Julie Delpy
© Getty Images Julie Delpy

Die Gräfin - Julie Delpy "Liebe kann dich komplett zerstören"

Julie Delpy über verflossene Lover, ihr fünf Monate altes Baby und das bislang härteste Jahr ihres Lebens

Sie ist genau der Typ Frau

, den man gern zur Freundin hätte - Julie Delpy, 39, sprüht vor Energie, ist witzig und schön durchgeknallt. Sie singt, schauspielert, schreibt Drehbücher, führt Regie und ist Anfang des Jahres auch noch Mutter geworden. Mit dem Historiendrama " Die Gräfin " kommt sie diese Woche in die deutschen Kinos. Gala traf die Französin in Baden-Baden zum Interview.

Als "Blutgräfin" Erzebet baden Sie in Jungfrauen-Blut, um für Ihren Liebsten jung und schön zu bleiben. Welche verrückten Dinge haben Sie selbst schon aus Liebe gemacht?

Jedes Mal, wenn mich jemand verlassen hatte, mutierte ich zum Stalker! Ich bin in "unsere" Cafés gegangen, habe seine Worte wiederholt. Zum Glück ist mir das nicht oft passiert, aber ich konnte mich früher extrem auf jemanden fixieren. Es hat Monate gedauert, bis ich mich wieder von der Person lösen konnte. Danach fragte ich mich immer: Warum warst du nur so verrückt?

Liebe führt manchmal auf extreme Pfade...

Und genau das ist es, was mich an der Liebe interessiert: Egal, wie stark du bist, Liebe kann dich von heute auf morgen komplett zerstören. Nehmen Sie Susanne Klatten.

Sie wären sicher eine gute Psychologin geworden, oder?

Bestimmt nicht. Ich bin gut im Analysieren, könnte den Menschen aber nicht helfen. Es ist auch viel interessanter, Verrückte zu studieren. Mein ganzes Leben habe ich in Bars und Restaurants verbracht, um Menschen zu beobachten. Und herauszufinden, warum sie sich langweilen, streiten oder ärgern.

Gibt es ein Thema, das Sie wütend macht? Vielleicht das Älterwerden?

Als ich 27 wurde, rief mich meine Agentin an. Sie gratulierte mir zum Geburtstag und sagte: "Es tut mir sehr leid, aber mit 27 ist es nun leider für dich vorbei mit der Schauspielerei." Ich konnte es nicht glauben, aber sie meinte es ernst. Zu dieser Zeit waren in Frankreich sehr junge Schauspielerinnen angesagt. Das hat meinen Sinn für Humor geprägt.

Sie werden in diesem Jahr 40 ...

... und es stört mich überhaupt nicht. Ich habe meine Karriere nie auf Äußerlichkeiten aufgebaut. Einige meiner Lieblingsregisseure haben übrigens mit 40 gerade mal angefangen, Filme zu machen.

Ihr Sohn Leo ist jetzt fünf Monate alt. Wie hat er Ihr Leben verändert?

Leo ist unglaublich - er lacht den ganzen Tag und konnte schon mit zwei Monaten seine Flasche allein halten. Unheimlich, oder? Ich nenne ihn Mini-Monster, weil er nie genug bekommt. Ich muss lernen, mich besser zu organisieren, weil ich gern drei Tage pro Woche schreiben würde. Es gibt Schauspielerinnen, die nichts tun außer Shoppen und Maniküre - und selbst die haben Nannys. Ich sollte mich also nicht schuldig fühlen.

Fehlt Ihnen die Schauspielerei?

Ich bedauere sehr, dass ich in Lars von Triers Film "Antichrist" nicht mitspielen konnte. Ich war schwanger und musste mich um meine krebskranke Mutter kümmern, die im Februar gestorben ist. Ich habe sie das ganze vergangene Jahr gepflegt.

Klingt nach einer ziemlich harten Zeit.

Das war das härteste Jahr meines Lebens, und ich bin heute ein anderer Mensch. Kein Vergleich zu den Problemen, die ich vorher hatte. Man merkt, wie stark man eigentlich ist. Heute könnte ich sogar einen Atomkrieg überleben.


Das Interview mit Julie Delpy führte Hili Ingenhoven.

"Die Gräfin" startet am 25.06. in den deutschen Kinos.