Kate Nash
© Getty Kate Nash

Kate Nash Große Klappe, viel dahinter

Party-Gehabe nennt Kate Nash "Firlefanz", Drogen findet sie reizlos, die Familie ist ihr wichtig. Und auch zu einer skandalträchtigen Kollegin hat sie eine klare Meinung

Sie gilt als die Pop-Sen­sation des Jahres: "Kate Nash ist die frischeste, schlaueste Stimme einer ganzen Generation", jubelt die britische Presse über die20-Jährige aus einer Londoner Vorstadt. Gleich ihre erste Single "Foundations" wurde zum Ohr­wurm, das Album "Made Of Bricks" erreichte Platin-Status. Daran war Lily Allen, Shooting­star 2006, nicht unbeteiligt. Auf ihrer MySpace-Seite listete Lily die zwei Jahre jüngere Kate als Freundin auf, Kommentar: "Sie ist das nächste große Ding." Gerade spielte Kate Nash in Deutschland in ausverkauften Hallen, nächstes Jahr will sie den Rest der Welt erobern. GALA traf die quirlige Rothaarige in Hamburg, und zwar dort, wo sie sich abgesehen von der Bühne am liebsten aufhält: im Tourbus.

Das muss ein aufregendes Jahr für Sie gewesen sein!

Stimmt. Manchmal denke ich sogar, ich bin im falschen Film. Endlich kann ich das machen, wovon ich immer geträumt habe, echt verrückt!

Wie fühlt es sich an, quasi über Nacht berühmt zu werden?

Also, eins weiß ich jetzt schon: Ich bin nicht dafür gemacht,ein Promi zu sein. Diese Partys, auf die man bloß geht, um gese­hen zu werden, sind nicht mein Ding. Mir geht es um die Geschichten, die ich zu erzählen habe. Diesen ganzen Firlefanz brauche ich nicht. Lieber bleibe ich bei meinen Eltern wohnen und treffe all meine Freunde.

Eigentlich wollten Sie Schauspielerin werden. Doch als Sie sich einen Fuß gebrochen haben, kam alles anders...

Ist es nicht lustig, wie sich das Leben plötzlich ändern kann? Ich war so wütend, als die Absage der Theaterschule in Bristol kam, dass ich die Treppe runtergefallen bin. Um mir die Zeit mit dem Gips angenehmer zu machen, haben meine Eltern mir eine E-Gitarre geschenkt. Da hab ich einfach losgelegt.

Live beeindruckt Kate Nash mit ihrer eindrucksvollen Stimme
© GettyLive beeindruckt Kate Nash mit ihrer einprägsamen Stimme

Sie schreiben Ihre Songs selbst, meist handeln die Texte von schwierigen Beziehungen. Wo nehmen Sie die Lebenserfahrung her?

Nicht alles, wovon ich singe, ist autobiografisch. Meine Mutter ist Krankenschwester, da habe ich eine Menge Zwischenmenschliches mitbekommen. Vor anderthalb Jahren war ich dann selbst ziemlich krank: Ich hatte Herzprobleme. Da habe ich gemerkt, was für mich wirklich zählt.

Und das wäre?

Dass es wichtig ist, mir selbst treu zu blei­ben, immer zu sagen, was ich denke. Für meine Familie und Freunde dazusein.

Jetzt sind Sie doch ständig unterwegs.

Aber ich rufe meine Eltern mehrmals die Woche an, damit sie wissen, wie es mir geht. Oder ich lade sie zu Konzerten ein. Meine Freunde kommen auch manchmal mit auf Tour, damit sie sich besser vorstellen kön­nen, wie mein Leben aussieht. Sonst entfremdet man sich und hat sich irgendwann nichts mehr zu sagen.

Sind Sie gerade verliebt?

Oh ja! Seit drei Monaten bin ich mit Ryan Jarman von den "Cribs" zusammen. Was bei mir noch nichts heißen muss - länger habe ich es noch mit keinem ausge­halten (lacht). Aber diesmal könnte es was werden. Wir ver­stehen uns blind, auch wenn wir uns momentan selten sehen. Er ist schließlich Sänger wie ich und mit seiner Band genauso viel unterwegs. Eifersüchteleien gibt es nicht. Das finde ich cool.

Lilly Allen unterstützte die Karriere von Kate Nash
© GettyLilly Allen unterstützte die Karriere von Kate Nash

Ihre Freundin Lily Allen hat angekündigt, sich mit 25, also in drei Jahren, zur Ruhe zu setzen. Könnten Sie sich das auch vorstellen?

Ich schätze Lily wirklich sehr und habe ihr viel zu verdanken. Wenn ihr danach ist auszusteigen, wird es wohl das Richtige für sie sein. Aber für mich kommt das nicht in Frage. Ich will noch mindestens 25 Jahre lang Musik machen.

Sie haben wie Amy Winehouse die "Brit School for Performing Arts" besucht. Wie schützen Sie sich davor, das gleiche Schicksal wie Amy zu erleiden?

Es ist so traurig, was mit ihr passiert, das geht mir sehr nahe. Zum Glück reizen mich Drogen überhaupt nicht. Ich halte mich von dieser Szene fern. Ich finde das Leben viel zu spannend, als dass ich mich zudröhnen würde. Außerdem könnte ich das meinem Körper nie antun.

Sie wirken rundum zufrieden mit sich, und zwar in jeder Hinsicht...

Der Eindruck stimmt. Dieser Magerwahn ist doch schreck­lich. Ich bin eben etwas kur­viger. Soll ich mir deshalb ein Schild umhängen, auf dem steht: Seht her Leute, ich esse - und ich tue es gern?