Karoline Herfurth
© Getty Karoline Herfurth

Karoline Herfurth Warum nur so bescheiden?

Karoline Herfurth dreht einen Erfolgsfilm nach dem anderen, nebenher machte sie noch ihr Diplom. Trotzdem fühlt sich die Berlinerin nicht als Star

Fruchtspieße mag sie

offensichtlich lieber als Schokokekse: Von dem gesunden Snack nascht Karoline Herfurth immer wieder während des GALA-Interviews im Hamburger "Hyatt". Mit Kalorienzählen hat das nichts zu tun, versichert sie. Man glaubt’s sofort: Sie ist der von Natur aus zierliche Typ. Klein, aber oho. Nach Teenie-Rollen wie in "Mädchen Mädchen", Teil 1 und 2, schaffte sie durch grandiose Darstellungen in "Das Parfum" und vergangenen Herbst in der Komödie "Pornorama" den Aufstieg in die Liga der gefragtesten Schauspielerinnen Deutschlands. Jetzt ist die 23-Jährige in "Das Wunder von Berlin" zu sehen, einem Drama über die Monate vor der Wende. Karoline Herfurth – sie wuchs selbst in Ost-Berlin auf - spielt die Schwesternschülerin Anja, deren Freund, ein DDR-Punker, zur Armee muss.

Karoline bei einem Fotoshooting für den neuen Caroline-Link-Film "Im Winter ein Jahr
© GettyKaroline bei einem Fotoshooting für den neuen Caroline-Link-Film "Im Winter ein Jahr

Gala: Als die Mauer fiel, waren Sie fünf Jahre alt. Welche Erinnerungen an die DDR haben Sie?

Durch die Arbeit am Film sind mir viele Sachen wieder eingefallen. In den Kostümen und in den Kulissen habe ich mich sehr zu Hause gefühlt. Die ganz alltäglichen Sachen waren mir vertraut. Und: Alles hat damals im Osten weniger geschmeckt. Geschmacksverstärker gab es wohl nicht.

Gala: Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet?

Ich musste mich mit der Welt auseinandersetzen, aus der ich komme, über die ich aber nicht viel weiß. Aber ich wollte ein möglichst authentisches Bild zeigen. Ich habe viel mit meinen Eltern und Großeltern gesprochen, auch mit Verwandten von Freunden. Es war wie eine Reise in meine eigene Vergangenheit. Deshalb liegt dieser Film mir unglaublich am Herzen.

Gala: Gerade drehen Sie mit Hollywoodstars die Romanverfilmung "Der Vorleser". Wie ist die Arbeit im Vergleich zu deutschen Drehs?

Es sind Dreharbeiten wie sonst auch. Nur ist alles fünf- bis sechsmal größer: die Teams, die Autos, die Wohnwagen, die Crew. Natürlich ist es auch irgendwie aufregender. Ich hatte niemals damit gerechnet, jemals Ralph Fiennes zu treffen. Was gibt es Schöneres, als von Ralph Fiennes angelächelt zu werden? (lacht)

Gala: Fühlen Sie sich wie ein großer Star?

Überhaupt nicht. Ich habe eher das Gefühl, dass ich gerade dabei bin, ins Bewusstsein vieler Menschen zu treten. Ein Star ist jemand, der eine lange, etablierte Karriere hinter sich hat. Robert De Niro ist für mich ein Star, Angelina Jolie, Brad Pitt auch. Die kennt die ganze Welt. Ich bin kein Star. Und ich will auch ehrlich gesagt keiner sein.

Gala: Warum nicht?

Ich glaube, es ist eine Last, die man mit sich trägt. Es ist eine große Kunst, damit umzugehen, und ich bewundere es sehr, wenn jemand sie beherrscht. Aber diese öffentliche Präsenz, der Verlust von Privatsphäre und Anonymität, das ist schon unglaublich. Ich liebe es, wenn ich ungeschminkt und mit Brille durch die Stadt laufe und nicht erkannt werde.

Gala: Setzen Sie die Brille auf, obwohl Sie sie gar nicht bräuchten?

Nein, ich brauche eine Brille. Wenn ich die statt der Kontaktlinsen trage, erkennt mich wirklich niemand.

Gala: Neben Filmen machen Sie noch Ihre Schauspielausbildung …

…die habe ich gerade beendet. Ich bin jetzt tatsächlich Diplom-Charakterdarsteller.

Gala: Sicher erforderte es eine Menge Disziplin, Ausbildung und Arbeit unter einen Hut zu kriegen, oder?

Bei den letzten Filmen habe ich schon gemerkt, dass ich ziemlich erschöpft bin und mal eine Pause bräuchte, ja. Und die mache ich jetzt auch.

Gala: Wie sieht das aus?

Ich bin zu Hause. Ich reite, mache Ballett, ich sehe meine Familie, ich koche.

Gala: Können Sie gut kochen?

Ich koche wahnsinnig gern. Aber gut? Ich habe erst vor Kurzem angefangen. Irgendwann dachte ich nämlich mal, immer Reis mit Gemüse ist langweilig, und dann habe ich mir ein "Brigitte"-Kochbuch gekauft. Das habe ich von vorne bis hinten durchgekocht. Alles schmeckte sehr lecker. Jetzt muss ich mir mal ein neues Kochbuch besorgen.

Gala: Bekochen Sie auch Ihre WG-Mitbewohner?

Nein, ich wohne ja inzwischen allein. Ich habe zwei Zimmer in Kreuzberg.

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