Moritz Bleibtreu + Bushido

"Anis, zieh mal deine Tattoos nach"

Während des "Zeiten ändern dich"-Drehs haben sich Moritz Bleibtreu und Bushido angefreundet. In Gala sprechen sie über Verletzungen, Liebe, Kinder - und natürlich Hip-Hop

Moritz Bleibtreu, Bushido

Bleiben die Trainingsbüx und der Kapuzenpullover

auf der Premiere nachher an? "Nee, ich ziehe mich noch um. Obwohl ich Hemdkragen eigentlich nicht mag, sagt und macht geräuschvoll eine Colaflasche auf. Gangster-Rapper-Image hin oder her - heute Abend bekommt die Öffentlichkeit zum ersten Mal "Zeiten ändern dich" zu sehen, die Verfilmung seiner Bestseller-Biografie von . Da achtet auch "Staatsfeind Nr. 1" (so ein Bushido-Titel von 2005) ein wenig auf bürgerliche Etikette. "Zu enge Hemden sind die Hölle. Wenn dann noch der Kragen gestärkt ist, kratzt der dir den Hals wund", pflichtet bei, macht es sich im Sessel bequem und zündet sich eine Zigarette an. Gala trifft den Rapper und den Schauspieler wenige Stunden vor der Feier am Potsdamer Platz zum Interview im "Grand Hyatt Hotel". Und nicht nur in Kleidungsfragen stimmen die zwei überein. Seitdem und Bushido für "Zeiten ändern dich" zusammen vor der Kamera standen, haben sie sich angefreundet. Wie sich heraustellt, verbindet die beiden nicht nur die Liebe zum Hip-Hop.

Filmpremiere

Berlin im Bushido-Fieber

Bushido und sein filmischer Darsteller Elyas M'Barek beweisen Einheit.
Karoline Schuch, Elyas M'Barek und Mina Tander freuen sich gemeinsam auf die Premiere.
Auch die älteren Semester wie Hannelore Elsner und Karel Gott interessieren sich für Bushido.
Martin Semmelrogge grinst kess unter seiner Ed-Hardy-Kappe hervor.

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Woher kommt die Narbe auf Ihrer Stirn, Bushido?

Bushido: Nichts Aufregendes. Das ist mit einer Gardine passiert, die ich ...
Bleibtreu: Oh, rede lieber nicht weiter, Anis. So eine Geschichte will doch keiner von dir hören. In Wirklichkeit war es doch ein Schlagring, oder?
Bushido: Genau, jetzt wo du es sagst, erinnere ich mich wieder. Das war dieser SEK-Beamte, der mich vor zwei Jahren aus dem Edelbordell rausgezogen hat. (lacht) Nein, es war wirklich nur ein Unfall. Ich hatte mich als Kind aus Spaß in unsere Wohnzimmergardine eingewickelt. Dabei bin ich gestolpert - und da die Arme nicht frei waren, konnte ich mich nicht abstützen und bin mit dem Kopf an die Heizung geknallt. Da ist das hier schon heftiger. (zeigt auf die große Narbe auf seinem rechten Handgelenk) Bei einer Prügelei hat mich einer in eine Fensterscheibe geworfen, und dabei habe ich mir die Pulsader aufgeschnitten. Das war lebensgefährlich und hat geblutet wie Sau.

Was ist Ihre spektakulärste Narbe, Herr Bleibtreu?

Bleibtreu: Damit kann ich nicht dienen. Als ich zwölf Jahre alt war, ist mir der Campingkocher umgekippt, und ich habe mir mit dem heißen Wasser die Füße und den Hintern verbrannt.

"Zeiten ändern dich" ist die Verfilmung von Bushidos Biografie.

"Zeiten ändern dich" ist die Verfilmung von Bushidos Biografie.

Bushido, Moritz Bleibtreu redet Sie mit ihrem bürgerlichen Namen Anis an. Ist Anis die sanfte Seite von Ihnen, die durchkommt, wenn Sie nicht den Gangster-Rapper mimen?

Bushido: Quatsch. Das würde ja heißen, dass ich schizophren bin. Nein, das bin schon beides ich. Anis dürfen mich nur meine Familie und gute Freunde nennen. Es gibt Menschen, die mich auf der Straße ansprechen und mich Anis nennen, weil die einen auf persönlich machen wollen. Das finde ich beleidigend, und dann sage ich nur kurz: Sag mal, kennen wir uns? Bei Moritz und mir hat sich das schnell ergeben. Er hat einen guten Riecher für diese Dinge.

