Maria Furtwängler

"Ich möchte einfach nur leben!"

Maria Furtwängler ist attraktiv, erfolgreich, beliebt - und trotzdem gerade dabei, ihr Leben zu ändern. Im Interview mit "Gala" sprach sie über starke Frauen, schnellen Sex und ihre "Tatort"-Pläne

Maria Furtwängler

Maria Furtwängler ist eine außergewöhnliche Frau.

Eine, die sich mit 46 Jahren gerade noch einmal neu erfindet. Die von sich sagt: "Ich habe das Gefühl, dass ich keine Erwartungen mehr erfüllen oder Rollen gerecht werden muss. Jetzt geht es nur noch darum, dass ich aus mir selber heraus Dinge ausprobiere. Ich möchte einfach nur leben!" Franziska Meletzky, die Regisseurin der aktuellen "Tatort"-Doppelfolge, beschreibt die Zusammenarbeit mit so: "Sie ist immer top vorbereitet und angenehm experimentierfreudig. Vor allem aber hinterfragt und analysiert sie jede Szene. Und wenn sie etwas ändern möchte, dann hat das immer einen guten Grund. Ihr Denken ist nicht durch Eitelkeit motiviert." Der Umgang mit Maria Furtwängler sei angenehm gewesen, gerade weil sie die Drehbücher sehr intensiv lese. Von einigen Drehbuchautoren und Regisseuren wird sie dafür gefürchtet ...
Franziska Meletzky: "Bei uns war das anders. Zumal ich finde, dass sie bei der Drehbucharbeit wirklich ein großes Talent hat. Uns treibt beide die Sehnsucht nach der bestmöglichen Geschichte an."

Einmal selber schreiben, vielleicht sogar einen Film produzieren: Auch das sind Zukunftspläne von Maria Furtwängler. Entspannter mag ihr neues Leben sein. Langweiliger wird es aber sicher nicht.

Maria Furtwänglers Make-up-Wunsch fürs Shooting: "Bitte dezent, bloß nicht überladen!"

Maria Furtwänglers Make-up-Wunsch fürs Shooting: "Bitte dezent, bloß nicht überladen!"

Der neue "Tatort" mit Ihnen ist richtig stark geworden - und das, nachdem Sie bereits öffentlich über einen Abschied als Kommissarin nachgedacht haben. Was ist da passiert?

Ich hatte nach zehn Jahren tatsächlich irgendwann das Gefühl, dass sich das Thema Tatort für mich erledigt hat. Denn als Darstellerin kann ich ja nicht - wie bei anderen Projekten - jedesmal neu entscheiden: Das mag ich, das mag ich nicht. Und ehrlich gesagt fand ich die Drehbucharbeit in den letzten Jahren mitunter anstrengend.

Daraus wollten Sie Konsequenzen ziehen?

Ja. Ich habe eine Zeit lang gedacht: Das hast du gemacht, nun ist es Zeit zu gehen. Da kam mir dann die Idee, die aktuelle Doppelfolge für meinen Abgang zu nutzen. Wir hatten auch schon verschiedene Varianten überlegt, wie der wohl aussehen könnte. Ich zum Beispiel dachte mir, Charlotte Lindholm dreht am Ende einfach durch, weil sie die Anführer mal wieder nicht bekommt, nur das Fußvolk, und dann greift sie selber zur Waffe!

Es kommt dann aber doch anders ...

Richtig. Denn ehrlich gesagt sind die ersten Drehbuchentwürfe hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben. Da habe ich entschieden: So einen Abschied hat Charlotte nicht verdient, das ist nicht stark genug. Stattdessen ist etwas sehr Schönes passiert. Ich habe mich sehr ausführlich auf diese zwei Folgen vorbereitet und intensiv am Drehbuch mitgearbeitet und mich neu in meine Rolle verliebt.

In der "Tatort"-Doppelfolge "Wegwerfmädchen" und "Das goldene Band" (9. und 16. Dezember, 20.15 Uhr, ARD) ermittelt Furtwängler

In der "Tatort"-Doppelfolge "Wegwerfmädchen" und "Das goldene Band" (9. und 16. Dezember, 20.15 Uhr, ARD) ermittelt Furtwängler als Charlotte Lindholm. Es geht um Zwangsprostitution in Hannovers besten Kreisen.

