Ewan McGregor

"Es fühlt sich an wie eine Ehe"

Hollywood war ganz weit weg: Motorradfreak Ewan McGregor düste mit Kumpel Charley Boorman von Schottland nach Afrika. Der nächste Trip ist bereits geplant

Ewan McGregor

Von bis nach Süd­afrika - in knapp drei Mona­ten durchquerten die Schau­spieler , 36 und , 41, mit dem Motorrad 18 Länder. Es war bereits ihr zwei­ter gemeinsamer Biker-Trip. Vor drei Jahren waren Ewan und von England über die Mongolei und Alaska nach New York gefahren. Was sie diesmal erlebten, erzählen sie jetzt in GALA. Und in ihrem neuen Reise-Tagebuch "Long Way Down".

Ewan arbeitet seit 2004 als Unicef-Botschafter

Ewan arbeitet seit 2004 als Unicef-Botschafter

Was haben Sie besser gemacht als beim ersten Mal?

Ewan McGregor: Wir haben viel weniger mitge­nommen. Mein Gott, bei der ersten Reise wären unsere Motorräder fast zusammenge­brochen unter dem vielen Gepäck. Und eigentlich wollten wir ein Extra-Training absolvieren, um mit den Straßen in besser klarzukommen. Das ging dann aber nicht, weil ich mir zehn Wochen vor Beginn unserer Reise ein Bein gebrochen hatte.

Waren Ihre Frauen nicht sauer, dass Sie schon wieder zu zweit losziehen wollten?

Charley Boorman: Dass ich viel unterwegs bin, stört Olly nicht. Es gehört schließlich zu meinem Leben: wegfahren und Filme machen.
McGregor: Ich habe das große Glück, dass meine Frau extra Motorradfahren gelernt hat. Also ist Eve einfach hinterhergereist und mit uns durch Malawi und Sambia gefahren. Wir waren zwar ein bisschen lang­samer, aber es lief eigentlich ganz gut.
Boorman: Gut? Sie hat die schwierigen Straßen einfach brillant gemeistert.

Und wie sind Sie selbst damit zurechtgekommen? Die Strecke über den Schwarzen Kontinent war doch bestimmt noch anspruchsvoller als Ihre letzte Tour.

Boorman: Das stimmt. In Sibirien waren die Straßen immer schön leer, in Afrika hingegen wimmelt es nur so vor Tieren. Hey, das ist die freie Wildbahn - wir mussten höllisch aufpassen, dass wir keines überfahren.

Welche Tiere mussten denn vor Ihnen fliehen?

McGregor: Ein paarmal haben uns nachts Elefanten überrascht...
Boorman: Das Schlimmste war, dass man nie ausmachen konnte, ob sie direkt am Zelteingang vorbeirennen oder kilometerweit entfernt sind. In der afrikanischen Nacht verliert man das Gefühl für Entfernungen. Ich habe mir irgendwann einfach Ohren­stöpsel eingestopft. Immerhin sind uns Schlangen und Spinnen erspart geblieben. Kann aber auch gut sein, dass wir sie ein­fach nicht bemerkt haben.

Das klingt, als könnte Sie nichts erschrecken. Haben Sie immer draußen geschlafen?

McGregor: (lacht) Nachdem wir einige Hotels von innen gesehen hatten, gefiel uns das Campen plötzlich umso besser.
Boorman: Manchmal waren die Zimmer tat­sächlich so schlimm, dass wir dort nicht mal duschen wollten - obwohl die letzte Dusche auch schon einige Zeit her war.

Die Frauen der Abenteurer: Olivia Boormann und Eve Mavrakis. Beide Paare haben jeweils zwei Töchter und sind die Pateneltern der

Die Frauen der Abenteurer: Olivia Boormann und Eve Mavrakis. Beide Paare haben jeweils zwei Töchter und sind die Pateneltern der anderen

Um solche Nächte zu überstehen, muss man sich sehr gut verstehen.

Boorman: Wir haben tatsächlich eine sehr enge Verbindung, teilen eine große Leidenschaft: das Motorradfahren. Und wir haben Kinder im gleichen Alter, sind Paten von den Kin­dern des jeweils anderen. Irgendwie machen wir fast alles zusammen. Ewan ist für mich der Bruder, den ich nie hatte.

