich übe gerade das Faulsein. Ich möchte einfach kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn ich mal in einem Café sitze und nur eines mache: Nichts!

Die "RTL-Allzweckwaffe" Nazan Eckes moderierte mit Kollege Daniel Hartwich die "Let's Dance"-Show-

Die "RTL-Allzweckwaffe" Nazan Eckes moderierte mit Kollege Daniel Hartwich die "Let's Dance"-Show-

Haben Sie "Deutschland schafft sich ab" gelesen, den umstrittenen Bestseller von Thilo Sarrazin?

Sehr aufmerksam sogar. Ich wollte mir unbedingt eine eigene Meinung bilden.

Gibt es Thesen, denen Sie zustimmen?

Alle Migranten müssen sich so gut wie möglich integrieren und deshalb unbedingt Deutsch lernen. Das ist und bleibt der einzige Weg in die Gesellschaft. Und natürlich haben wir in Deutschland ein Bildungsproblem, aber man kann doch nicht einzelne Volksgruppen dafür verantwortlich machen. Beim Lesen habe ich mich oft wahnsinnig geärgert.

Worüber?

Sarrazin geht viel zu destruktiv an das sensible Thema heran und bietet nur wenige Lösungsvorschläge. Ich hätte mir ein einziges Kapitel zum Thema "gelungene Integration" gewünscht.

Im Vorwort zu "Guten Morgen, Abendland" schreiben Sie, dass Sie die Integrationsdebatte nervt ...

Richtig. Und nicht nur mich. Türken, Italiener, Griechen etc., die hier wirklich eine Heimat gefunden haben und sich hier wohl fühlen, sind frustriert von der defizitorientierten Diskussion. Ein Teil der Realität ist nunmal auch, dass es hier auch sehr viele Migranten gibt, die viel auf die Beine gestellt haben. Über sie wird aber seltener berichtet, als über türkische Kriminelle.

Das verkauft sich eben besser ...

Mag sein. Trotzdem haben die Medien in dieser Hinsicht eine große Verantwortung und die Darstellung ist oft sehr einseitig. Ich will auf keinen Fall die vielen Probleme leugnen, gerade was Themen wie Gewalt oder Sprache angeht. Ich nehme diese Probleme sehr ernst! Auch ich möchte in einem friedlichen, freien Deutschland leben.

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Wie kann man kriminellen und gewalttätigen Migrantenkids neue Perspektive geben?

Jeder Mensch braucht Anerkennung. Doch um diese zu bekommen, muss ich etwas leisten. Und leisten kann ich nur, wenn Motivation und Erfolgsaussichten da sind. Lehrer und Lehrerinnen müssten Gelegenheiten zu Hausbesuchen haben, um die Zustände zu verstehen, in denen manche Jugendliche leben. Bei Anti-Gewalt-Projekten müssten Vorbilder mit Migrationshintergrund viel stärker eingebunden werden. Fußballer, Schauspieler, Regisseure ... Wenn ein , ein oder von ihren eigenen Erfahrungen berichten und Perspektiven aufzeigen, hat das mehr Wirkung als im Unterricht Anti-Gewaltfilme zu zeigen.

Mesut Özil & Co haben also eine Schlüsselfunktion?

Auf jeden Fall! Gerade Migrantenkids orientieren sich lieber an Vorbildfunktionen und hören weniger auf das, was Politiker oder Lehrer sagen. Diese Vorbildfunktion wird häufig unterschätzt. Denn wie motiviert man Menschen? Sie brauchen Leitfiguren, mit denen sie sich identifizieren können. Und nicht indem man ihnen dauernd sagt: Du hast in deinem Leben alles falsch gemacht.

Wie erklären Sie es sich, dass sich viele Migranten-Eltern nicht darüber bewusst sind, wie wichtig Bildung für ihre Kinder ist?

Die Politik dreht sich seit Jahren im Kreis. Die Schule findet keinen Zugang. Die Eltern stehen meist vor eigenen Problemen, weil sie selbst nur schlecht deutsch sprechen und ihren Kindern nicht helfen können. Kinder von Einwanderern sind meist völlig auf sich gestellt. Niemand verbessert sie bei Grammatikfehlern oder beim Geschichtsunterricht. Die Grundeinstellung ist sehr oft immer noch die: Wir sind nach Deutschland gekommen, um Geld zu verdienen. Bildung wird als Luxus betrachtet, nicht als notwendiges Instrument für eine bessere Zukunft. Genau da muss man ansetzen: Bildung heißt Zukunft. Und es geht nicht nur um die Zukunft des Einzelnen, sondern der Gesellschaft in der wir leben. Migranten helfen heißt, Deutschland helfen.

Traumpaar: Nazan Eckes und der Künstler Julian Khol, 30, am Wochenende beim Fernsehpreis in Köln. Seit zweieinhalb Jahren sind d

Traumpaar: Nazan Eckes und der Künstler Julian Khol, 30, beim Fernsehpreis in Köln. Seit zweieinhalb Jahren sind die beiden zusammen.

