Max Herre

"Jetzt weiß ich, was ich wirklich will"

Sänger Max Herre ist zurück: mit einem neuen Album - und mit neuen Erkenntnissen über Freiheit, Familie und die Liebe zu On-Off-Ehefrau Joy Denalane

Max Herre

Max Herre

Frisch geduscht, mit nassen Locken kommt Max Herre zum Interview

in die Bibliothek des Hamburger Design-Hotels "The George". Er setzt sich in ein tiefes Ledersofa, nimmt sich ein Stück Melone. Wir bestellen Cappuccino, dann sind wir unter uns. Und innerhalb kürzester Zeit verbreitet sich eine angenehme Ruhe im Raum.

Die tiefenentspannte Ausstrahlung des Musikers steckt an. Dabei hätte man erwartet, den ehemaligen Freundeskreis-Frontmann und mehrfachen Familienvater eher gestresst anzutreffen: Zwischen den Festival-Gigs der vergangenen Monate und dem Tour-Beginn am 14. Oktober veröffentlicht er jetzt sein drittes Solo-Album "Hallo Welt!". Darauf: , der Sänger – und endlich auch wieder Max Herre, der Rapper. Er selbst fühle sich wohl mit der Rückkehr zum Hip-Hop, sagt er. Dann senkt er den Blick, wirkt einen Moment lang für seine 39 Jahre sehr jungenhaft. Und man merkt: Trotz aller Coolness und 15 Jahren als charmanter Chartstürmer - es kribbelt bei Max Herre immer noch, wenn er eine neue Platte am Start hat …

Nach drei Jahren Pause erscheint wieder ein neues Max-Herre-Album. Sind Sie aufgeregt?

Ja, und ich bin froh, dass das Album endlich draußen ist. Kurz vorher spürt man doch immer eine leichte Unruhe. Alle haben so hart dafür gearbeitet. Da wünscht man sich natürlich, dass es gehört wird - und Erfolg hat.

Ihre frühere Band hieß "Freundeskreis", Sie produzieren immer im Team und legen offensichtlich besonders viel Wert auf Gemeinschaft. Warum?

Ich bin so ungern allein! Auch bei der Arbeit macht es doch viel mehr Spaß, wenn man sich austauscht.

Das neue Album: Unabhängig wie die Piratenradio-Station auf dem Cover von "Hallo Welt!" senden  Max Herre und seine Gäste Hits i

Das neue Album: Unabhängig wie die Piratenradio-Station auf dem Cover von "Hallo Welt!" senden Max Herre und seine Gäste Hits ins Land - von Hip-Hop über Reggae und Soul bis Pop. Dazu gibt es durchdachte deutsche Texte mit der passenden Prise Poesie.

Zum Beispiel mit Ihren vielen Gästen. Für "Hallo Welt!" haben Sie diverse Rap- und Gesangs-Kollegen - Weltstars wie Aloe Blacc, alte Kumpels wie Samy Deluxe und Newcomer wie Cro - ins Studio geholt.

Genau. Das sind alles Leute, mit denen mich gute Beziehungen und echte Freundschaften verbinden. Ohne eine gewisse Sympathie füreinander kann man keine Musik zusammen machen.

Auch Ihre Frau Joy Denalane ist wieder mit dabei.

Ja, tingelt immer im Studio rum. (lacht) Sie hilft ja an allen Ecken und Enden. Und sie singt noch viel mehr, als Sie vielleicht denken. Joy ist bei ganz vielen Chören auf dem neuen Album vertreten.

Ist es leichter oder schwerer, mit jemandem zu arbeiten, den man so gut kennt?

Generell ist es toll. Besonders wenn es privat gut läuft. Dann ist es viel einfacher. Aber wenn's mal schwierig wird, ist es auch musikalisch gleich viel schwieriger. Man führt dann oft stellvertretende Auseinandersetzungen, bei denen es eigentlich um etwas völlig anderes geht.

In dem Lied "DuDuDu" geht es um Ihre Frau, oder?

Klar. (lächelt versonnen) Manchmal öffne ich mich ganz und erzähle, was bei mir so los ist. Ich möchte damit aber keine Interna preisgeben, sondern vielmehr bestimmte Emotionen festhalten und mir Gedanken machen, die auch eine Allgemeingültigkeit haben. Meine Musik soll ja ankommen und die Menschen erreichen.

Joy und Sie hatten sich 2007 nach acht gemeinsamen Jahren getrennt, sind jetzt aber wieder glücklich. Braucht die Liebe Pausen?

Das kann ich so pauschal nicht beantworten, weil Beziehungen unterschiedlich sind. Für mich kann ich sagen: Ja, die Pause hat mir gezeigt, was ich wirklich will. Wenn man durch schwierige Phasen geht und diese übersteht, dann festigt das eine Beziehung. Weil man sich ganz bewusst noch mal für diese Frau, für diese Liebe entschieden hat. Streiten und Versöhnen ist oft wahnsinnig reinigend - und ein viel intensiveres Gefühl als durchgehendes Glück.

Bei Ihrer Frau und Ihnen gab es einige Ups und Downs …

Joy und ich sind sehr früh zusammengekommen und haben früh Kinder bekommen. Die Grundsatzfrage, ob wir wirklich genau dieses Leben miteinander führen wollen, haben wir uns erst nach sieben oder acht Jahren Beziehung gestellt. Wenn man aber schon so eng zusammen ist und Familie hat, dann darf man da eigentlich gar nicht mehr drüber nachdenken. Gleichzeitig wird die Sehnsucht nach dem, was da draußen noch ist oder möglich wäre, größer. Wahrscheinlich gerade, weil dieses große Verbotsschild darüber steht.

Mittlerweile leben Sie wieder mit Ihrer Frau und den gemeinsamen Söhnen zusammen - und wenn wir richtig gehört haben, war beim Lied "1992" sogar einer von den Jungs dabei, oder?

Ja, das ist Jamil, der Achtjährige. (lächelt) Morgens, als er noch im Bett war. Da hat er gerappt, und wir haben ihn auf dem iPhone aufgenommen.

Wird er auch Hip-Hopper?

Weiß ich nicht … Boah! Keine Ahnung. Der Größere ist da allerdings echt schon sehr interessiert. Er schreibt Songs und rappt auch ein bisschen.

Dabei ist Isaiah doch erst elf! Obwohl – Sie haben ja auch früh angefangen.

Ja, mit elf, mit der Gitarre. Also ich sehe da doch schon Wahnsinns-Parallelen.

Und? Würden Sie ihm raten, Musiker zu werden?

Also wenn er das machen wollen würde, ich weiß nicht … Ich würde ihm schon helfen und ihm nicht im Weg stehen. Aber ich weiß nicht, ob ich das so wahnsinnig toll für ihn fände.

Warum nicht?

Weil ich glaube, dass es generell schwierig ist, in die Fußstapfen der Eltern zu treten. Man wird dann mit ihnen verglichen, immer geht es auch um die berühmte Mutter oder den tollen Vater. Richtig gut fände ich es vor allem, wenn mein Sohn mich einmal total in den Schatten stellen würde.

Anna Schunck

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