Michelle Hunziker

"Männer geben zu schnell auf"

TV-Sonnenschein Michelle Hunziker über deutsche und italienische Fans, die liebenswerten Launen ihrer Tochter und die perfekte Familie

Regentropfen rinnen die Scheiben

des Bremer "Parkhotels" herunter. Drinnen funkeln Kronleuchter mit dem Lachen der Frau um die Wette, die aus dem Hut gezaubert wurde, um "Wetten, dass ...?" und TV-Dino zu neuem Glanz zu verhelfen. Natürlich würde das nie so ausdrücken. Bei allem Selbstbewusstsein bleibt die Blondine stets bescheiden. Doch selbst wenn sie das clowneske Nummerngirl gibt, steckt dahinter eine clevere Geschäftsfrau und erfahrene Moderatorin. Wie die 32-Jährige privat tickt, wie ihr Traummann aussieht und warum sie lieber mit Ex-Ehemann als essen gehen würde, verrät sie im Gala-Interview.

Sie wurden gerade in inniger Umarmung mit Ihrem italienischen Manager erwischt. Ihr neuer Freund?

Ich bin Single, und mir wird so gut wie jeder Mann angedichtet, der mir über den Weg läuft. Mal ist das der Gärtner, mal der Zeitungsbote, der Fischhändler oder der nette Herr aus dem Supermarkt. Das geht schon seit Jahren so, und ich kann nur darüber lachen. Wenn ich wirklich einen Freund habe, dann zeige ich meine Gefühle ja auch, aber es ist weiß Gott nicht jeder, der einmal seinen Arm um mich legt.

Was sehen die Männer in Ihnen - die Frau mit familientauglicher Erotik oder die Femme fatale?

Ich mache mir keine Gedanken darüber, was Männer in mir sehen. Das ist mir egal. Gut, ich trage gern sexy , liebe High Heels und tiefe Ausschnitte, aber ich flirte nicht. Ich vermeide alles, was mich zur Rivalin der Ehefrau macht. Frauen müssen vor mir keine Angst haben, und sie haben auch keine.

Was muss ein Mann mitbringen, damit Sie sich für ihn interessieren?

Wenn man 32 ist, ist man nicht mehr so wählerisch. (lacht) Es gibt keine Klischeevorstellungen mehr. Wenn ich mich verliebe, geht alles. Aber ein Mann muss für mich humorvoll und charmant sein. Ich liebe es, wenn man mir den Hof macht, und ich bedauere, dass das heute weitestgehend verlorengegangen ist. Männer haben leider aufgehört, um Frauen zu werben.

Werden Sie denn nicht mit Blumen überhäuft?

Privat leider nur selten. Es ist vielleicht nicht nur die Schuld der Männer, sondern auch von uns Frauen, dass die Kerle aufgehört haben zu kämpfen. Ich aber will erobert werden und wünsche mir, dass ein Mann sich ins Zeug legt, um mich zu gewinnen. Die Männer aber geben viel zu schnell auf. Wenn die sehen, dass du nicht sofort zu haben bist, lassen sie es sein. Das ist das Traurige. Ich liebe romantische Briefe, ich liebe Blumen, kleine Überraschungen. Einfache Dinge, die nicht viel kosten. Oder ein Anruf: "Ich stehe vor deiner Haustür, kommst du mit auf einen Kaffee?" Heute gibt es nur Sms, ich hasse das. Sms haben jegliche Romantik ruiniert. Ich könnte mir auch nie vorstellen, mich in Internetforen für Singles einzuklinken. Die Vorstellung ist der schiere Albtraum für mich.

Ist es schwer, der Partner von Michelle Hunziker zu sein?

Für Männer ist es nicht einfach zu akzeptieren, dass sie mich ein wenig mit Zuschauern und Fans teilen müssen. Das kränkt ihren männlichen Stolz, und ich warte noch auf den Mann, der damit klarkommt! Arbeiten, ein Kind bekommen, ein Jahr pausieren und heiraten: Eigentlich bin ich eine Frau, die solche traditionellen Werte mag. Mein Problem ist nur, dass ich noch nie einen Mann gefunden habe, der den Mut hat, mit einer Frau zusammen zu sein, die solch einen Job hat wie ich. Klar, anfangs finden Männer toll, was ich mache. Irgendwann aber wird das zum Problem. Nach ein paar Monaten heißt es dann: "Kannst du nicht ein bisschen weniger arbeiten? Verzichte doch auf die Sendung oder das Projekt." Aber genau das möchte ich nicht - zumindest nicht, wenn es keinen zwingenden Grund gibt.

