Kostja Ullmann

"Fragen Sie die Frauen!"

Nicht nötig. Warum der Schauspieler Kostja Ullmann so gut ankommt, ist leicht zu beantworten

Kostja Ullmann

Er gilt als neuer Shooting-Star der deutschen Filmszene, wird mit Preisen überschüttet und dreht einen Streifen nach dem anderen. Eigentlich die besten Voraussetzungen, um richtig abzuheben. Nicht so Kostja Ullmann. Beim Interview in seiner Heimatstadt Hamburg merkt man schnell: Der 23-Jährige ist erfrischend bodenständig. In seinem aktuellen Film "Stellungswechsel" spielt er einen arbeitslosen Twen, der zusammen mit Florian Lukas und Herbert Knaup einen Escort-Service gründet.

Hand aufs Herz: Gab es in ihrer Jugend auch irgendwelche peinlichen Jobs?

Ich habe mal im Fußballstadion Brezeln verkauft, mit einem Riesenkorb. Da wurde ich natürlich ständig angepöbelt, weil ich eigentlich immer im Weg stand. Aber das habe ich nicht des Geldes wegen gemacht, sondern weil ich großer Fan des HSV bin und so kostenlos ins Stadion konnte. Außerdem habe ich in einer schmierigen kleinen Kneipe auf der Reeperbahn ausgeholfen, wo es erst um vier Uhr morgens richtig losging. Aber das war widerlich, Toilette putzen war noch harmlos. Nach zwei Tagen habe ich gesagt: Leute, das war's!

Ist die Liebe zum HSV der Grund, warum Sie Anfang des Jahres wieder von Berlin nach Hamburg gezogen sind?

(lacht) Nee, so ein krankhafter Fan bin ich dann doch nicht. Berlin hat mir auch Spaß gemacht, aber meine Freunde dort waren alle im Film- oder Medienbusiness. Mir fiel es schwer, 24 Stunden am Tag nur darüber zu reden. Hier in Hamburg ist mein alter Freundeskreis, der gar nichts damit zu tun hat. Und natürlich meine Familie.

Sind Sie ein Familienmensch?

Total! Meine Eltern wohnen gleich bei mir um die Ecke, was ich eigentlich gar nicht wollte. Aber jetzt finde ich das sehr schön. Ich habe zu ihnen und meiner Schwester Shantia ein tollen Verhältnis, sie ist immer meine beste Freundin gewesen. Momentan spielt sie in Stuttgart Theater, und wir sehen uns leider nicht mehr so oft.

Kostja Ullmann in Siegerpose

Kostja Ullmann in Siegerpose

Sie sind 23 und haben schon 29 Filme gedreht - nicht schlecht.

Stimmt, da ist ganz schön was zusammengekommen. Aber ich habe natürlich klein angefangen als Hamburger Jung', mit Minirollen im "Alphateam" zum Beispiel.

Ob Heino Ferch oder Bruno Ganz, Sie haben schon mit den ganz Großen der deutschen Filmszene gedreht. Wer hat sie am meisten beeindruckt?

Natürlich ist man erst mal ein bisschen eingeschüchtert, wenn man einen Heino Ferch trifft. Aber der ist ja auch nur ein Mensch. Für mich war die schönste Erfahrung, mit Florian Lukas zu drehen. Seit "Absolute Giganten" bin ich ein Riesen-Fan von ihm.

Gab's auch mal die Überlegung, etwas komplett anderes zu machen?

Ich habe früher viel als Babysitter gejobbt, musste immer einspringen, wenn meine Schwester nicht konnte. Und ich habe ein Praktikum im internationalen Kindergarten in Hamburg gemacht, was unglaublich war: mit den Kindern zu arbeiten, die alle kein Deutsch sprechen, aber trotzdem irgendwie zusammen funktionieren. Da kann man sich schon viel abgucken. Sollte ich später viel Geld verdienen, wäre es mein Traum, einen Kindergarten aufzumachen. Es gibt ja ohnehin zu wenig Kita-Plätze.

Wie würde ihr Traum-Kindergarten aussehen?

Wie ein riesengroßer Pilz, in dem die Kinder wohnen. Alles wäre aus der Sicht der Kinder gebaut. Mal gucken, da kann man bestimmt noch viel rumspinnen.

