Jeff Bridges
© Getty Images Jeff Bridges

Jeff Bridges "Ich war mehr als einmal sternhagelvoll"

Ungewohnte Situation für Jeff Bridges: Bei seiner fünften Oscar-Nominierung gilt er als Favorit. Gala verriet der Schauspieler, warum er trotzdem keine Dankesrede vorbereitet

Den Bauch einziehen? Niemals.

Jeff Bridges hat es nicht nötig, sich in Pose zu setzen - er hat Haltung. Er ist der charmante Kumpeltyp, den Männer mögen und Frauen lieben. Filme wie "Die fabelhaften Baker Boys" machten ihn zu einer festen Hollywood-Größe, die Rolle des Dude in "The Big Lebowski" verschaffte ihm Kultstatus.

Nur in die Riege der Oscar-Preisträger schaffte der heute 60-Jährige es bisher nicht. Viermal war er für einen Academy Award nominiert, zum ersten Mal Anfang der Siebziger als Nebendarsteller in "Die letzte Vorstellung". Viermal gewannen andere. Für seine Rolle als alternder Country-Sänger in "Crazy Heart" ist Bridges nun wieder für einen Oscar nominiert - diesmal gilt er als Favorit. Beim Gala-Interview lümmelt er sich in seinen Sessel, kaut auf ein paar Erdnüssen herum, schaut seinem Gegenüber direkt in die Augen. Seine Stimme ist tief und markant, das Lachen dröhnend.

"Crazy Hearts": Für Jean (Maggie Gyllenhaal) will Bad Blake (Jeff Bridges) ein besserer Mensch werden. Daher muss er sich entscheiden: Alkohol oder Liebe? Filmstart in Deutschland ist der 3. März.
© PR/Fox Film"Crazy Hearts": Für Jean (Maggie Gyllenhaal) will Bad Blake (Jeff Bridges) ein besserer Mensch werden. Daher muss er sich entscheiden: Alkohol oder Liebe? Filmstart in Deutschland ist der 3. März.

Herzlichen Glückwunsch zur fünften Oscar-Nominierung!
Vielen Dank! Damit ist mein Ruf als der am meisten unterschätzte Schauspieler in Hollywood wohl endgültig dahin, oder?

Haben Sie sich selbst etwa auch immer als Underdog gesehen?
Ach, ich fühle mich eigentlich ganz wohl in meiner Haut. Aber den Oscar-Wahn spüre ich jetzt schon, diesen besonderen Druck.

Ganz neu ist das Gefühl, nominiert zu sein, doch nicht für Sie …
Das stimmt. Aber diesmal ist es anders. Ständig klopfen mir Leute auf die Schulter und sagen, dass ich das Ding gewinne.

Haben Sie für den Fall der Fälle schon eine Dankesrede vorbereitet?
Nein. Bei meinen vorherigen vier Nominierungen hatte ich mich auch nicht vorbereitet - was im Nachhinein kein Fehler war, schließlich ging ich jedesmal leer aus. (lacht) Aber im Ernst: Ich habe ein katastrophales Namensgedächtnis. Ich garantiere, dass ich die Hälfte der Leute, bei denen ich mich bedanken müsste, am Oscar-Abend vergessen würde. Dafür entschuldige ich mich jetzt schon.

Sie mussten ordentlich an Gewicht zulegen für Ihre Rolle als abgehalfterter Country-Sänger in "Crazy Heart" …
… und das half bei meinen Rückenschmerzen nicht gerade weiter. Ich habe mich während der Dreharbeiten nicht besonders gesund gefühlt. Das passte allerdings gut zur Rolle.

Bad Blake, der Country-Sänger, ist schwerer Alkoholiker. Haben Sie also auch viel getrunken während der Dreharbeiten?
Kann man wohl sagen! (lacht) Ich gestehe, dass ich gerne mal etwas trinke. Und ich war in meinem Leben mehr als einmal sternhagelvoll. Das ist dann kein schöner Anblick für die anderen, glauben Sie mir. Aber ich würde nicht sagen, dass ich ein Alkoholproblem habe. Mein Motto lautet: Alles in Maßen. Ich möchte ja nicht jeden Tag mit einem Kater zur Arbeit kommen.

Am Set von "Männer die auf Ziegen starren" fotografierte Jeff Bridges fleißig: starre Blicke von George Clooney (o.l.) und Kevin Spacey. Sich selbst ließ er mit offenem Hemd und in dramatischer Pose ablichten.
© Jeff BridgesAm Set von "Männer die auf Ziegen starren" fotografierte Jeff Bridges fleißig: starre Blicke von George Clooney (o.l.) und Kevin Spacey. Sich selbst ließ er mit offenem Hemd und in dramatischer Pose ablichten.

Glauben Sie, dass Ihnen der Lebensstil eines Musikers gelegen hätte?
Oh, mit Sicherheit. Ich liebe Musik. Allerdings war mein Vater Lloyd in den Sechzigerjahren eine große Nummer im US-Fernsehen - er hat daher mich und meine Brüder angespitzt, ebenfalls Schauspieler zu werden. Ich hatte eigentlich gar kein Interesse daran.

Sie wären lieber Musiker geworden als Schauspieler?
Nein, es ging eher darum, dass ich gegen meinen Vater rebellieren wollte. Ich glaube, ich bin mit einem Schauspieler-Gen geboren. Mein Vater schleppte mich bereits ins Kino, als ich gerade mal sechs Monate alt war. Später vermittelte er mir die ersten Rollen, da war ich noch ein kleiner Junge. Daddy sagte, wenn ich dies oder das spielen würde, dann könnte ich etwas Geld verdienen und mir davon Spielsachen kaufen. Also übernahm ich die Rollen.

Seit 33 Jahren glücklich miteinander: Jeff Bridges und seine Frau Susan, eine erfolgreiche Fotografin. Das Paar hat drei Töchter, im Foto ist die 21-jährige Haley zu sehen.
© WireImage.comSeit 33 Jahren glücklich miteinander: Jeff Bridges und seine Frau Susan, eine erfolgreiche Fotografin. Das Paar hat drei Töchter, im Foto ist die 21-jährige Haley zu sehen.

Sie haben es geschafft, im Entertainment-Business dauerhaft zu bestehen. Was ist Ihr Geheimnis?
Meine 33-jährige Beziehung zu meiner Frau hilft. Ich glaube, wirklich und wahrhaftig verliebt zu sein, verleiht einem Menschen Flügel.

Wie ist es Ihnen gelungen, in Hollywood so viele Jahre mit ein und derselben Partnerin durchs Leben zu gehen?
Hey, jeder durchlebt Krisen, wir auch. Aber man muss seine Liebe ständig erweitern, dann funktioniert es.

In den USA werben Sie für den Autohersteller Hyundai. Passen solche Werbe-Jobs zu einem ernsthaften Schauspieler?
Die Angst, dem eigenen Ruf zu schaden, wabert da schon immer mit. Früher sind wir ins Ausland gegangen, um Extra-Geld mit Werbung zu verdienen. Aber das Geschäft dort ist nicht mehr so gut.

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