Ist das der Rückschritt in ein traditionelles Paarbild?

Nein, ich vermisse bei Männern eher den mangelnden Mut zu sagen: "Du bist die Frau, mit der ich Kinder möchte." Es fehlt die Ansage, etwas aufbauen zu wollen. Und mich nur besitzergreifend daheim haben zu wollen, funktioniert eben nicht. Ein Mann muss mir schon beweisen, dass ich wichtig für ihn bin.

Kinder, Ehe - steht das noch auf Ihrem Lebensplan?

Natürlich tut es das! Nichts ist ausgeschlossen. Ich bin ein familienbewusster Mensch, jemand der gerne zu Hause ist. Ich warte darauf, dass ein Mann sagt: "Schatz, ruh dich doch ein Jahr aus. Ich arbeite, wir kriegen jetzt ein Kind!" So etwas hätte ich zu gern.

Sie haben keine Angst, Ihre Unabhängigkeit zu verlieren?

Wenn ich einen Mann wie Thomas Gottschalk hätte, der so viel für seine Frau aus tiefer Liebe tut, dann würde ich mich entspannen und denken: Wunderbar, Schatz, mach du das mal. Ich brauche schon das Gefühl, einen Mann zu haben, der auch ein Mann sein möchte und Dinge für mich organisiert. Darauf könnte ich mich einlassen.

Die Chemie stimmt: Michelle Hunziker und Thomas Gottschalk sind das neue ZDF-Dreamteam.

Die Chemie stimmt: Michelle Hunziker und Thomas Gottschalk sind das neue ZDF-Dreamteam.

Wie ist es eigentlich, so hautnah mit Thomas Gottschalk zusammenzuarbeiten?

Thomas ist ein guter Mensch. Er hat ein großes Herz, ist warmherzig und fürsorglich. Wir kennen und mögen uns seit Jahren.

Knistert es gelegentlich zwischen Ihnen?

Mein Gott, nein! Ich bin eine gute Freundin von Thea. Ich bin eine Frau, die sich nie zwischen Ehepaare stellen würde. Das wäre für mich undenkbar.

Könnte Thomas Gottschalk interessant für Sie sein, wenn er ungebunden wäre?

Ich bin ja nicht in ihn verliebt, aber für mich ist Thomas ein Mann, den man heiraten müsste. Er ist glücklich mit Thea und macht alles für sie. Er ist treu - auch hinsichtlich seiner Freunde und Mitarbeiter, das schätze ich sehr.

Glauben Sie an Treue und Monogamie?

Es ist schwer, über Jahre mit einem Menschen zusammen zu sein und nie in Versuchung zu geraten. Das kann passieren, und das könnte ich einem Mann unter Umständen vergeben. Wenn man merkt, dass man zusammenpasst und sich wirklich liebt, kann man verzeihen.

Hat Ihre Tochter Aurora ein Mitspracherecht, wenn es um den Mann Ihres Herzens geht?

Oh ja. (lacht) Auri hat ein Mitspracherecht, weil sie sehr intelligent ist. Sie möchte immer dass ihre Mama glücklich ist. Wenn sie sieht, dass es mir gut geht, freut sie sich. Aber ich dränge ihr niemanden auf. Im Gegenteil. Wenn sie spürt, dass jemand in meiner Nähe ist, ist sie es, die fragt, ob sie ihn kennenlernen darf. Das ist besser, als sie damit zu überfahren.

Wie haben Sie es mit Ihrer Tochter gehandhabt, wenn ein neuer Mann in Ihrem Leben aufgetaucht ist?

Ich habe heikle Situation immer vermieden und noch nie einen Mann nach Hause mitgebracht, seitdem ich mich von Eros getrennt habe. Ich warte generell lange, bevor ich meiner Tochter einen Mann vorstelle.

