Ethan Hawke

Das wahre Leben

Für seinen neuen Film stand Ethan Hawke in New Yorks gefährlichstem Stadtteil vor der Kamera. Gala besuchte ihn am Set in Brooklyn

Ethan Hawke

Die Einladung der Filmproduktionsfirma warnt eindringlich

: "Bitte nicht die U-Bahn benutzen - nehmen Sie einen Limousinenservice." Selbst hartgesottene New Yorker Taxifahrer meiden diesen Teil von Brooklyn. "East New York ist unter den ersten Fünf, was die Kriminalitätsrate in den USA betrifft – und hält Platz eins in New York", sagt bei einer Tasse Kaffee. "Es ist faszinierend, hier zu arbeiten."

"Die Arbeit war intensiver und hef­tiger als in einem Hollywood-Film", sagt Ethan Hawke, der in "Gesetz der Straße - Brooklyn's

"Die Arbeit war intensiver und hef­tiger als in einem Hollywood-Film", sagt Ethan Hawke, der in "Gesetz der Straße - Brooklyn's Finest" den Polizisten Sal spielt.

Mit , und dreht er an Originalschauplätzen das Cop-Drama "Gesetz der Straße – Brooklyn's Finest".Szene 95 wird gerade gedreht. Laut Drehbuch hat die New Yorker Polizei alle Hände voll zu tun: Konkurrierende Gangs feuern Schüsse ab, ein Polizeiauto gerät in Brand. Muskulöse Jungs in Unterhemden, mit Goldketten, fetten Uhren und beeindruckenden Tattoos schauen finster. Sie stehen entlang der Blake Avenue in Brooklyn in Gruppen zusammen, rauchen, beobachten, wie Regisseur "Action" ruft. Nicht alle Gang-Mitglieder sind Schauspieler oder Statisten – viele sind schaulustige Anwohner, die optisch nahtlos ins Bild passen.

Warum sind Hawke & Co. ausgerechnet in diesem Viertel mit Sozialbauten, hoher Arbeitslosigkeit und hoher Mordrate gelandet? Wäre schließlich nicht der erste New-York-Film, der in einem sonnig-sicheren Studio in Kalifornien gedreht wird. "Dies ist das echte Amerika. Es ist wichtig, dass das Publikum sieht, dass New York nicht nur aus Manhattan besteht", erklärt Hawke und zieht an einer Zigarette. "Alles soll authentisch wirken", bestätigt Regisseur . "Ich kann allerdings nicht leugnen, dass es hier manchmal recht heftig zugeht." Nur einen Block vom Drehort, dem Van Dyke Community Center, wurde gerade erst ein Mann umgebracht. Fuqua: "Wir konnten die Schüsse hören"“ Für den Filmemacher ist das nichts Außergewöhnliches: "So ist einfach New York, Arm und Reich leben nebeneinander."

"Das Drehbuch ist sehr emotional und persönlich," sagt Richard Gere, hier im Gespräch mit Regisseur Antoine Fuqua.

"Das Drehbuch ist sehr emotional und persönlich," sagt Richard Gere, hier im Gespräch mit Regisseur Antoine Fuqua.

"Man muss Menschen Hoffnung geben," sagt Antoine Fuqua (r.). Er gründete eine "Film School For Kids" in East New York. Die Kinde

"Man muss Menschen Hoffnung geben," sagt Antoine Fuqua (r.). Er gründete eine "Film School For Kids" in East New York. Die Kinder durften am Set die Schauspieler beobachten ¿ Hollywood zum Anfassen.

Fuqua wuchs in einer ähnlich trostlosen Ecke von Pittsburgh auf. Als er das Drehbuch von Michael C. Martin las, war er sofort tief beeindruckt – denn Martin ist ein echtes Kind des Viertels. "Das Drehbuch ist sehr emotional und persönlich", findet auch Richard Gere. Um bei diesem Film dabei zu sein, verzichtete er sogar auf seinen Urlaub. Für Hawke war der Film ebenfalls ein Muss: "Es ist ein Privileg, eine echte New-York-Story erzählen zu können. Ich habe als Kind in Brooklyn gelebt, wenn auch in einem anderen Bezirk."

Alle Schauspieler betrachten den Film als Möglichkeit, diesem kaputten Viertel zu helfen. "Menschen, die in solchen Gegenden leben, haben wenig Hoffnung", so Fuqua. "Aber jetzt sehen sie, dass einer von ihnen einen Hollywood-Film geschrieben hat. Richard, Don und Ethan sind hier – das bringt ihnen eine Welt näher, die sonst sehr weit weg ist." Nicht selten sieht man Hawke daher bei Drehpausen in Unterhaltungen mit Anwohnern vertieft.

Während Film-Cops und Film-Gangster einander bekriegen, läuft eine alte Dame, beladen mit Einkaufstüten, unbeirrt an Stars und Statisten vorbei. Nicht einmal als Schüsse knallen, hebt sie den Kopf. Alltag in East New York eben.

Julide Tanriverdi

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