Und wie sieht's mit eigenen Kindern aus?

Sehr gerne, aber momentan ist das noch in weiter Ferne.

Ihre Freundin Janin Reinhard und Sie werden als neues Glamour-Pärchen gefeiert. Was ist das für ein Gefühl?

Wenn ich ehrlich bin, kriegen wir das gar nicht so mit. Klar, wenn wir gemeinsam auf eine Veranstaltung gehen, werden wir natürlich fotografiert. Aber das ist auch schön, wenn man dann die Fotos sieht. Wir sind ja mehr oder weniger frisch zusammen. Und immer noch sehr verliebt. Es funktioniert einfach zwischen uns beiden.

Ist das nicht schwierig, wenn Sie jetzt eine Fernbeziehung zwischen Hamburg und Berlin führen müssen?

Das ist keine Entfernung. Ich habe immer gesagt, eigentlich ist es ganz gut , wenn jeder in einer anderen Stadt wohnt. Aber mir ist aufgefallen: Wir sehen uns wirklich jeden Tag, entweder bin ich in Berlin oder Janin in Hamburg - und das funktioniert!

Könnten Sie sich vorstellen, zusammen mit ihrer Freundin in einem Film zu spielen?

Warum nicht? Wenn es zwei schöne Rollen sind, würden wir das sofort machen. Dann muss man das Private halt abschalten. Was wahrscheinlich gar nicht so leicht ist.

Kostja Ullmann mit seiner Freundin Janin Reinhard

Kostja Ullmann mit seiner Freundin Janin Reinhard

Erinnern Sie sich noch an den Moment, als Sie bekannt wurden? Woran bemerkten Sie es zuerst?

Man bekommt plötzlich Fanpost. Und soll Autogramme schreiben. Das ist die erste und wahrscheinlich auch extremste Umstellung. Plötzlich wird man beachtet, ein abgefahrenes Gefühl. Aber ich werde gar nicht so oft auf der Straße angesprochen - wahrscheinlich habe ich keinen so hohen Wiedererkennungswert. Vielleicht weil ich immer so unterschiedliche Figuren spielen durfte.

Darunter war schon dreimal der junge Verführer, der sich in eine ältere Frau verliebt. Wundert Sie es nicht, dass man Sie so gern für diese Rolle besetzt?

Am Anfang fand ich's super: Lisa Martinek, dann Marie Bäumer und direkt im Anschluss Maren Kroymann. Das hat sich also vom Alter her immer mehr gesteigert. Die Rollen hatten nichts miteinander zu zun, deshalb wollte ich die Filme unbedingt machen. Aber jetzt ist auch mal gut. Kürzlich wurde mir von einem Münchner Theater "Harold und Maude" angeboten, was ja wieder eine altersmäßige Steigerung gewesen wäre (lacht) Aber das habe ich abgelehnt.

Einmal Liebhaber zu viel?

Ich find's schön, den Liebhaber zu spielen. Aber hier in Deutschland wird man schnell in eine Schublade gesteckt und muss beweisen, dass man auch andere Sachen kann.

Sind Sie auch privat ein Frauenversteher?

Das kann ich nicht sagen, da müssen Sie die Frauen fragen. Aber ich gebe mir die größte Mühe!

Ihre Filmmutter reagiert extrem gelassen, als Sie erfährt, dass Sie bei einem Escort-Service arbeiten. Wie hätten Ihre eigenen Eltern reagiert?

Ich habe auch sehr coole Eltern, die würden beide wahrscheinlich erst mal darüber lachen - um sich dann mit mir hinzusetzen und zu fragen, ob das denn wirklich eine gute Idee ist. Aber letztlich würde sie sagen: Kostja, es ist dein Leben und deine Entscheidung.

Würde Sie es ihnen denn erzählen?

Klar! Die kriegen alles zu hören, ob sie wollen oder nicht (lacht) .

Sie sprechen perfekt englisch. Die ideale Voraussetzung für eine internationale Karriere.

Es geht jetzt so langsam los mit Castings. In "Ode an die Freude" musste ich auf jeden Fall schon mal japanisch sprechen. Wahrscheinlich waren die japanischen Zuschauer ganz schön genervt.

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