Harald Schmidt
© Getty Images Harald Schmidt

Harald Schmidt "Gott hat keinen Humor nötig"

Harald Schmidt kann auch leise Töne: Mit "Gala" sprach der Late-Night-Talker über die höhere Macht der Ironie und die Lust der TV-Dinos am Weitermachen. Und er verriet, warum seine Kinder kein Haustier haben

Wie bereitet man sich auf ein Interview mit einem TV-Titanen vor?

Am besten mit vielen Fragen, denn Harald Schmidt, 55, kann innerhalb kürzester Zeit unglaublich viel Kluges und Unterhaltsames sagen. Seit Anfang September zeigt er das wieder in seiner Late-Night-Show, die jetzt auf Sky läuft (dienstags, mittwochs und donnerstags ab 22.15 Uhr).

Herr Schmidt, woran könnte ich jetzt Ihre Laune ablesen?

Heute gar nicht, für so einen Termin programmiere ich mich professionell. Und ich bin sowieso ein ziemlich gleichförmiger Mensch.

Also keine Launen?

Doch, wahnsinnig launenhaft, aber nicht im professionellen Umfeld.

Sie haben vor Kurzem erklärt, Sie seien kein Hypochonder, wie es immer geschrieben wurde. Müssen wir irgendwann auch erfahren, dass Sie eigentlich ein ausgeglichener Menschenfreund sind?

Ausgeglichen - weiß ich jetzt nicht. Und Menschenfreund ist so ein hoher Begriff. Aber der "Dirty Harry" ist sozusagen das Etikett. Es passiert ja häufig, dass mit so einem öffentlichen Bild die Person gleichgesetzt wird. Das macht man mit Schauspielern auch. Ist aber falsch.

Sie sind also in Wahrheit ...

... jemand, der es gern ruhig hat.

Den Menschen zugewandt?

Ja. Also - große Menschenansammlungen versuche ich zu vermeiden. Kleine eigentlich auch.

Mit einer Lebensgefährtin und insgesamt fünf Kindern haben Sie doch auch privat schon eine kleine Menschenansammlung um sich.

Ja, aber das ist Familie. Das ist was anderes. Ich meinte Partys, Geselligkeiten, da habe ich nicht so einen Spaß dran.

Apropos Spaß: Was ist für Sie Ironie?

Ein Stilmittel. Und eine Möglichkeit, die Dinge nicht so nah an mich ranzulassen.

In Ihrer Sendung ist Ironie auch ein Arbeitsmittel.

Ja, aber ich sage nicht: Ich wende jetzt Ironie als Arbeitsmittel an. Sie ist für mich ein Schutz, auch im Alltag, und deswegen benutze ich den auch beruflich.

Sind Sie auch in Ihrer Familie ironisch?

Wenig.

Mit den Kindern?

Bei Kindern kann man Ironie nicht anwenden, die brauchen es eins zu eins.

Wem würden Sie zu mehr Ironie raten?

Das kann man keinem verordnen, weil es eine Lebenshaltung ist. Da muss was dahinterstehen. Sie können ja nicht plötzlich ironisch tun - dann wird es anstrengend. Man muss einfach sagen, man hat eine gewisse Distanz zu den Dingen. Dann ist man auch nicht so überrascht, wenn gewisse Sachen eintreten, die bisher immer nur anderen passiert sind. Zum Beispiel, wenn man aus der Firma fliegt oder krank wird. In solchen Momenten muss man sagen: Hoppla, ich jetzt auch!

Schmidt mit Lebensgefährtin Ellen Hantzsch, einer Lehrerin. Die beiden haben vier gemeinsame Kinder.
© Action PressSchmidt mit Lebensgefährtin Ellen Hantzsch, einer Lehrerin. Die beiden haben vier gemeinsame Kinder.

Sie sind katholisch erzogen worden. Gehen Sie noch in den Gottesdienst?

Ja.

Wann waren Sie zuletzt da?

An Weihnachten.

Dann könnte man ja mal wieder ...

Ja, ist eine Weile her, aber ich gehe an Weihnachten wieder. Insofern sage ich, ich gehe regelmäßig.

Rechnen die mit Ihnen in Ihrer Gemeinde?

Ich gehe nicht in meine Gemeinde, ich gehe in den Kölner Dom, wo ich den Worten von Kardinal Meisner lausche.

Dann sind Sie angetan, berührt?

Berührt nicht, aber ich erlebe da jemanden, der hinter der Sache steht. Und so eine Messe im Dom ist einfach wahnsinnig beeindruckend, das Gebäude an sich, die Musik, die Orgel, die Kälte. Es ist unfassbar kalt - die Leute bringen Decken mit. Es ist zwar knallevoll, aber durch die Pelze kommt man ja nicht so dicht ran an den Nachbarn.

Sind Ihre Kinder getauft?

Ja.

Warum?

Weil wir ja katholisch sind.

Man kann trotzdem eine Wahl treffen.

Aber das ist schon wieder so angestrengt. Ich meine, egal welcher Religion ich zugehörig bin, dann praktiziere ich das.

Glauben Sie, dass Gott Humor hat?

Gott hat keinen Humor nötig.

Dann zeigt er also auch keinen?

Wenn ich jetzt sage, wo Gott seinen Humor zeigt, wird man mir das wieder als Zynismus auslegen.

Wo wir beide gerade so offen sprechen, verrate ich Ihnen etwas: Ich mache meinen Job sehr gern, aber auch wegen des Geldes. Und Sie?

Natürlich ist das Geld wunderbar, aber ich wollte ja immer einfach nur ein Star werden. Das war mein Antrieb. Geld ist okay, aber der Ruhm war mir wichtiger.

Wie spürt man Ruhm?

Aufdringliche Menschen rammen Ihnen ein Fotohandy ins Gesicht.

Aber das mögen Sie doch gar nicht!

Am Anfang wusste ich nicht, dass es so kommen würde, das hat mir ja keiner gesagt. Ich dachte, Ruhm wäre etwas anderes - so wie bei Gisele Bündchen.

Lange Beine haben Sie auch ...

Aber ich hatte nie etwas mit Leonardo DiCaprio.

Weiter zur nächsten Seite
Übersicht zu diesem Artikel
  • Seite 1 / 2
  • Seite 1 "Gott hat keinen Humor nötig"
  • Seite 2