Haben Migranten die gleichen beruflichen Chancen wie Deutsche?

Auf den ersten Blick sicher schon. Aber ich höre leider auch immer wieder von Fällen, in denen eine Migrantin trotz ihrer Topqualifikation eine bestimmte Führungsposition nicht bekommen hat, weil sie Nesrin Yilmaz statt Stefanie Maier heißt. Wer weiß, ob ich heute auch so viel Erfolg hätte, wenn ich immer noch Nazan Üngör heißen würde und nicht durch meine erste Ehe den Nachnamen Eckes angenommen hätte. Ich bin mir da nicht so sicher ...

Sind Sie schon mal diskriminiert worden?

Als Kind und Teenager bin ich nie direkt angegriffen worden. Aber auch in meiner Schule gab es regelmäßig Kommentare, dass Türken so komisch aussehen und riechen oder sich merkwürdig kleiden würden. Das hat mich damals sehr verletzt.

Und als Erwachsene?

Nur so viel: Hin und wieder habe ich unangenehme Post bekommen.

Gab es Anfeindungen von türkischen Männern?

Das ist auch schon vorgekommen: Ich würde viel zu westlich auftreten und junge Türkinnen verderben. Aber das sind Einzelfälle.

Wie reagieren Sie darauf?

Ich gehe auf solche Vorwürfe grundsätzlich nicht ein, weil ich sie einfach nicht mit meinem Weltbild vereinbaren kann.

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Sie hatten als 18-Jährige die Nase voll von Deutschland, sind für einige Zeit zurück in die Türkei gegangen und wollten dort heiraten. Warum?

Ich hatte zu dieser Zeit das Gefühl, dass ich als Deutsch-Türkin immer wieder gegen Mauern gerannt bin - dass ich mich zwar so gut es geht in die deutsche Gesellschaft integrierte, aber irgendwie doch nicht so richtig dazugehörte. Das hat mich damals unglaublich frustriert. Ich sehnte mich nach einem Heimatgefühl; dem Gefühl, wirklich willkommen zu sein und mich nicht ständig erklären zu müssen. Ich wollte ganz selbstverständlich stattfinden. So wie ich bin.

Haben Sie heute das Heimatgefühl gefunden?

Sonst wäre ich nicht hier. Heimat ist für mich allerdings ein abstraktes Wort. Ich verbinde das nicht mit einem einzigen Ort. Heimat ist für mich der Ort, an dem ich mich gerade wohl fühle und mich menschlich, wie beruflich verwirklichen kann. Im Moment ist das Deutschland.

Sie fühlen sich nicht nur heimisch, sondern sind auch verliebt. Hat Ihr Freund Julian Khol Sie eigentlich beim Schreiben des Buchs unterstützt?

Und wie! Julian hat mich ermutigt, unterstützt und mir immer wieder in den Hintern getreten. Natürlich nur ganz sanft. (lächelt) Vor allem, wenn mich Schreibblockaden plagten. Als Künstler weiß er nur zu gut, wie es ist, wenn der kreative Prozess stockt.

Wo haben Sie ihn kennengelernt?

Vor zwei Jahren auf dem "Life Ball", der Aids-Charity-Party in Wien.

Und hat es gleich gefunkt?

Ich weiß, es klingt kitschig - aber es war so: Ich habe Julian gesehen und war wie vom Blitz getroffen. Dabei wollte ich eigentlich nur mit einer Freundin etwas Spaß haben und gar nicht so lange bleiben.

Was mögen Sie an Ihrem Freund besonders?

Julian inspiriert und beruhigt mich gleichermaßen. Noch vor wenigen Jahren konnte ich mich nur schwer entspannen. Das ging so weit, dass ich selbst im Urlaub von morgens bis abends aktiv war und Sport treiben musste. Jetzt bin ich Fan eines gepflegten Mittagsschlafs, wenn ich mal frei habe.

Sie sind kürzlich in Julian Khols Wiener Wohnung eingezogen. Klappt das Zusammenleben?

Bestens! Nur bei einer Sache hakte es anfangs: Ich habe einen ziemlichen Ordnungsfimmel -und Julian verstreut als Künstler gerne mal seine Sachen überall in der Wohnung. Aber inzwischen haben wir uns arrangiert. Julian hat mir beigebracht, dass ich nicht gleich sterbe, wenn er seine Socken herumliegen lässt. Und ich habe ihm beigebracht, dass er es überlebt, wenn er sein Geschirr auch mal in die Spülmaschine stellt.

Sie waren von 2000 bis 2007 verheiratet. Glauben Sie heute an die Ehe?

Ja!

Eine Hochzeit mit Julian ist also eine Option?

Durchaus!

Alexander Nebe

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