Aurora ist jetzt 13 Jahre alt. Ist das Mutter-Tochter-Verhältnis klar abgegrenzt, oder sind Sie beste Freundinnen?

Ich habe immer sehr viel Wert darauf gelegt, dass sie mich als ihre Mutter betrachtet. Natürlich spielen, tanzen und lachen wir viel zusammen - uns trennen ja nur 19 Jahre. Sie vertraut mir und wir stehen uns sehr nah. Unser Verhältnis ist wunderbar. Im Moment ist zwar Hormonkrieg angesagt, aber den hatte ich auch in ihrem Alter. Ich kann ihre Launen nur zu gut nachvollziehen.

Sind Sie eine strenge Mutter? Hat Aurora festgelegte Zeiten, wann sie abends zu Hause sein muss?

Disco erlaube ich überhaupt nicht, noch nicht mal die Nachmittags-Disco. In gehen die Youngsters dahin, aber man hört immer wieder Geschichten von Alkohol, Drogenkonsum und Prostitution. Das macht mir Angst. Das toleriere ich gar nicht. Ich bin nicht streng, nur konsequent, und ich erkläre meine Beweggründe immer, wenn ich etwas verbiete. Auri ist vernünftig und zum Glück noch nicht so interessiert an Discos und Jungs. Aber wird wohl noch kommen.

Muss eine Mutter eines Mädchens beschützender sein?

Wenn Jungs in die Pubertät kommen, ändert sich das Verhältnis zu ihrer Mutter, und es wird schwierig, über körperliche Sachen zu reden. Mit Töchtern ist das einfacher. Wenn sie erzählen würde, dass sie jemanden geküsst hat, würde ich niemals schimpfen. Meine Tochter erzählt mir alles und schämt sich nicht. Von daher kann ich schon sagen, dass wir ein offenes Verhältnis haben.

Sind Jungs ein Thema im Hause Hunziker?

Na klar. Auch wenn sich Auri noch nie richtig verliebt hat. Aber zwei Schwärmereien waren schon dabei. Bei ihr und ihren Freundinnen ist das oft so, dass sich vier in den gleichen Typen verlieben, dann kommt Eifersucht ins Spiel. Ich muss gerade überlegen, wann ich das erste Mal verliebt war ... Ich glaube, mit 13.

Welcher Typ Junge kommt bei Ihnen auf keinen Fall ins Haus? Hat Papa Eros da ein Wörtchen mitzureden?

Der Junge, der heimlich in Auroras Zimmer geraucht hat, während ich in der Küche stand und mich fragte, was da drinnen vorgeht - der braucht sich nicht wieder blicken zu lassen. Und ja, der Papa hat immer mitzureden. Eros spielt eine wichtige Rolle. Wir leben sehr nahe beieinander. Aurora hat zu ihrem Vater ein ganz anderes Verhältnis als zu mir. Aber die Beziehung einer Tochter zu ihrem Vater ist ja auch wie die erste große Liebe im Leben eines Mädchens - und am liebsten würde Aurora, so wie die meisten Mädchen in ihrem Alter, ihren Papa heiraten. Mit ihm würde sie allerdings nie über Händchenhalten und Küssen reden. Dafür bin ich zuständig.

Sie sind alleinerziehende Mutter, Karrierefrau - und vermutlich ein Organisationstalent. Wie managen Sie Ihr Leben?

Ich organisiere mich wie alle Frauen. Und ich sage: Frauen werden mit diesem Organisationstalent geboren, weil sie alles können müssen. Mutter sein, einen Beruf ausüben, sich um Freunde und Ehemänner kümmern. Seit ich mit 19 Jahren Mutter geworden bin, war klar, dass Aurora oberste Priorität hat und sich der Rest ergibt. Aurora ist die größte Konstante und Kraftspenderin meines Lebens. Sie hat auch dafür gesorgt, dass ich beruflich vorankomme. Ich habe nach der Trennung von meinem Ex-Mann Eros zwar Unterhalt für unsere Tochter bekommen, aber kein Geld für mich in Anspruch genommen. Ich dachte, ich bin jung, spreche fünf Sprachen, ich schaffe das alleine. Ich wollte kein Geld. Meine Tochter war dabei für mich ein unheimlicher Ansporn.