Kannten Sie Bushidos Musik vorher?

Bleibtreu: Ich war ein Hip-Hop-Fan der ersten Stunde. Ich mochte Kurtis Blow und habe beim Breakdancen weiße Handschuhe angezogen. (Bushido lacht) Ja, richtig schlecht. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich immer dachte: Deutscher Hip-Hop? Ist doch Quatsch. Ich war ein verdammter Ignorant, und ich bin froh, dass ich diesen Sound durch den Film entdeckt habe.

Sie haben in Filmen schon Türken, Griechen, Albaner und Italiener gespielt. In "Zeiten ändern dich" sind Sie der Deutsch-Palästinenser Arafat, Bushidos Freund. Sie können diesen südländischen Typ anscheinend gut verkörpern. Wie kommt das?

Bushido: (lacht) Es ist witzig, trotz seines Namens denken viele meiner Freunde noch immer, dass Moritz in Wirklichkeit Türke ist.
Bleibtreu: Was soll ich sagen? Ich bin halt nicht blond und habe keine blauen Augen. Das war als Kind ein Problem. Ich bin im Hamburger Stadtteil St. Georg aufgewachsen, der damals ziemlich rau war. Die Türken hielten mich für einen Deutschen und die Deutschen für einen Türken, deshalb habe ich von beiden Gruppen auf die Fresse bekommen. Aber was mir wichtig ist, weil viele das nicht kapieren wollen: Ich bin Deutscher und Bushido auch. "Zeiten ändern dich" ist ein deutscher Film, und er zeigt das Deutschland, in dem ich groß geworden bin. Da gibt es Palästinenser, Portugiesen, Griechen, Türken - in Zukunft wird sich das noch viel weiter mischen, und das finde ich gut. Das ist ein Deutschland, auf das ich - obwohl ich dieses Wort nicht mag - stolz bin.

Moritz Bleibtreu spielt in "Zeiten ändern dich" Bushidos Freund und Geschäftspartner Arafat. Bushido heißt eigentlich Anis Moham

Moritz Bleibtreu spielt in "Zeiten ändern dich" Bushidos Freund und Geschäftspartner Arafat. Bushido heißt eigentlich Anis Mohamed Youssef Ferchichi. Mit seinem Gangster-Rap gelang dem 31-jährigen Berliner 2006 der Durchbruch.

Mit unschuldigem Teddy-Blick steigt Bushido in "Zeiten ändern dich" vom Drogendealer zum Rüpel-Rapper und schließlich zum anerka

Mit unschuldigem Teddy-Blick steigt Bushido in "Zeiten ändern dich" vom Drogendealer zum Rüpel-Rapper und schließlich zum anerkannten Künstler auf.

Wenn ihr euch schon als Jugendliche begegnet wärt, hättet ihr euch verstanden?

Bushido: Ja, klar.
Bleibtreu: Ich denke schon.

Ist Moritz Bleibtreu nicht so ein Typ, den Sie früher vermöbelt hätten, Bushido?

Bushido: Um das klarzustellen. Ich habe mich oft geprügelt, aber ich habe nie einfach so aus Spaß andere Menschen geschlagen. Wenn mich jemand verarscht oder mich bedroht, dann halte ich natürlich dagegen.
Bleibtreu: Im Hip-Hop gibt es den schönen Begriff real. Das bedeutet nicht, dass man ein harter Typ ist, der allen auf die Nase haut. Nein, das heißt, dass man sich so gibt, wie man ist, nichts vorspielt und für seine Sache einsteht, selbst wenn man sich deswegen mit einem Stärkeren anlegt.

Bei Ihnen beiden hat der Vater früh die Familie verlassen. Was hatte das zur Folge?

