Gertrud + Peer Steinbrück

"Raus aus den Klamotten!"

Lust auf Pointen, klare Ansagen und Spaß am Diskutieren: Beim "Gala"-Interview zeigten sich Gertrud und Peer Steinbrück als gut eingespieltes Team

Peer Steinbrück, Gertrud Steinbrück

Peer Steinbrück, Gertrud Steinbrück

Manchmal während unseres Gesprächs im beschaulichen Berliner Tiergarten bekommt Peer Steinbrück den Tunnelblick. Als höre der SPD-Kanzlerkandidat nicht zu, während seine Frau spricht. Doch das täuscht. Er ist hoch konzentriert, wirft plötzlich eine Ergänzung ein, nickt zustimmend oder neckt sie. Klar ist: Hier sind zwei auf Augenhöhe.

Herr Steinbrück, Ihre Kinder waren von der Kandidatur nicht begeistert. Wissen Sie eigentlich, ob die drei Sie wählen werden?

Peer Steinbrück: (lacht laut)

Gertrud Steinbrück: Ich dachte, wir haben ein Wahlgeheimnis. Aber ich würde mal vermuten, ja.

Er: Ja, bei allem Respekt vor dem Wahlgeheimnis (lacht wieder) vermute ich auch, dass sie mich wählen und die SPD.

Ihre beiden Töchter und Ihr Sohn stehen voll im Berufsleben. Wie stolz sind Sie auf die Kinder?

Sie: Erst mal versuche ich, mir das Wort Stolz zu verbieten. Das ist ja nicht unser Werk, sie sind so geworden aufgrund ihrer Persönlichkeit. Aber nachdem wir das offizielle Verbot ausgesprochen haben, platzen wir vor Stolz. Alle drei haben ihren Weg eigenwillig, selbstständig und ohne Vorgaben gemacht. Johannes hatte einmal die Idee, Volkswirtschaftslehre zu studieren, um seinem Vater zu gefallen. Das hat zwei Wochen gedauert, danach hat er das gemacht, was ihm entspricht, und ist Lehrer geworden.

Welches Gefühl überwiegt bei Ihnen, wenn Sie an Ihre Kinder denken?

Er: Dankbarkeit. Weil sie bisher und hoffentlich auch weiter fantastisch durchs Leben gekommen sind und uns sehr viel Freude bereiten.

Wie häufig sehen Sie sich?

Er: Unser Kontakt ist unkompliziert erfreulich und eng. Gestern kam eine Tochter mit ihrem Partner zum Essen, am Sonntag davor war ich mit ihnen in Berlin frühstücken, morgen kommt unser Sohn.

"Dein Po ist zu dick", witzelt Gertrud Steinbrück, als der Fotograf das Ehepaar auf einen Hocker bittet. "Das hat mir ja lange keiner gesagt", kontert ihr Mann.

"Dein Po ist zu dick", witzelt Gertrud Steinbrück, als der Fotograf das Ehepaar auf einen Hocker bittet. "Das hat mir ja lange keiner gesagt", kontert ihr Mann.

Sie haben mal gesagt, die Geburten Ihrer Kinder hätten in Ihnen religiöse Gefühle ausgelöst.

Er: Ja, das habe ich als Wunder empfunden. Biologisch kann ich mir das alles erklären, auch wie sie entstanden sind … (lacht)

Sie: ... aber dass sie so perfekt sind!

Woran merken Sie, dass sie einer anderen Generation angehören?

Sie: Sie sind eigenständiger, sie würden sich nie auf eine Partnerschaft einlassen, die ihnen auch nur ein Stück ihrer Autonomie nehmen könnte. Die Frauen heute haben ein eigenes Karrieremuster, und das vertreten die auch nicht krallig, sondern ganz sicher und selbstverständlich. Der Nachteil davon ist, dass wir keine Enkelkinder haben.

Bisher. Ihre Kinder sind jetzt zwischen 30 und 36.

Sie: Ja, wir hoffen, die liefern noch.

Wie haben Sie als Gymnasiallehrerin seinerzeit Job und Nachwuchs organisiert?

Sie: Beim ersten Kind bin ich nach acht Wochen wieder in die Schule gegangen. Damals hat sogar noch meine Großmutter geholfen. Und meine Mutter hat immer dann Urlaub genommen, wenn wir unter Druck kamen. Bis auf einmal, als ich mit meiner Mutter weg war und die drei Windpocken hatten.

Weißt du nicht mehr, oder?

Er: (grinst) Doch.

Sie: Da war ich mit meiner Mutter in Leningrad (heute Sankt Petersburg, Anm. d. Red.). Ich musste neun Stunden auf ein Telefongespräch warten, und dann bekam ich erst mal einen Anpfiff durchs Telefon.

Er: (grinst) Von mir?

Sie: Genau: "Wie kannst du nur abhauen und rufst nicht an und ich sitze hier mit drei Kindern und Windpocken!" Ich war zum Glück weit genug weg, um sagen zu können: "Ich hätt’ jetzt gern was Liebes gehört."

Dreamteam? In der Großen Koalition von 2005 bis 2009 war Steinbrück Bundesfinanzminister neben Angela Merkel. Beim TV-Duell vergangenen Sonntag vernahmen viele ein Werben der Kanzlerin, es erneut miteinander zu versuchen.

Dreamteam? In der Großen Koalition von 2005 bis 2009 war Steinbrück Bundesfinanzminister neben Angela Merkel. Beim TV-Duell vergangenen Sonntag vernahmen viele ein Werben der Kanzlerin, es erneut miteinander zu versuchen.

