Gwyneth Paltrow

"Meine Familie steht an erster Stelle"

Ehe, Kinder, Karriere - selbst Sonnenschein Gwyneth Paltrow wächst das mal über den Kopf. Was sie für ihr Familienglück bereit ist zu opfern, verrät sie Gala

Gwyneth Paltrow

Diese Beine! Diese Haare! Dieser Glow!

"Wie macht sie das nur?", hörte man viele hinter vorge­haltener Hand tuscheln. Bei der Premiere von "Iron Man 2" in Los Angeles wirkte schön, sexy - und glücklich. Es mag an den zwei Wochen Liebesurlaub im Luxus-Ökoresort "Soneva Fushi" auf den Malediven liegen, die sie gerade mit , 33, und den Kindern Apple, 8, und Moses, 6, verbracht hat. Endlich wieder Zeit für die Familie und ihren Ehemann!

Wie Gala berichtete, hatte die Beziehung mit dem Coldplay-Sänger zuletzt sehr unter dem Arbeitspensum der beiden gelitten: Während er mit seiner Band auf Welttournee war, drehte sie einen weiteren Film - und gleichzeitig wurde das Haus in London zum Mega-Anwesen mit 33 Zimmern umfunktioniert, unter Gwyneth' Regie, versteht sich.

Zwar flog sie häufig zwischen London und dem Set für "Love Don't Let Me Down" in Nashville, Tennessee hin und her, doch zwischendurch sah sie ihren Mann und die Kinder wochenlang nicht: "Oft saß ich in meinem Trailer und dachte daran, dass die Nanny zu Hause gerade meine Kinder badet und ich nicht dabei sein kann. Dann musste ich nur noch weinen." Für die 37-Jährige eine Tortur. Schließlich hat sie es sich zur Lebensaufgabe gemacht, ihre Familie zusammenzuhalten. Trotzdem versucht sie nach wie vor, ihre Karriere in mehreren Sparten voranzubringen: Sie betreibt die erfolgreiche Inter­netseite "Goop", nach ihrer Show mit Star­koch bringt sie ein Kochbuch heraus, und mit ihrer Freundin, Sport-Guru Tracey Anderson, eröffnet sie ein Trainings­center in London.

Mit dem Coldplay-Sänger Chris Martin ist Gwyneth Paltrow seit sieben Jahren verheiratet. Sie lernte ihn 2002 bei einem Konzert k

Mit dem Coldplay-Sänger Chris Martin ist Gwyneth Paltrow seit sieben Jahren verheiratet. Sie lernte ihn 2002 bei einem Konzert kennen und verliebte sich sofort.

Und dann ist da ja auch noch ihre Rolle als Ehefrau und Mutter. Dass sich Gwyneth noch ein Baby wünscht, ist kein Geheimnis. "Wir haben Höhen und Tiefen wie andere auch", gesteht sie. Und meint damit sicherlich auch die Gerüchte, Chris und sie hätten Affären gehabt. Auch dass sie nach der Ge­burt von Moses an postnataler Depression litt, wie sie kürzlich erneut dem Magazin "Harpers Bazaar" gestand, wurde zur Belastungsprobe. "Damals wollte ich nicht wahrhaben, dass ich nicht alles im Griff habe", sagt sie heute. "Es fällt mir immer noch schwer, aber ich arbeite daran." Wenn es sein muss, kämpft Gwyneth eben um ihre Liebsten wie eine Löwin - man sieht es ihr nur nicht an. Auch nicht beim Gala-Interview in Los Angeles.

Für den Dreh von "Iron Man 2" haben Sie Anfang 2009 Ihre derzeitige Heimat London gegen Kalifornien getauscht. Mitsamt Ihrer Familie?

Natürlich war die dabei. Und ich habe es sehr genossen, wieder für ein paar Monate in Los Angeles zu leben. Meine Kinder waren so glücklich! Sie konnten nackt durch den Garten flitzen, wurden braun und blond von der Sonne. Besonders mochten sie natürlich den Swimmingpool. Wir hatten eine tolle Zeit.

London oder Los Angeles - wo würden Sie in Zukunft lieber leben?

Ich liebe London, und ich liebe Los Angeles. Aber meine Kinder gehen in London zur Schule, das ist unser Zuhause.

Sie haben mit Ihrem Ehemann Chris Martin ein Abkommen, nicht über Ihre Beziehung zu sprechen. Verraten Sie uns trotzdem, wie man als Hollywood-Schauspielerin den Mann fürs Leben findet?

