Ellen DeGeneres
© Getty Ellen DeGeneres

Ellen DeGeneres Sehr witzig: eine Frau mit Durchblick

Hollywoods Comedy-Queen Ellen DeGeneres führt dieses Jahr durch die Oscar-Nacht. Für sie eine Premiere. Für die Zuschauer eine Gute-Laune-Garantie

Kleider? Nein, danke! Ellen DeGeneres trägt Hosenanzug, wenn der Dresscode eine große Robe verlangt. Immer. Flatternde Fummel mag Hollywoods bekannteste Lesbe nicht, und das wird sich auch vor der diesjährigen Oscar-Verleihung nicht ändern. Erstmals steht die 49-Jährige bei den Academy Awards als Gastgeberin auf der Bühne. Eine große Ehre. Und selbst für eine Vollblutkomödiantin und erfahrene Entertainerin eine "echte Mammutaufgabe", wie Ellen DeGeneres einräumt. Im Gespräch mit GALA verrät die Powerfrau, wie sie der Oscar-Nacht ihre persönliche Note geben will.

GALA: Schon nervös?

Nervös?! Und wie! Ich klebe mir jeden Tag aufs Neue falsche Fingernägel an, weil die vom Vortag abgeknabbert sind. Schon merkwürdig: Es war immer mein Traum, diese Veranstaltung als Gastgeberin zu leiten. Aber es geht da ja nicht wirklich um mich. Es ist die Nacht der Stars. Das soll im Vordergrund stehen.

GALA: Was dürfen wir von der Gastgeberin Ellen DeGeneres genau erwarten?

Hmm, ich habe mir ein paar alte Witze von Chris Rock aufgeschrieben und mir Aufzeichnungen mit Whoopi Goldberg als Gastgeberin angeschaut. Daraus wollte ich ordentlich klauen. Hoffentlich merkt das Publikum das nicht.

GALA: Sie scherzen...

Natürlich scherze ich... Dafür wurde ich ja engagiert. Ich wollte eigentlich eine Tanznummer hinlegen, weil ich wirklich eine leidenschaftliche Tänzerin bin. Aber das hat Billy Crystal schon vor mir gemacht. Obwohl er diesen Act genau genommen von mir geklaut hat. Auf jeden Fall will ich mir treu bleiben. Ich will ehrliche Arbeit abliefern, nichts kopieren, aber der Show durchaus meinen Stempel aufdrücken.

GALA: Testen Sie Ihre Gags immer im Vorfeld?

Nein, niemand hört sie vor einem Event. Ich schreibe ­ zusammen mit einer kleinen Gruppe von Autoren ­ meine eigenen Gags. Das passiert meistens zu Hause. Und dann gehen wir raus auf die Bühne und präsentieren sie dem Publikum ganz frisch.

GALA: Haben Designer und Juweliere Sie schon mit Angeboten bombardiert, Sie für die Oscar-Show auszustatten?

Ja, es sind tatsächlich eine ganze Reihe von Designern auf mich zugekommen. Ich kann jetzt schon verraten, dass ich auch am Oscar-Abend kein Kleid tragen werde. Ich lasse mir einen schönen Hosenanzug schneidern.

GALA: Gibt es einen Ersatzmoderator, falls Sie plötzlich krank werden und nicht auf die Bühne können?

Nein, aber das ist eine gute Idee. Eine Art Ersatzspieler, der sich hinter der Bühne warmläuft, falls meine Witze nicht so gut ankommen. Das wäre eine zusätzliche Motivation für mich (lacht).

GALA: Haben Sie einen Oscar-Favoriten?

Ich hab mich total in den kleinen Film "Little Miss Sunshine" verguckt, den finde ich klasse. Hoffentlich gewinnt das Team viele kleine Oscars.

GALA: Die "Ellen DeGeneres Show" läuft nicht nur in den USA erfolgreich, seit Kurzem wird sie beispielsweise auch in Südafrika ausgestrahlt. In Santa Barbara haben Sie sich gerade eine Villa gleich neben Talk-Ikone Oprah Winfrey gekauft. Jetzt die Oscars. Welche Herausforderungen warten überhaupt noch auf Sie?

Ein Date mit dem Verlobten von Oprah Nein, nach den Oscars ist mein Leben komplett. Dann höre ich sofort mit meinem TV-Job auf und fange etwas ganz Neues an (lacht). Ehrlich: Ich bin sehr zufrieden im Moment. Ich bin glücklich. Beruflich und privat. Es ist ein schönes Gefühl, das möchte ich erst einmal eine Zeit lang genießen.

GALA: Die Umstände Ihrer Karriere waren nicht immer so gut. Früher wurden sie oft attackiert, auch wegen Ihrer sexuellen Orientierung...

...und jetzt darf eine Lesbe sogar Gastgeberin bei den heiligen Oscars spielen. Die Zeiten haben sich wahrlich geändert.

GALA: Warum hat man Sie, Ihrer Meinung nach, nicht schon früher die Oscar-Verleihung moderieren lassen?

Vergangenes Jahr zum Beispiel? "Brokeback Mountain" und Ellen DeGeneres ­ zu viel Homosexualität! Das hätte die Academy nicht verkraftet.

GALA: Haben Sie heute noch Lampenfieber?

Und ob! Ich werde zwar nicht krank vor meinen Auftritten, aber ich bin sehr nervös, weil ich gute Arbeit abliefern möchte. Für mich ist es immer wichtig, dass das Publikum total entspannt die Show verfolgen kann. Dann habe ich einen guten Job gemacht.

GALA: Sind Sie ein Mensch, der sich Ziele im Leben steckt?

Als ich mit dem Entertainment anfing, da wollte ich nur einmal in meinem Leben in einer Late-Night-Show auftreten. Dieser Wunsch wurde wahr. Das war zu einer Zeit, als ich im Keller eines Apartments geschlafen habe, kein Auto hatte, oft keinen Cent in der Tasche. Aber ich stecke mir tatsächlich kleine Ziele im Leben.

GALA: Wenn man so erfolgreich ist, denkt man da noch an die Zeit zurück, in der es nicht so gut lief?

Immer. Wenn man diese Erinnerungen verliert, wird es gefährlich. Ich arbeite sehr hart, noch heute. Ich weiß, dass es morgen schon wieder vorbei sein kann.

GALA: Wohin gehen Sie, wenn Sie selbst mal richtig lachen möchten?

Meine Lebensgefährtin Portia ist sehr lustig. Sie bringt mich zum Lachen. Und mein Hund, der ist auch irre komisch. Ich versuche, jeden Tag zu lachen. Das macht das Leben einfach angenehmer.

GALA: Wie bleiben Sie motiviert?

Ich mache meinen Job, weil ich Menschen gerne zum Lachen bringe. Das ist eine Art Service, den ich leiste. Und solange ich das kann, mache ich auch weiter. Das für mich die beste Motivation.