Mario Testino
© Getty Images Mario Testino

Mario Testino "Ich sorge für Spaß"

Starfotograf Mario Testino über seine Freundschaft zu Claudia Schiffer und das Partyleben von Kate Moss

Die Haut ist leicht gebräunt,

die welligen Haare sitzen perfekt. Mario Testino trägt ein schwarzes Jackett über einem blauen Hemd, dazu eine verwaschene Jeans und frisch geputzte schwarze Schuhe. Als er das Foyer der Hamburger Deichtorhallen durchschreitet, halten ihn immer wieder Fans an und bitten um ein gemeinsames Foto. Seelenruhig gibt er Autogramme.

Der Peruaner hat nicht nur die berühmtesten Menschen der Welt fotografiert und zählt Kate Moss, Claudia Schiffer und Madonna zu seinem Freundeskreis, er ist längst selbst ein Star. Seit mehr als 20 Jahren lebt er in London und spricht hervorragend Englisch - mit einem kleinen, sehr charmanten südamerikanischen Einschlag.

Gummibrüste, Lolitablick - wie haben Sie es bloß geschafft, Claudia Schiffer, die eher als konservativ gilt, so zu fotografieren?

Ich glaube, das Bild, das die Leute von ihr haben, stammt noch aus der Zeit, als sie jünger war. Als Claudia mit dem Modeln anfing, machte sie keinen Schritt ohne ihre Mutter. Sie wurde ins kalte Wasser geworfen, ohne wirklich gelebt zu haben. Heute hat sie zwei Kinder, sie ist eine reife Frau. Sie ist sehr entschlossen und besitzt sehr viel Personality.

Sie scheint auch Humor zu haben ...

Bei den Menschen, die ich fotografiere, versuche ich, solche Aspekte hervorzubringen. Witz und Komik sind ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Davon gibt es in der Welt viel zu wenig.

Kate Moss und Mario Testino amüsieren sich während einer Fashion-Show in Paris
© WireImage.comKate Moss und Mario Testino amüsieren sich während einer Fashion-Show in Paris

Woher wissen Sie, was in einem Menschen steckt?

Viele meiner Modelle habe ich über die Jahre sehr gut kennengelernt. Während sie geschminkt werden, setze ich mich zu ihnen und versuche, noch mehr über sie herauszufinden. Bei Claudia ist es so, dass wir beide in London leben und uns oft treffen. Wir sammeln beide Kunst, das verbindet.

Das Bild mit den Gummibrüsten stammt aus einer Strecke über Sex für die "Vogue". Besteht bei solchen Motiven nicht die Gefahr, dass es am Ende billig wirkt?

Möglicherweise. Aber ich mag Grenzfälle. Alles, was zu chic ist, finde ich langweilig, weil es bourgeois ist.

Meistens fotografieren Sie junge Frauen. Verändert sich die Schönheit mit dem Alter?

Ja, ich denke, die Schönheit einer Frau ändert sich mit jedem Jahr, das sie älter wird. Mit Gisele Bundchen zum Beispiel arbeite ich, seit sie 17 war. Ich habe sie gerade anlässlich ihrer Hochzeit für "Vanity Fair" fotografiert. Sie sieht toll aus, aber auf ganz andere Weise als vor zehn Jahren.

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