Ich habe Chris drei Wochen nach dem Tod meines Vaters backstage bei einem Coldplay-Konzert kennengelernt. Ich habe mir vorgestellt, Dad zieht im Himmel die Strippen und hat das Ganze für mich arrangiert. Das ist jedenfalls ein schöner Gedanke.

Sprechen Ihre Kinder mit britischem Akzent?

Meine Tochter spricht in London mit britischem Akzent und mit amerikanischem in den USA. Und mein Sohn spricht eine schräge Mischung aus Brooklyn- und London-Akzent. Es ist seine eigene Erfindung und sehr süß!

Im Film spielen Sie die Assistentin von "Iron Man". Wären Sie nicht lieber "Iron Woman"?

Der Job ist nicht schlecht. Ich musste mich gar nicht weiter vorbereiten, sondern konnte das tun, womit ich sowieso täglich beschäftigt bin: Ich organisiere den Zeitplan meiner Familienmitglieder, ich kaufe die Geburtstagsgeschenke, wenn jemand zu einer Party eingeladen ist. Ich lebe gewissermaßen als eine Art Top-Sekretärin. Ich kümmere mich um meinen Mann, die Kinder und das Haus.

Und Sie kümmern sich auch um Menschen, die nicht zur Familie gehören. Auf Ihrer Webseite "Goop" geben Sie Tipps für jede Lebenslage: Ernährung, Sport, Reisen ... Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Ich hatte das Glück, schon früh viel zu erleben: Als 25-Jährige habe ich meinen ersten Hausbau geplant. Ich bin in ferne Länder gereist, habe Yoga, makrobiotische Ernährung und die chinesische Medizin entdeckt. Meine Freunde haben mich immer um Rat gefragt.

Sie scheinen viel Zeit in die Seite zu investieren.

Ja, das macht mir großen Spaß, weil ich so schöne Reaktionen bekomme: Frauen und sogar Männer sprechen mich auf der Straße an. Früher sagten sie: "Ich mochte Ihren Film." Heute bedanken sie sich überschwänglich für ein Rezept oder andere Empfehlungen. Ich bekomme auch Briefe, in denen Menschen mir schreiben, ich hätte ihren Berufsalltag positiv verändert. Das ist ein tolles Gefühl und macht mich sehr glücklich.

Sehen wir Sie deshalb so selten auf der Leinwand?

Nein. Das liegt daran, dass meine Kinder für mich an erster Stelle stehen. Mein Sohn hasst es, wenn ich nicht zu Hause bin. Eigentlich wollte ich im Frühling mit Nicole Kidman in Korea "The Danish Girl" drehen. Aber dann fand ich das fürchterlich egoistisch. Mein Sohn wird nur einmal in diesem Leben vier Jahre alt sein. Diese Zeit kann mir niemand zurückgeben. Es fällt mir nicht leicht, auf so einen Film zu verzichten. Aber erst kommt die Familie, dann der Job.

Wie haben Sie gelernt, Nein zu sagen?

Früher habe ich viel zu viel gearbeitet. Ich bin gerannt – und wusste nicht wohin. Bis ich irgendwann den Spaß und die Leidenschaft für meinem Beruf verloren hatte. Dann änderte sich mein Leben schlagartig: Mein Vater starb, ich verliebte mich in meinen Mann und wurde Mutter. Da habe ich verstanden: Das ist das wirkliche Leben! Es hat nichts mit Hollywood und Film zu tun. Ich war glücklich, wenn ich in Jogginghosen herumlaufen und für die Familie da sein konnte. Ich war mir nicht mal sicher, ob mich die Leidenschaft für das Kino jemals wieder packen würde.

Und wann kehrte die Leidenschaft zurück?

Als mein Sohn sechs Monate alt war, habe ich zum ersten Mal wieder Lust gehabt zu spielen. Da habe ich mir eine Frist gesetzt: Ich warte, bis er ein Jahr alt ist, und wenn ein tolles, inspirierendes Angebot kommt, bin ich dabei.

Mit welcher Hauptrolle könnte man Sie heute von Ihrer Familie weglocken?

Der Film müsste in London gedreht werden. Aber es muss alles in der Balance bleiben. Die Familie soll dabei auch glücklich sein. Als Mutter stehe ich zwar oft an letzter Stelle, was meine Bedürfnisse angeht. Aber das ist für mich in Ordnung.


Interview: Christian Aust, Tina Christensen

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