Karl Lagerfeld

"Man darf nichts zu ernst nehmen"

Modeschöpfer Karl Lagerfeld spricht mit Gala.de über "Germany's Next Topmodel", die Finanzkrise und sein persönliches Wohlfühl-Rezept für lange Arbeitstage

Karl Lagerfeld

Karl Lagerfeld hält gerne Kontakt

zu seiner Heimatstadt . Am Montag (16. Februar) besuchte er diese für ein ganz besonderes Projekt: Der mittlerweile in Paris lebende Designer wird in dem Luxus-Quartier Sophienterrassen an der Alster die Rezeptions- und Loungebereiche, ein Restaurant und zwei Alstervillen gestalten. Im Rahmen der Eröffnung des Showrooms sprach Gala.de-Redakteurin Rachel Brozowski mit .

Herr Lagerfeld, schauen Sie "Germany's Next Topmodel"?

Welches Topmodel? Was meinen Sie genau?

Die Sendung mit Heidi Klum. Glauben Sie, dass man mithilfe einer solchen Show ein Model finden kann, das international Erfolg haben wird?

Nein, aber der Zufall kann alles. Die Mädchen, die wir kennen, wie oder , sind auch anders entdeckt worden. Eine Sendung wie "" gibt der Sache an sich zu viel 'Blingbling'. Modeln ist ja ein Job, der extremst auf einer eigentümlichen, unkalkulierbaren Ungerechtigkeit basiert. Es kommt darauf an, für welchen Kreis dieses Mädchen Werbung machen soll - ob sie für Hausfrauenprodukte wirbt oder ob sie Topmodel für intellektuelle Moden wird.

Sie arbeiten an so vielen verschieden Projekten, sind unter anderem Innenarchitekt und Fotograf. Müssen wir Angst haben, dass Sie der Mode irgendwann den Rücken kehren?

Nein, die ist immer Nummer eins. Und Angst ist ein Gefühl, das ich überhaupt nicht kenne.

Alle haben jetzt Angst vor der großen Krise auf dem Finanzmarkt. Haben Sie ein spezielles Anti-Krisen-Rezept?

Gott sei Dank hab ich von der bisher noch nichts gemerkt. Aber ich sehe das Ganze wie ein gesundes Abführmittel. Es war vielleicht nötig, dass da mal wieder Grund reinkam. Im Grunde genommen ist es ja karikaturistisch: Als hätten die Leute nichts gemerkt, dass sie Geld verlieren. Das merkt man doch vorher.

Besitzen Sie etwas, an dem Sie festhalten und ohne das sie niemals umziehen würden?

Weniger als man denkt. Ich habe zum Beispiel ein Kissen, das ich für meine erste Flugreise als Kind bekommen habe. Ich steige in kein Flugzeug, wenn ich dieses Kissen nicht dabei habe. Ich bin sehr abergläubisch. Ich finde es gut, abergläubisch zu sein. Heute ist das Kissen allerdings eine Ruine geworden.

Wie sieht das Kissen aus?

"Gute Reise mit der Lokomotive" war da mal draufgestickt (lacht). Mittlerweile ist die aber abgegangen und nun steckt das Kissen in einer sehr flotten Ledertasche von "Comme des Garçons".

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Gala.de-Redakteurin Rachel Brozowski im Gespräch mit Karl Lagerfeld

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Karl Lagerfeld eröffnet feierlich den Showroom in der Alten Villa

Karl Lagerfeld eröffnet feierlich den Showroom in der Alten Villa

An welchem Ort fühlen Sie sich zuhause?

Wo ich gerade bin. Ich bringe mich überall selbst mit hin. Heimat und Zuhause - das sind Gefühle, die ich nicht kenne.

Was verbinden Sie mit Hamburg?

Mein Vater hat hier nach dem Krieg ein Haus gebaut. Ich bin hier an eine Privatschule gegangen, die nur drei Häuser weiter war und meine Halbschwester hat damals an den Sophienterrassen gewohnt. Ich kann wirklich nicht sagen, dass ich hier ein Ausländer bin.

Wie oft kommen Sie nach Hamburg?

Nicht sehr oft. Aber nun habe ich ja einen Grund etwas öfter zu kommen. Ich brauche für so etwas immer einen Grund. Ich hatte in Blankenese (Stadtteil von Hamburg Anm. der Redaktion) ein wunderschönes Haus. Das habe ich aber verkauft, weil ich in sieben Jahren vielleicht drei Monate da war.

Wie fühlt es sich an, wieder in Hamburg zu sein?

Hamburg hat für mich etwas äußerst Familiäres. Auch wenn ich hier kaum gelebt habe, kenne ich die Stadt komischerweise auswendig. Alles kommt mir so natürlich und normal vor, Hamburg ist für mich das Normalste, das es gibt. Und nebenbei: Mit seiner Lage, der Elbe und der Alster, ist es, für meinen Geschmack, Deutschlands schönste Stadt. Auch architektonisch ist mir Hamburg viel lieber als beispielsweise Berlin.

Apropos Berlin, was sagen Sie zur "Fashionweek Berlin"?

Da ist noch ein bisschen was zu tun, aber es ist okay. Leute wie Michael Michalsky finde ich toll. Das kann schon klappen.

Michalsky finden Sie toll, aber bei welchem aktuellen Modetrend platzt Ihnen zum Beispiel der Kragen?

Wissen sie, der Kragen platzt mir nie, weil das sehr pretentiös ist. Außerdem ist mein Kragen sehr hart (fasst sich an seinen harten, großen Hemdkragen und lacht). Alles, was existiert, hat eine Existenzberechtigung. Es ist mein Beruf und meine Pflicht, zu analysieren und zu sagen: 'Es gefällt Dir vielleicht nicht, aber warum existiert es, was ist daran interessant, warum kann das existieren?' Jeder Vorschlag ist erlaubt, man muss nur sehen, ob etwas dabei raus kommt oder nicht.

Und wo kommt nichts raus?

Es gibt viele Vorschläge, die man in Zeitungen oder auf den Schauen sieht. Die sind für den Runway gemacht und werden nie den Schritt ins Leben machen. Mode ist, was die Leute tragen. Aber heute gibt es auch einen Trend, dass Modeschöpfer zeigen wollen, wie kreativ sie sind, obwohl es oft so wirkt, als sei es die Endarbeit aus der Schulzeit oder von der Modeschule. Ich bin da sehr großzügig: Alles und nichts interessiert mich.

Sie haben Arbeitstage, die bis zu 20 Stunden dauern. Wie halten Sie das aus?

Ich sage immer, man muss einen herben Lebenswandel haben: keinen Alkohol, keine Drogen, nicht rauchen und wenig essen. Und wenn man schläft, sollte man gut schlafen.

Und wie schafft man es, gut zu schlafen?

Die ganze Welt muss einem egal sein. Dann schläft man sehr gut. (lacht) Man darf nichts zu ernst nehmen. Vor allem nicht sich selber.

Zum Abschied gibt es von Karl Lagerfeld noch eine Erläuterung: "Tschüss stammt von dem französischen Ausdruck 'À dieu'." Als Ade und später als Adieu sei es dann in die deutsche Sprache übertragen worden, im Niederdeutschen als 'Adschüß' übernommen und schließlich zum 'Tschüss' verschliffen worden. Danke und tschüss, Herr Lagerfeld!

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