Harrsion Ford

"Ich bin ein Typ, kein Schönling"

Harrison Ford über Action im reifen Alter, sein Spiegelbild und späte Vaterfreude

Harrison Ford

Schon bei der Begrüßung

verwandelt sich die Bel Etage des Berliner Hotels "Ritz Carlton", denn verbreitet allein durch seine Anwesenheit die Aura von Spannung und Abenteuer. Plötzlich scheint man mit im Cockpit des "Star Wars"-Raumschiffs zu sitzen, und wenn den Mund zum verwegenen ""-Lächeln verzieht, ist klar, dass man sich gleich durch den Dschungel kämpfen wird. In seinem neuen Thrillerdrama "Ausnahmesituation", das zurzeit im Kino läuft, spielt der Hollywood-Star wieder mal einen Menschenretter, wenn auch stiller als früher. Im GALA-Interview dreht er dafür richtig auf und plaudert über die Vorzüge der späten Vaterschaft, über seine Macken - und die Stärken seiner Verlobten .

Als Actionheld wurden Sie berühmt, in "Ausnahmesituation" spielen Sie nun einen Helden im Arztkittel. Fühlen Sie sich zu alt für Action?

Über das Alter denke ich gar nicht nach. Ich finde es einfach spannend, das Leben mit der Erfahrung vieler Jahre zu betrachten. Und was meine Filme angeht: Wenn es gewünscht wird, springe ich auch wieder durch brennende Reifen.

Es heißt, Sie wollen demnächst den fünften Teil von "Indiana Jones" in Angriff nehmen…

Also, noch haben wir kein Drehbuch! Aber arbeitet an einer Idee. Und sobald er sich zu Hause in San Francisco etwas Vernünftiges ausgedacht hat, werden , und ich uns treffen und über das Projekt reden. An mir soll es nicht liegen.

Also verlassen Sie sich doch wieder auf die bewährte Rolle?

Na ja, ich habe immer schon den Erfolg meiner großen Rollen genutzt, um kleinere Filme machen und untypische Parts spielen zu können. Es war der Erfolg von "Star Wars", der es mir erlaubte, "Der einzige Zeuge" zu drehen. Jede neue Rolle bietet mir die Gelegenheit, mich neu zu erfinden.

Ruhestand steht derzeit nicht zur Debatte?

Ruhestand? Was ist das? Ich glaube, das hat etwas mit Golfspielen zu tun, oder? Und da ich weder Golf spiele noch gerne herumsitze, werde ich weiter Filme drehen. Es macht mir immer noch Spaß.

Spaß bereitet Ihnen seit Jahrzehnten auch die Tischlerei. Was haben Sie denn in jüngster Zeit so alles gebaut?

Eigentlich kaum noch etwas. Ich roste langsam ein wenig ein, so wie meine Werkzeuge. Die Tischlerei ist mir heute nicht mehr so wichtig wie früher. Ich verbringe lieber Zeit mit meinen Kindern, bleibe einfach zu Hause. Da kann ich mich wunderbar entspannen. Oder ich fliege meine eigene Maschine. Fliegen ist wie Meditation. Es bietet einem die Gelegenheit, sich frei zu fühlen, mal nicht über alles Mögliche nachzudenken, sondern einfach nur zu sein.

Harrison Ford sagt über sich "Ich bin ein Typ, kein Schönling".

Harrison Ford sagt über sich: "Ich bin ein Typ, kein Schönling".

Sie gelten als sehr temperamentvoll und aufbrausend …

In manchen Situationen bin ich tatsächlich kurz angebunden. Aber das kennt doch jeder von sich. Ich bin vor allem ein sehr ehrlicher Mensch. Wenn mir etwas nicht gefällt, dann sage ich das auch. So war ich schon immer.

Und Ihre Verlobte Calista Flockhart kann damit gut umgehen?

Sonst wäre Sie sicherlich nicht meine Verlobte. Calista ist eine starke Frau, die genau weiß, was sie will.

So langsam gehen Sie auf die siebzig zu. Was sehen Sie heute, wenn Sie morgens in den Spiegel schauen?

Ich sehe immer noch mich, nur die ältere Version. Übrigens schaue ich nur in den Spiegel, um zu kontrollieren, ob ich mich rasieren sollte. Ansonsten ist mir mein Aussehen ziemlich egal. Ich habe mich nie für besonders attraktiv gehalten und habe darauf auch vor der Kamera nie großen Wert gelegt. Ich bin ein Typ, kein Schönling.

Was hält Sie jung?

Lernen. Ich möchte ein besserer Tennisspieler werden, ein besserer Vater, ein besserer Pilot. Diese Ziele ständig im Blick zu haben, hält mich jung.

Wie wird man ein besserer Vater?

Indem man es ständig versucht. Das ist eine der größten Herausforderungen im Leben. Ich bin heute auf jeden Fall schon ein besserer Vater als früher. Erfahrung hilft auch hier.

Sie haben aus zwei Ehen vier Kinder, dazu kommt Liam, der Adoptivsohn von Calista. Was ist der Vorteil einer Vaterschaft im reifen Alter?

Ich glaube, dass man es im Alter noch mehr genießen kann, ein Kind großzuziehen. Ich verspüre heute nicht mehr die Rastlosigkeit wie in jungen Jahren. Ich kann jetzt stundenlang meine Zeit mit Liam verbringen, auch mal ganz in Ruhe ein Vogelhäuschen mit ihm bauen. Das ist ein großes Geschenk.

Sie lernen also auch durch das Kind etwas dazu

Allerdings! Ich habe ja außerdem nicht nur einen neunjährigen Sohn, sondern auch einen neunjährigen Enkel. Das heißt, ich verbringe sehr viel Zeit auf Spielplätzen. Es macht mir unglaublichen Spaß, die Kinder aufwachsen zu sehen. Das tut einfach gut.

Was haben Sie in jüngster Zeit dazugelernt?

Ich glaube, ich werde im Umgang mit den Kindern von Tag zu Tag geduldiger. Man darf auch nicht vergessen: Erziehung ist immer ein Gemeinschaftsprojekt. Schließlich gibt es auch noch eine Mutter, die daran beteiligt ist. Calista und ich ergänzen uns da sehr gut.

Mehr zum Thema

Star-News der Woche