Florian Henckel von Donnersmarck
© Getty Florian Henckel von Donnersmarck

Florian Henckel von Donnersmarck "Wir müssen nie wieder eine Kinokarte kaufen"

Florian Henckel von Donnersmarck ist auch in der neuen Heimat Amerika weiter auf Erfolgskurs. Mit seiner Aufnahme in die Oscar-Akademie gehört der deutsche Regisseur jetzt zu den ganz Großen im internationalen Filmgeschäft

Es ist gerade mal ein paar Wochen her, dass Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck ("Das Leben der Anderen") mit seiner Familie nach Amerika gezogen ist, und schon hat der 34-Jährige den ganz großen Wurf gelandet: Als einer von 115 neu gewählten Filmschaffenden wurde der Regisseur nun als Mitglied in die Academy of Motion Pictures Arts and Sciences berufen. Er darf von nun an mit Hollywood-Größen wie Steven Spielberg oder Tom Hanks darüber entscheiden, wer künftig einen Oscar in den Händen halten wird. Da er im Juli zum dritten Mal Vater wird und auch schon wieder mitten in neuen Filmprojekten steckt, freuen wir uns be­sonders, dass Henckel von Donnersmarck Zeit für ein GALA-Interview gefunden hat.

Gala: Herzlichen Glückwunsch zur Aufnahme in die amerikanische Filmakademie. Wie und wo haben Sie von dieser Ehre erfahren?

Da ich gerade in Florida Ferien und eine kurze Internetpause mache, habe ich selbst erst aus der Zeitung davon erfahren.

Gala: Kam die Ernennung überraschend für Sie?

Ich hatte mich mit vielen Regisseuren und Schauspielern der Akademie sehr gut verstanden und lange Nächte mit ihnen über Film und Filmemachen diskutiert. Aber dass sie so schnell Nägel mit Köpfen machen und mich in die Akademie berufen würden, hat mich dann doch überrascht. Ich bin besonders glücklich darüber, weil es mein Leben in Los Angeles noch sehr viel interessanter machen wird. Es gibt jedes Jahr Hunderte von Screenings nur für die Mitglieder der Academy, bei denen man alle Filme unmittelbar nach Fertigstellung exklusiv zu sehen bekommt. Und zwar in einer Vorführqualität, von der normale Kinos nur träumen können. Meine Frau und ich werden nie wieder in unserem Leben eine Kinokarte kaufen müssen.

Gala: In einer Riege mit Daniel Craig und Jennifer Aniston aufgenommen zu werden - klingt nicht schlecht, oder?

Daniel Craig fand ich in James Bond großartig, aber es sind in meinem "Jahrgang" noch ein paar andere, die mir fast noch wichtiger sind: Eddie Murphy zum Beispiel, oder mein angeheirateter Vetter Peter Morgan, der Autor von "The Queen".

Gala: Sie dürfen ab jetzt mitentscheiden, wer einen Oscar bekommt. Wie fühlt sich das an?

Ein bisschen unheimlich ist das schon, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, was für eine enorme Bedeutung ein Oscar für Karriere und Leben der Gewinner hat. Aber ich werde meine Aufgabe sehr ernst nehmen und nicht nach Sympathie entscheiden, sondern nur nach der künstlerischen Leistung.

Gala: Einen besseren Start in Amerika kann man sich ja kaum vorstellen. Sind Sie schon "angekommen"?

Ich habe ja als Kind schon sechs Jahre in den USA verbracht. Insofern ist das "Ankommen" für mich nicht schwer. Ich liebe das Land sehr.

Gala: Durch Ihren Erfolg mit "Das Leben der Anderen" gibt es sicherlich einige Kontakte in Los Angeles. Haben Sie schon einen Agenten dort?

Ohne Agenten ist es in den USA sehr schwer, sogar als Regisseur. Selbst Steven Spielberg hat eine Agentin. Ich bin bei einer dieser sagenhaft effizienten Über-Agentinnen von CAA. Sie heißt Beth Swofford und vertritt neben mir noch Peter Weir, Sam Mendes, Guy Ritchie und etwa ein Dutzend andere. Sie ist von einer erschreckenden Intelligenz, kann jedes Buch in 20 Minuten durchlesen - und kennt noch vier Monate später jedes Detail. Sie ist eine der bedeutendsten Kunstsammlerinnen der Welt, lebt in Los Angeles, New York, London und Venedig zugleich, und findet trotzdem die Zeit über jede Wehwehchen meiner Kinder informiert zu sein.

Gala: Arbeiten Sie bereits an neuen Filmprojekten oder wollen Sie erst in aller Ruhe die Geburt Ihres dritten Kindes abwarten?

Im Kopf bin ich natürlich schon am Ausarbeiten von neuen Filmideen. Das kann man leider, oder Gott sei Dank, nicht abschalten. Aber es ist doch über die vergangenen Jahre sehr viel Privates liegengeblieben, und das möchte ich erst einmal wegarbeiten, ehe ich mich an ein neues Drehbuch setze. Ich habe zum Beispiel mit keinem meiner Freunde in den letzten Jahren wirklich Kontakt gehalten, habe auf Briefe nicht reagiert, noch nicht einmal auf Anrufe. Es gab für mich nur den Film.

Gala: Was lieben Ihre Kinder an ihrer neuen Heimat?

Die sind ja noch zu klein, um das wirklich ausdrücken zu können. Aber wir genießen alle sehr die große Kinderfreundlichkeit, die hier herrscht. Das merkt man schon gleich bei der Einreise, oder beim Check-in an Flughäfen. Wenn irgendwo eine Schlange ist, und man mit kleinen Kindern ankommt, wird man sofort vorgelassen. Das ist ganz selbstverständlich. Und die Menschen sind sehr höflich hier mit Kindern. Sie werden wirklich respektiert und nicht nur gemaßregelt. Wenn die Kinder im Restaurant zum Beispiel zwei Gläser umkippen und die Maccaroni auf dem Boden verteilen, dann kommt eine Kellnerin, hilft lachend, das aufzuwischen, und erzählt von ihren eigenen drei Kindern zu Hause, und wie sie das nur zu gut kennt.

Gala: Und Sie? Noch kein Schwarzbrot-Entzug?

Ich bin ja doch sehr regelmäßig in Deutschland, und werde das auch immer so halten. Alleine dieses Jahr werde ich noch vier Mal herüberfliegen, um Vorträge zu halten, und darüber auf dem Laufenden zu bleiben, was sich in Deutschland so tut. Man kann und will sich ja sein Land nicht so völlig aus dem Herzen reißen. Ich bin Deutscher, und werde das auch in Hollywood sein.

Gala: Wie weit sind die Arbeiten am US-Remake von "Das Leben der Anderen" fortgeschritten? Sind Sie involviert?

Ich bin bei dem Projekt nur Produzent, und auch das eher nur dem Titel nach, denn ich muss nichts organisieren und keine Gelder auftreiben. Ich gebe nur von Zeit zu Zeit ein paar Orakelworte bei Story-Meetings von mir. Und das war's. Aber Sydney Pollack und Anthony Minghella haben ein paar sehr sehr gute Ideen gehabt. Ich könnte mir vorstellen, dass die daraus ein richtig gutes Drehbuch machen. Nur, ohne Ulrich Mühe und Sebastian Koch werden sie es natürlich bei der Verfilmung sehr schwer haben.