Herr Steinbrück, Sie sagten mal, dass Sie mehr zu Hause hätten sein müssen.

Sie: Die Kinder hatten ja nie einen anderen Vater, einen, der um fünf zur Tür reinkommt und beim Saubermachen hilft. Ihr Vater war so, wie er ist, und ist sich treu geblieben. Papa ante portas hatten wir nie.

Er: Später, als sie größer waren, bin ich dann mit allen drei Kindern einzeln verreist und habe ihnen Städte gezeigt, die ich kannte.

Sie wirken beide sehr straight. Gab es je Momente, in denen Sie Ihren Lebensentwurf infrage gestellt haben?

Sie: (sieht ihn an) Du hast dir schon immer wieder überlegt, ob es auch andere Berufe gegeben hätte.

Er: (schaut fragend)

Sie: Na, du wärst doch gern Journalist geworden, du würdest jetzt lieber auf der anderen Seite sitzen.

Sie haben 1975 geheiratet. Haben Sie ein Rezept für eine lange Ehe?

Er: So eine Ehe über inzwischen 37 ...

Sie: ... 38 ...

Er: ... 38 Jahre, die läuft ja nicht nur geradlinig. So einen Eindruck wollen wir auch gar nicht vermitteln. Da gibt es auch mal Zickzackbewegungen und Momente, wo sich eine Ehe wieder finden muss. Aber das muss man dann nicht öffentlich ausbreiten.

"Endlich zu Hause!" - was ist für Sie, gerade jetzt in Wahlkampfzeiten, der Moment, in dem Sie das sagen?

Er: Es gibt eine Sache, die zwingend ist: sofort raus aus den Klamotten!

Sie: Stimmt, den Schlips hast du immer schon in der Hand.

Es heißt, Sie verschanzen sich zu Hause am liebsten im Lesesessel. Wirklich?

Er: So ähnlich. Wenn ich Thriller, Geschichtsbücher oder Biografien lese, kann ich in eine ganz andere Welt abtauchen.

Woran merken Sie dann, dass Ihr Mann zu Hause ist, Frau Steinbrück?

Sie: Na ja, die Tür hört man schon klappen. Dass Peer seine Abtauchzeiten braucht, finde ich normal. Er muss sich nicht entschuldigen, wenn er Schach spielen oder seine Zeitung inhalieren will.

Wie tauschen Sie sich aus?

Sie: Wir haben keinen Fernseher beim Essen laufen, vielleicht hilft das. Da wir beide ganz gerne essen, kommt da doch eine ganze Menge Redezeit zusammen.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung.

Die Republik schaut seit Monaten auf Ihren Mann. Nehmen Sie sich selbst in der Beziehung deshalb mehr zurück?

Sie: Also erst mal habe ich ihn kennengelernt, als wir noch studiert haben. Das spielt eine wesentliche Rolle. Und wenn jeder ein eigenes Leben hat, ist das sehr einfach.

Kollegenärger machen Sie mit sich aus?

Sie: Na ja, wenn Peer drei Tage nicht da war, hat sich manches schon eingedampft auf die wirklich wichtigen Themen. Und mit denen kann ich auch zu ihm kommen, wenn er an einer Rede sitzt. Manche Namen aus meinem Kollegium mag er allerdings nicht mehr hören.

Er: Weil sich nichts verändert.

Sie: Das kann er nicht so gut haben.

Er: Umgekehrt gab es auch Situationen, wo du mich von den Zinnen runtergeholt hast. Wenn ich Mühe hatte, von hoher Umdrehungszahl auf Normalmaß zurückzufinden. Dann hast du dazu beigetragen.

Angela Merkel und die "Schlandkette"

TV-Duell

Merkels "Schlandkette"

02.09.2013

Sie: Als nach acht Jahren in Kiel meine Beurlaubung auslief, habe ich wieder in Bonn angefangen. Sonntagabend hin, Mittwochabend zurück nach Kiel, unser Sohn war ja erst 14. Zum Glück bekam Peer sechs Wochen später das Angebot, in NRW Wirtschaftsminister zu werden.

Er: Damals dachten viele, das sei eine Art Masterplan gewesen und wir hätten das schon vorher gewusst.

Sie: Es hat mich ein bisschen geärgert, dass alle dachten, ich sei dir nachgegangen.

Er: (schmunzelnd) Das hat dich schon gestört.

Sie: Ja, genauso wie die Tatsache, dass wir so viel Post bekamen an Dr. Peer Steinbrück und Gattin.

Er: Die hatte ich aber nicht bestellt.

War das mal ein Thema für Sie, Ihre Doktorarbeit nachzuholen, um mit Ihrer Frau gleichzuziehen? Zwischenzeitlich haben Sie eine Fernbeziehung geführt. Wie kam das?

Er: Nein, Quatsch! Ich habe meine Doktorarbeit aufgegeben, als ich 1976 persönlicher Referent von Hans Matthöfer (damals Bundesforschungsminister, Anm. d. Red.) wurde. Heute bin ich froh. Was glauben Sie, wie viele Leute sich daran machen würden zu scannen, ob ich irgendwo Zitate geklaut haben könnte.

Frau Steinbrück, Sie sind seit Juli pensioniert. Warum sind Sie ein Jahr früher als nötig gegangen?

Sie: Als ich das vor zwei Jahren angemeldet habe, gab es noch die Option, dass jetzt ein ganz anderer Freiheitsgrad möglich ist. Damals wusste ich ja noch nicht, was mein Mann anzettelt.

Gala

Inhaltsverzeichnis

22.02.2017

Gala: Inhaltsverzeichnis

Star-News der Woche

Gala entdecken