Katie Melua
© Getty Katie Melua

Katie Melua Mit Rad und Tat

Mit 13 wollte Katie Melua Politikerin werden und für den Weltfrieden sorgen. Mit 22 singt sie bei Live Earth Hamburg über "Nine Million Bicycles" und für das Weltklima

Was sie macht, das macht sie leidenschaftlich: singen, tauchen, Energie sparen ... Deshalb lieben die vielen Fans nicht nur ihre einschmeichelnden Melodien, sie hören auch ganz genau hin, wenn Katie Melua auf der Bühne steht und etwas zu singen und zu sagen hat. Am Samstag ist sie einer der Top Acts beim großen Live-Earth-Konzert­ in Hamburg. Mit GALA sprach die gebürtige Georgierin, die seit zwei Jahren auch britische Staatsbürgerin ist, über ihre Kindheit, ihre Liebe zur Natur - und ihren Traum von einer neuen weltumspannenden Aufbruchstimmung.

Gala: Sie singen bei Live Earth für die Umwelt - wie ist es denn privat um Ihr Umweltbewusstsein bestellt?

Ich tue so viel ich kann. In meinem Garten sammele und filtere ich das Regenwasser. Außerdem benutze ich möglichst Energiesparbirnen - und ich fahre viel Fahrrad. Ach ja: Taxis bestelle ich bei einem Unternehmen, das ausschließlich Hybridfahrzeuge einsetzt. Und nächstes Jahr möchte ich mir ein Elektro-Auto zulegen.

Gala: Klingt vorbildlich ...

Na ja, das sind alles kleine Dinge. Aber wenn viele Menschen sich im Kleinen engagieren, kann das am Ende einen großen Effekt­ haben.

Gala: Wie haben Sie Ihre Liebe zur Natur entdeckt?

Die hatte ich schon immer. In Georgien, wo ich aufgewachsen bin, ist die Natur atemberaubend. Als Kind habe ich fast nur draußen­ gespielt, und im Sommer haben wir in den Seen gebadet.

Gala: Seit wann ist Ihnen konkret das Thema Klimawandel ein Anliegen?

Seit ich tauche. Unter Wasser sind die Folgen des Klimawandels längst sichtbar. Viele Korallenriffe sind ausgewaschen. Und nur wegen der Umweltverschmutzung durch uns Menschen. Das macht mir große Sorgen, denn was da unter Wasser langsam verschwindet, ist das Schönste, was ich je gesehen habe. Der Gedanke daran, dass wir das alles zerstören, bricht mir das Herz.

Gala: Kann Live Earth da wirklich helfen?

Am wichtigsten ist doch, dass gerade junge Menschen unsere Botschaft hören, die nächste Generation. Wenn Jugendliche sehen, dass ihr Star bei einem Konzert sagt, dass sie mehr Rad fahren oder Energiesparlampen benutzen sollen, dann werden sie ernsthaft darüber nachdenken. Auf einmal wird Recycling dann cool.

Gala: Könnte aus den Klimaschützern eine weltumspannende Bewegung werden wie Ende der Sechzigerjahre Flowerpower?

Das hoffe ich. Obwohl ... Im Grunde sollte unsere Bewegung sogar viel besser werden als Flowerpower, denn damals war das für viele ja bloß eine Zeit, in der sie Drogen nahmen und viel Sex hatten, anstatt wirklich etwas zu verändern.

Gala: Wie kam Ihr Kontakt zu Live Earth zustande?

Ein Bekannter von mir ist Mit-Organisator der Konzerte. Ich wollte auf jeden Fall auch dort auftreten, weil mir die Sache sehr am Herzen liegt.

Gala: Warum haben Sie sich ausgerechnet das deutsche Konzert ausgesucht?

Aus irgendeinem Grund sind die Deutschen immer am enthusiastischsten ...

Gala: Ach ja? Wie erklären Sie sich das?

Vielleicht liegt es daran, dass meine Fans in England etwas älter sind. In Deutschland ist mein Publikum sehr gemischt, und man spürt, dass sie alle unbedingt einen tollen Abend haben wollen.

Gala: Wird sich dieses spezielle von Ihren normalen Konzerten unterscheiden?

Da ich wohl nur drei Lieder spielen werde, geht es mir vor allem darum, die Botschaft von Live Earth rüberzubringen. Zwischen den Liedern werde ich über das Thema sprechen. Außerdem spiele ich meinen Song "Nine Million Bicycles". Rad fahren hilft schließlich gegen den Klimawandel.

Gala: Würden Sie auch mal ein Lied schreiben, das nur vom Umweltschutz handelt?

Ach, es ist schwer, so ein Thema in einen Song zu packen, ohne politisch zu klingen.

Gala: Nanu - was wäre verkehrt daran, politisch zu klingen?

Man muss sich schon darüber im Klaren sein, dass man ein Künstler ist. Musik ist Unterhaltung. Natürlich ist es wichtig, dass man immer sagt, was man denkt. Wenn man von einer politischen Bewegung inspiriert ist und einen Song darüber schreibt - gut. Aber man sollte ihn nicht mit dem Vorsatz schreiben, die Welt verändern zu wollen.

Gala: Aber Sie wollen doch die Welt verändern?

Ich schreibe Songs, weil meine Gefühle mich dazu bewegen. Dass ich an Live Earth teilnehme, ist der effektivste Weg, meine Gedanken über den Zustand unseres Planeten auszudrücken.

Gala: Was erwarten Sie von denen, die die Fäden in der Hand halten, von Wirtschaftsbossen, von Politikern?

Vor allem die Politiker sollten endlich ihre Grabenkämpfe beenden, sich zusammensetzen und handeln. Und das auf der ganzen Welt. Schließlich betrifft der Klimawandel uns alle. Es reicht nicht, wenn nur einige wenige Länder dagegen angehen.

Gala: An welche Maßnahmen denken Sie konkret?

Weltweite Vereinbarungen zur Beschränkung des CO2-Ausstoßes wären ein Anfang. Auf keinen Fall dürfen Politiker aber jetzt die Angst der Menschen ausnutzen. Wir sollten nicht handeln, weil wir Angst haben, dass unser Planet sterben könnte - das wäre der falsche Ansatz.

Gala: Sondern?

Wir sollten die Erde schützen, weil wir sie lieben.