Trotzdem geht man sich doch sicher mal auf die Nerven.

McGregor: Klar, das ist wie in jeder anderen Beziehung. In so einer Extremsituation wie der Tour, bei der man abends einfach todmüde ist und nur noch ins Bett fallen will, ist man schon mal gereizt.
Boorman: Tatsächlich fühlt es sich ähnlich an wie eine . Man diskutiert, weint, liebt - man macht einfach alles zusammen.

Sie haben während Ihrer Reise auch Krisenregionen wie den Sudan passiert. Hatten Sie keine Angst?

McGregor: Der Sudan war überhaupt nicht so, wie wir ihn uns vorgestellt hatten. Die Leute waren cool und freundlich. In Äthiopien war es viel schlimmer. Die Menschen sind sehr arm, und die meisten Kinder arbeiten schon im Alter von fünf, sechs Jahren. Mich hat beeindruckt, dass sie trotzdem immer so neugierig und lustig sind. Und natürlich wollten sie immer Geld.

Echte Männerfreundschaft: Ewan McGregor und sein Motorrad-Kumpel Charley Boorman

Echte Männerfreundschaft: Ewan McGregor und sein Motorrad-Kumpel Charley Boorman

Und, haben Sie etwas rausgerückt?

McGregor: Wenn sie auf unsere Motorräder aufgepasst oder sie geputzt haben, haben sie natürlich etwas bekommen. Am meisten Angst hatten wir übrigens davor, dass wir mal ein Kind anfahren, sie sind uns ja im­mer so begeistert in den Weg gesprungen. Das ist aber glücklicherweise nie passiert.

Gab es auch wirklich gefährliche Situationen?

McGregor: Nur wenige Menschen, denen man in Afrika begegnet, sind gefährlich. Selbst in den ärmsten Gegenden waren die Leute freundlich und hilfsbereit. Wie etwa in Sambia, wo die Leute selbst kaum etwas besit­zen. Trotzdem brachten sie uns von ihrem Holz, damit wir Feuer machen konnten oder haben uns etwas zu essen angeboten.

Und Sie haben natürlich alles probiert?

McGregor: Klar. Man ist sicherer, wenn man zusammen mit den Menschen isst. Bauchschmerzen haben wir nur bekommen, wenn wir in Hotels gegessen haben.
Boorman: Man isst echt super in Afrika. Und ist keinesfalls am Verhungern (lacht). Ich meine, ich habe diese Reise auch deshalb gemacht, weil ich ein bisschen abnehmen wollte. Das hat nicht funktioniert.
McGregor: Äh, Charley, wir hatten aber auch genug Geld, um uns alles zu kaufen, worauf wir Lust hatten.
Boorman: Da hast du natürlich Recht.

War die Reise für Sie auch eine Flucht vor Ihrem täglichen Leben - oder vor dem Berühmtsein?

McGregor: Im täglichen Leben hat man kaum Zeit, nachzudenken oder einen Moment in­nezuhalten. Auf dem Motorrad hingegen kommt man zur Ruhe. Als Selbstfindungs­trip oder gar Flucht vor dem Leben eignet sich eine solche Reise bestimmt nicht. Ich habe eigentlich keine Probleme im täglichen Leben. Es macht mir auch nichts aus, er­kannt zu werden, ich muss vor nichts davon­laufen. Aber ich wollte diese Reise mit Charley und meinem Motorrad machen und herausfinden, wie Menschen in ande­ren Ländern leben. Es war mein, oder besser gesagt: unser persönlicher Traum.

Das hört sich an, als hätten Sie den nächsten Trip bereits geplant.

Boorman: Oh ja, wir haben tatsächlich schon ein bisschen herumgesponnen. Vielleicht von New York nach Mexico City.

Was haben Sie gemacht, als Sie nach fast drei Monaten in Südafrika ankamen?

Boorman: Unsere Familien waren uns nachge­reist und wir haben alle zusammen unsere Ferien in Kenia verbracht. Wir wollten unseren Kindern die Möglichkeit geben, ein wenig an unserer Reise, an Afrika und den Tieren teilzuhaben. Diese Zeit ist uns schon sehr unter die Haut gegangen. Ich kann jetzt verstehen, warum viele Menschen das Land so leidenschaftlich lieben.

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