Mary-Louise Parker
© Getty Mary-Louise Parker

Mary-Louise Parker "Ich mag kein Hasch"

Na sowas! Dabei beschäftigt Mary-Louise Parker sich in der US-Kult-Serie "Weeds", die nun nach Deutschland kommt, fast ausschließlich mit Cannabis

Sie raucht jeden Tag Marihuana. Nicht im wirklichen Leben, versteht sich. "Und wenn, dann höchstens aus rein professionellen Gründen", witzelt die Schauspielerin beim Interview in Los Angeles. Mary-Louise Parker ist eine der Hauptdarstellerinnen der Serie "Weeds", in der sich alles um Kultivierung, Genuss und Verkauf der Cannabis-Pflanze dreht. Der Quoten-Hit aus den USA, der jetzt auch in Deutschland startet, hat der 42-Jährigen nach langen Jahren, in denen sie zumeist kleinere Rollen spielte, nun doch noch zu Ruhm verholfen. Mit GALA sprach der TV-Star über die Serie, der sie alles verdankt, ihren Sohn - und ihr Date mit Brad Pitt.

Gala: Okay, gleich mal raus mit der Sprache, wie haben Sie sich auf ihre Rolle als drogendealende Vorstadt-Mutter vorbereitet?

(lacht) Ich habe jeden Tag Marihuana geraucht. Nein, ich mache natürlich Witze. Aber rein theoretisch kenne ich mich tatsächlich sehr gut aus mit Cannabis.

Gala: In den USA ist "Weeds" bereits ein Hit. Hätten Sie damit gerechnet?

Man hofft es zwar, aber es war schon eine Überraschung. Wir sind natürlich alle total happy, schließlich sichert der Erfolg ja auch eine zeitlang unsere Jobs.

Gala: Worum geht es genau?

Wir leben in der Vorstadt. Alles schön ordentlich und sauber. Aber hinter den Fassaden der Mehrfamilienhäuser spielen sich wahre Dramen ab, nichts ist so, wie es scheint. Einige von uns unterhalten ein lukratives Nebengeschäft: Wir bauen Marihuana an und verkaufen es an unsere ehrenwerten Nachbarn weiter. Und dabei gibt's natürlich jede Menge Probleme.

Gala: Stimmt es, dass Sie um ein Haar in einer anderen Vorstadt-Serie gelandet wären?

Ja, das Gerücht, ich hätte Teri Hatchers Part in "Desperate Housewives" abgelehnt, hält sich seit einiger Zeit hartnäckig.

Gala: Und, stimmt das?

Nein, so war es nicht. Ich habe die Rolle nicht abgelehnt. Wäre ja auch schön blöd gewesen, oder? Ich war im Gespräch, habe den Job aber nicht bekommen.

Gala: Haben Sie den Golden Globe, den Sie für "Weeds" gewonnen haben, Ihrer Konkurrentin Teri Hatcher wenigstens demonstrativ unter die Nase gehalten?

Ja, und wie! (lacht) Nein, Teri war total süß, hat mir gratuliert und mich ganz fest in den Arm genommen. Ich habe ihr am nächsten Tag Blumen geschickt, weil ich so bewegt von ihrer Reaktion war. Mittlerweile sind wir gute Freundinnen.

Gala: Getreu dem Motto: Wir - Verzeihung - "älteren" Frauen in Hollywood müssen zusammenhalten?

Dafür müssen Sie sich doch nicht entschuldigen. Die Aussage stimmt doch. Wir sind keine 20 mehr, sondern gehören in der Entertainment-Branche tatsächlich zu den älteren Semestern.

Gala: Das sieht man Ihnen aber wirklich nicht an.

Vielen Dank für die Blumen. Ich glaube, dass Frauen heute ein anderes Verhältnis zu ihrem Alter haben. Da ist schon was dran, wenn jemand sagt, dass die 40er die neuen 30er sind. Schauen Sie mich an: Ich habe heute bessere Jobs als mit 20.

Gala: Fühlen Sie sich heute sexier als früher?

Ich habe heute ein anderes Verhältnis zu mir und meinem Körper. Ich bin gelassener, entspannter. Sobald man weniger Unsicherheiten verspürt, fühlt man sich tatsächlich sexier. Ich persönlich finde, "fraulich" ist der treffendere Ausdruck für dieses Gefühl.

Gala: Wie fühlt es sich an, in der zweiten Lebenshälfte auf einen Schlag berühmt zu werden?

Darüber mache ich mir kaum Gedanken. Selbstverliebtheit und Selbstüberschätzung liegen mir nicht.

Gala: Hört sich sehr vernünftig an.

Warten Sie bloß ab, wie ich meine Assistentin nachher behandeln werde. Kaltes Evian-Wasser in die Hotelsuite, Sushi zu Mittag, aber bitte pronto. Ich bin eine echte Diva (lacht laut). Nein, im Ernst, ich glaube, in diesem Business muss man Verlockungen auch widerstehen können.

Gala: Werden Sie auf der Straße häufig auf die Serie angesprochen?

Klar, viele Leute kommen auf mich zu und sagen, dass ich viel netter als im Fernsehen sei. Was soll ich dazu sagen? Es ist eine Serie, ich spiele eine Rolle. Es ist erstaunlich, wie oft Menschen eine fiktive Figur für echt halten.

Gala: Mögen Sie Ihre Figur Nancy Botwin?

Ich sehe ihre Fehler, klar. Aber genau die machen eine Persönlichkeit aus ihr. Ja, ich mag Nancy sehr.

Gala: Sie spielen eine alleinerziehende Mutter - die Sie im richtigen Leben ja auch sind. In "Weeds" geraten Sie allerdings schnell in Schwierigkeiten, sind eher eine Anti-Heldin?

Naja, für meinen dreijährigen Sohn William (Vater ist der Schauspieler Billy Crudup, Anm. d. Red.) bin ich hoffentlich eine Heldin. Ich versuche, ihm eine gute Mutter zu sein. Wenn Du Kinder in die Welt setzt, verändert sich dein gesamtes Weltbild. Du wirst zur Löwin, verteidigst deine Brut gegen alle möglichen Angriffe.

Gala: Die Legalisierung von Marihuana ist ein großes Thema in den USA. Wie stehen Sie dazu?

Ich bin dafür! Für medizinische Zwecke darf es heute ja schon verwendet werden. Ich glaube, dass eine Legalisierung unserer Gesellschaft helfen würde. Es gibt Erhebungen, die belegen, dass die drogenbezogenen Morde in den USA danach stark zurückgehen würden.

Gala: Haben Sie je versucht, Probleme mit Drogen zu lösen?

Nein, das war nie mein Ding. Ich mag, wenn ich ganz ehrlich bin, noch nicht einmal den Geruch von Haschisch.

Gala: Leben Sie eigentlich lieber mitten in der Großstadt oder in einem Randbezirk?

Ich glaube, dass es egal ist, wo man wohnt. Sobald man hinter die Fassaden blickt, findet sich überall eine Mischung aus Enttäuschung und Glück, Traurigkeit und Missverständnis. Das ist ein Teil von uns.

Gala: Sie haben gerade den Film "Jesse James" mit Brad Pitt abgedreht. Waren Sie aufgeregt?

Hmm, Brad ist prima, ein echt netter Kerl. Ich habe den Film aber gemacht, weil mich die weibliche Rolle gereizt hat. Obwohl: Lunchen mit Brad Pitt war natürlich auch nicht zu verachten.