Kristin Scott Thomas

"Nichts für schwache Nerven"

Die Schauspielerin Kristin Scott Thomas über die Doppelbelastung als Mutter und Hollywood-Star

Kristin Scott Thomas

Kristin Scott Thomas

Seit den Blockbustern

"Vier Hochzeiten und ein Todesfall" oder "Der englische Patient" ist Kristin Scott Thomas ein Sexsymbol für Cineasten und Intellektuelle. Abgehoben ist die attraktive Britin aber nicht. "Ich habe in meiner Karriere auch schon Zeiten gehabt, da lief es trotz guter Filme überhaupt nicht", verrät sie. Ruhm und Schönheit? Das sind Themen, die der Schauspielerin eine charmante Röte auf die Wangen zaubern. Überhaupt lacht und gestikuliert die 48-Jährige während des gesamten Interviews wie ein junges Mädchen. Charmant und sehr offen spricht die Charakterdarstellerin über das Altern im Film-Business, ihre Theaterprojekte, das neue Kinodrama "So viele Jahre liebe ich dich" und die Erziehung ihrer drei Kinder.

Gala: Viele Schauspielerinnen beschweren sich, dass sie jenseits der Vierzig keine Rollen mehr angeboten bekommen. Ein Problem, das Sie nicht haben, oder?

Ich hatte bisher tatsächlich sehr viel Glück, wenn es um Rollen ging. Aber es ist leider nicht zu leugnen, dass viele meiner gleichaltrigen Kolleginnen heute kaum noch Drehbücher auf den Tisch bekommen, die auch ihrem Alter entsprechen. Es ist eine ziemlich unbequeme Art herauszufinden, dass man langsam zu alt wird für die Kinoleinwand (lacht).

Gala: Deswegen haben Sie ja vorgesorgt und spielen seit Kurzem auch Theater am Broadway. Das Anton-Tschechow-Stück "Die Möwe" ist ein Riesenerfolg beim Publikum. Sieht so aus, als sei Ihre Karriere im Moment gegen jegliche Rezession abgesichert.

Ihr Wort in Gottes Ohr! Ja, das Theater macht mir wahnsinnig viel Spaß. Kein Schnitt, keine Nachbearbeitung. Alles sehr roh, sehr live. "Die Möwe" ist ein echtes Stück mitten aus dem Leben. Ich kann ruhigen Gewissens sagen, dass das Leben für Frauen ab 45 noch sehr viel zu bieten hat. Deshalb auch die Aufforderung an meine Altersgenossinnen: Genießt den zweiten Frühling und marschiert stolzen Schrittes voran!

Gala: Wie wichtig ist Schönheit für Sie?

Ich habe mich selbst nie als außergewöhnlich schön empfunden. Ich bin kein eitler Mensch. Schönheit ist für mich ein sehr subjektiver Begriff. Und ich fühle mich jedes Mal sehr unwohl, wenn ich über das Aussehen von Menschen sprechen muss.

Gala: Wie würden Sie sich denn selbst beschreiben?

Oh, das ist schwer. Ich glaube, dass ich ein Mensch bin, der immer mehr möchte. Macht das Sinn? Wenn ich bei einem Job viel Spaß habe, dann möchte ich sofort ein neues Engagement annehmen, weil ich denke, dass es immer so weiter geht. Ein bisschen unersättlich vielleicht, das ist eine ganz gute Beschreibung (lacht).

Gala: Sie tanzen aber auch sehr gekonnt auf zwei Hochzeiten, machen Filme in Europa und in den USA. Warum eigentlich?

Nun, ich lebe die meiste Zeit in Paris. Da liegt es nahe, ab und zu auch einmal Arbeit anzunehmen, die es mir erlaubt, meine Kinder regelmäßiger zu sehen. Und mir gefällt die europäische Sensibilität, wenn es ums Filmemachen geht.

Gala: Fühlen Sie sich nach all den Jahren eher als Französin oder als Engländerin?

Ihre Frage trifft den Nagel auf den Kopf. Ich fühle mich wirklich ein bisschen wie eine Ausländerin, wenn ich nach England zurückkehre.

Gala: Warum haben Sie sich eigentlich für die Schauspielerei entschieden?

Schauspieler erzählen Geschichten, dieser Aspekt an dem Beruf hat mich immer schon fasziniert. Trotzdem war und ist es mir auch heute immer noch ein bisschen peinlich, dass ich "nur" Schauspielerin geworden bin. Vor allem, weil ich nicht besonders viel mit der Arroganz und der Eitelkeit von Schauspielern anfangen kann.

Gala: Sie spielen öfter Personen, die man nicht gerade ins Herz schließt. Warum?

Menschen, die man nicht auf Anhieb sympathisch findet, faszinieren mich. Ich betreibe gerne Ursachenforschung: Warum ist jemand ungenießbar - was steckt dahinter? Das sind Fragen, die mich durchs Leben treiben.

Gala: Sie sind Mutter von drei Kindern und leben von ihrem französischen Mann getrennt. Da kann es nicht leicht fallen, ständig von Set zu Set zu reisen, oder?

Nein, ist es auch nicht. Deshalb bin ich ja so dankbar, dass ich einen Teil meiner Karriere in Europa habe. Dann kann ich am Abend bei den Kindern sein, ihnen vorlesen, die Hausarbeiten korrigieren.

Gala: Sind Sie bei der Erziehung Ihrer Kinder sehr streng?

Ich glaube eher, dass ich eine ziemlich lässige Mom bin. Ich bin oftmals auch zu faul, um meine Kinder zu disziplinieren.

Gala: Zu faul? Das meinen Sie doch nicht ernst, oder?

Na ja, ich halte es für Zeitverschwendung, ständig zu meckern oder sie immer zu verbessern. Kinder müssen eigene Erfahrungen, eigene Fehler machen. Ich kann ihnen die Hand halten, für sie da sein. Aber am Ende des Tages müssen wir sie doch nur auf den Weg bringen, oder?

Gala: Sind Sie gern Mutter?

Oh ja, es ist mein Traumjob. Es ist wohl das erhabenste Gefühl, das es für eine Frau geben kann. Ich bin so stolz auf meine Kids. Manchmal muss ich weinen, nur wenn ich an meine geliebten Kinder denke.

Gala: Familie spielt auch in Ihrem neuen Film eine große Rolle. In "So viele Jahre liebe ich dich" spielen Sie eine Mörderin, die ins Haus ihrer Schwester zurückkehrt.

Ich liebe düstere Rollen, fühle mich hingezogen zu verschatteten Charakteren. Vielleicht ist das mein Mantra im Leben: Es geht darum, gute Rollen zu spielen, auch auf die Gefahr, dass die Karriere dadurch mal kurz ins Stocken gerät.

Gala: Und das ist Ihnen passiert?

Ja, nach "Der englische Patient" zum Beispiel. Ich kam vom Set zurück nach Hause, und es lag kein einziges weiteres Angebot vor. Sobald du in Hollywood mal den Fuß vom Gaspedal nimmst, bist du weg vom Fenster. Es ist ein wahnsinnig schnelllebiges Business. Erfolg ist ein echtes Monster. Du jagst ihm hinterher, wenn du Glück hast, dann kannst du es greifen. Aber genau in dem Moment setzt die Angst ein, dass morgen schon wieder alles vorbei sein kann. Die Schauspielerei ist wirklich kein Geschäft für Menschen mit schwachen Nerven.

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