Mit dem Verleger Hubert Burda, 72, ist Maria Furtwängler seit 21 Jahren verheiratet.

Mit dem Verleger Hubert Burda, 72, ist Maria Furtwängler seit 21 Jahren verheiratet.

Das klingt sehr durchsetzungsstark. Sind Sie als Powerfrau eigentlich für die Frauenquote?

Eigentlich bin ich kein Freund von Quoten, denn ich lasse mir generell nur ungern etwas vorschreiben. Ich habe aber den Eindruck, dass die Frauenquote ein Schritt in die richtige Richtung ist und bin froh, dass sich die EU-Kommissarin Viviane Reding mit ihrer Forderung durchsetzen konnte. Die Dinge bewegen sich sonst zu langsam! Das merke ich doch schon, wenn ich nur mit meinem Mann über eine mögliche Frau im Vorstand spreche. Der sagt dann: "Klar, im Bereich Kommunikation oder so kann ich mir das gut vorstellen. Aber doch nicht für Finanzen ..." (lacht)

Ärgert es Sie, dass Frauen es auch in Deutschland mitunter noch schwer haben?

Natürlich! Was die Anzahl von Frauen in Führungspositionen angeht, sind wir in Deutschland europäisches Schlusslicht. Die Art, wie wir denken, ist stark davon abhängig, was uns vorgelebt wird. Die Bilder in unseren Köpfen prägen unser Handeln. Das gilt nicht nur dafür, was Männer uns zutrauen, auch für das, was wir Frauen uns zutrauen, wie stark wir selbst uns fühlen, wie wertvoll. Mir geht es um das, was all dem zugrunde liegt. Nämlich: Was ist mein Bild von mir als Frau? Wie gehe ich mit meiner Weiblichkeit um? Das ist das viel tiefere Thema. Auch wenn Sie die Generation meiner Tochter anschauen.

Maria Furtwängler beim Interview mit den "Gala"-Redakteuren Alexander Stilcken (ganz l.) und Christian Krug. Sie verriet, dass s

Maria Furtwängler beim Interview mit den "Gala"-Redakteuren Alexander Stilcken (ganz l.) und Christian Krug. Sie verriet, dass sie jetzt wieder Lust auf "Tatort" hat, zumindest einmal im Jahr.

Wie meinen Sie das?

Viele dieser Mädels, die eigentlich komplett freie und entzückende Personen sind, gehen mit ihrer Weiblichkeit so unfassbar gedankenlos um. Da wird nahezu wahllos mit Jungs ins Bett gegangen und Sexualität als Werkzeug für gesellschaftliche Ziele genutzt. Sie geben sich so schnell her! Da frage ich mich: Warum sind die sich selber so wenig kostbar?

Fühlen Sie sich in einer Gesellschaft einsam, die so lebt und liebt?

Nein, ich bin ja umgeben von guten Freundinnen, von meiner Familie. Aber tatsächlich fühle ich mich stark hingezogen zu starken Frauen. Frauen, die Dinge durchsetzen und dabei trotzdem weiblich bleiben. Viele solcher Prototypen der modernen Frau habe ich durch meine Arbeit bei "DLD Women" kennengelernt: Viviane Reding oder auch die Journalistin . Und ich bin ein absoluter Ursula-von-der-Leyen-Fan! Die ist ja alles andere als ein Mannweib, eher ganz zart und auf eine gewisse Weise fast zerbrechlich - aber wahnsinnig klar und stark, wenn es darum geht, sich durchzusetzen.

Wie viel Charlotte Lindholm steckt eigentlich in Ihnen?

Jede Schauspielerin geht anders an eine Rolle heran - ich versuche einen Charakteranteil einer Rolle in mir selber zu entdecken. Nehmen Sie zum Beispiel Charlottes Einsamkeit. Auch wenn es nicht mein vorherrschendes Gefühl ist: Es gibt einen sehr einsamen Teil in Maria Furtwängler. Obwohl ich einen starken Familienverbund lebe, einen großen Freundeskreis und unendlich viele Leute um mich herum habe.

Alexander Stilcken

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