Jeff Goldblum
© Getty Jeff Goldblum

Jeff Goldblum "Sensibel? Ich? Und ob!"

Jeff Goldblum gibt auf der Leinwand meist den Exzentriker - und pflegt auch im wahren Leben ein paar kleine Spleens, die seinem Charme allerdings keinen Abbruch tun. GALA traf den Schauspieler in Berlin

Elegant sieht er aus

- Brille mit transparenter Fassung, schicker Anzug und dann dieses Lächeln auf den Lippen. So hat ihn Berlin in den vergangenen Wochen kennen- und liebengelernt. Denn Jeff Goldblum, 54, war nicht nur für seinen Wettbewerbsbeitrag "Fay Grim" da. Während der Recherchen für einen neuen Film, das Drama "Adam Resurrected", genoss er das Hauptstadt-Flair, ob Austern im "Borchardt" oder Sushi in Mitte. Grund genug, fanden wir, seiner angenehm sonoren Stimme mal etwas länger zuzuhören.

GALA: Mr Goldblum, Sie sind ja fast ein halber Berliner geworden...

Mehr als ein halber. Ich würde eher sagen: ein Dreiviertel-Berliner. Ich war jetzt fast einen ganzen Monat hier, weil ich viel für "Adam Resurrected" recherchiert habe. Aber jetzt geht's zurück nach Los Angeles.

GALA: Also doch kein Umzug an die Spree inklusive Apartmentkauf?

Nein, zumindest nicht in nächster Zeit. Allerdings hätte ich gerne ein Apartment hier. Vielleicht in Mitte? Ich war ein paar Mal dort, und es hat mir extrem gut gefallen.

GALA: Was machen Sie, wenn sie länger an einem Ort sind? Dekorieren Sie Ihr Hotelzimmer um?

Hotels sind klasse: Man wird bekocht, muss nichts putzen und kann meistens sogar Sport machen. Allerdings gibt es eine Sache, die absolut sein muss: Ich bringe immer mein eigenes Kissen von zu Hause mit.

GALA: Sie haben jüngst auf einer Berliner Hotelbühne Klavier gespielt. Und sich dabei als hervorragender Jazzpianist geoutet...

Danke für das Kompliment, ich hatte viel Spaß! Ich weiß nicht, ob's den Zuhörern ähnlich ging (lacht). In Los Angeles habe ich eine Jazz-Band mit tollen Musikern, da spiele ich oft in Bars.

GALA: In "Fay Grim" haben Ihre deutschen Kollegen Jasmin Tabatabai und Nikolai Kinski mitgewirkt. Haben Sie die beiden näher kennengelernt?

Ich hatte leider keine Szenen mit Ihnen, aber demnächst werde ich mit Juliane Köhler und Joachim Król drehen, die habe ich gerade getroffen. Król kenne ich aus seinem Film "Gloomy Sunday" und Juliane Köhler aus "Der Untergang", sie waren beide fantastisch. Auf die Arbeit mit ihnen freue ich mich sehr.

GALA: Unterrichten Sie noch selbst Schauspielschüler, wenn Sie in Los Angeles sind?

Ich habe kürzlich mein Gästehaus zu einer Art Schauspielstudio umgebaut. Und da kommen jetzt regelmäßig Studenten hin und üben mit mir meine Texte - das hilft ihnen und mir.

GALA: Schauspieler, sagt man, seien extrem sensible Kreaturen. Stimmt das?

Ich bin sehr sensibel. Ich kann zum Beispiel keine Wolle ertragen. Das fühlt sich einfach nicht gut an. Selbst Kaschmir ist mir zu kratzig. Ich habe immer eine kleine Schere dabei und muss mir sofort jedes noch so kleine Schild aus einem Hemd schneiden. Ich mag keine schlechten Gerüche und kann überhaupt nicht hören, wenn mir jemand erzählt, er hatte gerade eine Operation. Grrrr! Sie sehen, ich bin extrem empfindsam. Aber ob alle Schauspieler so sind? Ich halte das für ein Gerücht.

GALA: Apropos Gerücht - was war die absurdeste Behauptung, die Sie je über sich gehört haben?

Dass ich male, und zwar auf Leinwand. Besonders gerne Katzen und Clowns. Ich dachte mir: Wow! Ich male. Und ich male Katzen und Clowns. Ich mag Malerei, und meine Schwester ist tatsächlich Künstlerin und malt. Aber ich?