Bleibtreu: Mein Vater hat unsere Familie verlassen, als ich zwei war, ich habe ihn also nie richtig erlebt - du kannst nur vermissen, was du kennst. (Bushido nickt zustimmend) Meine Mutter hat immer gesagt: Egal ob eine Familie aus zwei, drei oder zwanzig Menschen besteht - wichtig ist nur, dass sie intakt ist und funktioniert. Das sehe ich genau so. Ich hatte trotzdem eine glückliche und behütete Kindheit. Erst als ich am Sterbebett meines Vaters stand, habe ich ganz genau gespürt, dass ich sehr viel verpasst hatte. Und das will ich meinem eigenen Sohn auf jeden Fall mitgeben.

Ihre Mutter ist letztes Jahr an Krebs gestorben. Wie haben Sie dieses einschneidende Erlebnis verarbeitet?

Bleibtreu: Ich will dazu nicht viel sagen. Kinder begraben ihre Eltern - so ist es halt, und man muss sich immer sagen, dass das so in Ordnung ist. Umgekehrt wäre es schlimmer. (Bushido nickt)

Wollen Sie mal Kinder haben, Bushido?

Bushido: Na klar, Kinder sind das größte Geschenk, das dir Gott geben kann. Nur - ich plane gern den Grundriss meines Hauses, aber Liebe und Beziehung plane ich nicht.

In Ihrer Biografie beschreiben Sie sich als "skrupellosen Sex-Gangster", der in den Puff geht und mit Groupies Gruppensex hat. Leben Sie jetzt in einer festen Beziehung?

Bushido: Ach, feste Beziehung hin oder her - ehrlich, ich will dazu nichts sagen. Das verändert nichts an meiner Person. Ich bin auch kein anderer Mensch, nur weil ich heute Morgen etwas anderes als sonst gefrühstückt habe.

Herr Bleibtreu, Sie sind seit eineinhalb Jahren Vater. Wie sehr hat Sie das verändert?

Bleibtreu: Das ist eine Sache, die alles Bisherige übertrifft. Aber es ist ganz wichtig, dass auch die Beziehung klappt und harmonisch ist. Das sollte man als Paar vorher genau prüfen, bevor man sich dazu entscheidet, ein Kind in die Welt zu setzen.
Bushido: Richtig. Für ein Kind ist es schlimm, wenn Mutter und Vater nicht miteinander klarkommen. Bei meinen Eltern war das so. Mein Vater hat meine Mutter verprügelt. Das zu sehen war schrecklich.

Bushido, früher sorgten Sie mit Ihren derben Texten für Aufregung. Jetzt hat Erfolgsproduzent Bernd Eichinger Ihr Leben verfilmt, und CSU-Chef Horst Seehofer kann sich vorstellen, dass Sie einen Wahlkampfsong für ihn schreiben. Ruiniert so etwas nicht Ihr Image

Bushido: Ach, das war eine witzige Schlagzeile, weil wir uns beim Münchner Filmball über den Weg gelaufen sind und kurz geplaudert haben. Nein, die CSU ist nicht meine Partei, das war ein Gag und nicht mehr. Ich habe aber dennoch kein Problem, die Hand zu schütteln - auch wenn ich die CSU nicht mag. Er verhält sich mir gegenüber korrekt, und damit ist das okay. Ganz ehrlich: Ich bin immer noch derselbe wie früher. Ja, ich habe herbe Sachen gesagt und getan, aber auch eine ganze Menge vernünftiges Zeug. Ich habe mich nicht verändert. Ihr, die Gesellschaft, ihr habt euch verändert. Ihr kommt her und hört Menschen wie mir zu.
Bleibtreu: Ich glaube, das fasziniert viele Jugendliche an Menschen wie Bushido. Leute wie er hätten früher nie eine solche Karriere hingelegt. Er hat keine abgeschlossene Ausbildung, keinen akademischen Titel, und trotzdem ist er ein erfolgreicher Geschäftsmann geworden.

Bushido hat einige große Tattoos. Können Sie auch mit so etwas aufwarten, Herr Bleibtreu?

Bleibtreu: Mmh, ja, aber nicht so etwas Spektakuläres wie die von Anis. Das Tattoo hat eine sehr persönliche Bedeutung. Das ist privat.
Bushido: Die alte Regel: Wenn du das Tattoo nicht siehst, dann geht es keinen was an.
Bleibtreu: Soll ich noch mal was verraten? Seine sind übrigens gar nicht echt. Bushido: Ist in Wirklichkeit nur Edding.
Bleibtreu: Anis, wird Zeit, dass du die mal wieder nachziehst.

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