Gab es viele Nannys im Hause Hunziker?

Die ersten vier Jahre nach Auroras Geburt habe ich alleine für sie gesorgt. Wir hatten kurz einen Babysitter, aber ich war dann doch zu eifersüchtig. Ich wollte die Erziehung meines Kindes keinem anderen überlassen. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt und eine Nanny engagiert. Meine Mutter war auch eine große Unterstützung. Darin sind Großmütter unschlagbar.

Ihr Verhältnis zu Ihrer Mutter war jahrelang angespannt. Wie ist das heute?

Wir stehen uns wieder sehr nah, darüber bin ich froh. Eltern sind sehr wichtig im Leben. Das weiß ich heute, aber wir haben vier Jahre nicht miteinander gesprochen und hatten unsere Probleme. Aber ich habe inzwischen begriffen, dass man seine Eltern so lieben und akzeptieren muss, wie sie sind, und ich sehe, wie wichtig es war, dieses Verhältnis zurückzugewinnen. Eines Tages sind sie nicht mehr da, und dann bereut man jeden Tag, den man zerstritten war.

Sind Sie tatsächlich immer so fröhlich wie im Fernsehen, oder ist das nur ihr öffentliches Gesicht?

Ich könnte mich gar nicht verstellen. Ich arbeite seit 15 Jahren in Italien, und das Publikum sieht sofort, ob man ihm etwas vormacht. Natürlich habe ich wie alle Menschen auch Momente, in denen ich traurig bin - aber die nehme ich nicht unbedingt mit ins Fernsehen.

Michelle Hunziker macht als weiblicher Wilhelm Tell in "Wetten, dass" einiges mit.

Michelle Hunziker macht als weiblicher Wilhelm Tell in "Wetten, dass" einiges mit.

Hat die private Michelle auch eine verletzliche Seite?

Beruflich zweifle ich jeden Tag an mir. Ich bin oft nicht zufrieden mit dem, was ich mache. Aber auch als Frau habe ich lange gebraucht, um mein niedriges Selbstwertgefühl zu verbessern. Mein Anspruch an mich ist sehr hoch. Perfektionistisch bin ich aber nicht. In Italien habe ich gelernt, dass das nicht gut ist. Man ist keine Maschine, sondern ein Mensch. Man macht Fehler und sollte sich nicht verstellen.

Haben Sie ein Lebensmotto, eine feste Grundüberzeugung, die Sie an Ihre Tochter weitergeben?

Mein Lebensmotto ist, immer positiv zu sein und die humorvolle Seite in Situationen zu betrachten, selbst in tragischen und schwierigen Momenten. Das hat mir mein Vater mitgegeben.

Bekommen Sie öfter Briefe von italienischen oder von deutschen männlichen Fans?

Ich kriege ganz viel Post aus Deutschland, und vieles davon lese ich auch. Das deutsche Publikum ist fantastisch. Die Deutschen haben eine Qualität, die ich wirklich liebe: Sie sind fürsorglich und diskret. Italiener sind eher warmherzig, emotional und physisch. Aber wenn die Deutschen dich lieben, dann kommt das auch von Herzen.

Wenn Sie die Wahl hätten, mit einem der drei folgenden Männer essen zu gehen, wen würden Sie auswählen: George Clooney, Silvio Berlusconi oder Ihren Ex-Mann?

Meinen Ex-Mann. Auf jeden Fall! Ich kenne ihn seit 14 Jahren und wüsste, was für Essen es gibt. Wir würden über unsere Tochter reden und Spaß haben. Unser Verhältnis hat sich gut entwickelt. Es ist sehr gut, fast besser als zur Zeit unserer Beziehung. Verrückt, oder? Mit war ich übrigens auch schon essen. Er ist witzig.

Wenn Sie für einen Tag ein anderer Mensch sein könnten, wer wären Sie dann? Ein Mann?

Oh Gott, nein! (lacht laut) Ich würde mit niemandem tauschen wollen.

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