Diane Keaton
© Getty Diane Keaton

Diane Keaton "Auch ich habe viele Ängste"

Diane Keaton sprudelt fast über vor Selbstbewusstsein und Energie - im Interview mit GALA offenbart der Star allerdings auch eine sehr nachdenkliche Seite

Sie ist eine Frau, die schon lange nichts mehr beweisen muss. Eine Frau, die bei sich angekommen ist und das Leben in vollen Zügen genießt. Und das sieht man Diane Keaton deutlich an. Während des Interviews im "Four Seasons" in Los Angeles strahlt die Schauspielerin eine tiefe innere Ruhe und Zufriedenheit aus. Sie lacht oft und laut, scherzt darüber, dass sie unbedingt auf ihre Figur achten muss. Doch während die 61-Jährige über ihren neuen Film "Von Frau zu Frau", Sex im Alter und ihre zwei Adoptivkinder plaudert, wandert ein Keks nach dem anderen in ihren Mund...

Diane Keaton hielt eine rührende Laudatio auf Regisseurin Nancy Meyers
© Wireimage.comDiane Keaton hielt eine rührende Laudatio auf Regisseurin Nancy Meyers

Gala: Frau Keaton, ich habe Sie unlängst beim Dinner für "Women In Film" auf der Bühne erleben dürfen. Sie haben Ihrer besten Freundin, Regisseurin Nancy Meyers eine Liebeserklärung gemacht. Freundschaft bedeutet Ihnen offensichtlich sehr viel.

Diane Keaton: Oh ja! Nancy und ich kennen uns schon so lange. Und Sie schafft es doch tatsächlich, auch für Frauen in einem gewissen Alter noch immer romantische Rollen zu kreieren. Das rechne ich ihr sehr hoch an.

Gala: Das hört sich ja fast so an, als hätten Sie Angst davor, schon bald zum alten Eisen zu gehören?

Hört sich so an? Mit dieser Angst lebe ich jeden Tag (lacht laut). Aber im Ernst: Es ist schön, wenn man im Kino Rollen spielen darf, die mit den tatsächlichen Ängsten von Frauen in meinem Alter zu tun haben.

Gala: Angst vor Einsamkeit? Angst davor, nicht mehr geliebt zu werden?

Ja, genau diese Ängste schummeln sich immer öfter in mein Leben. Das mag sich komisch anhören - zumal ich ein Mensch bin, der sicherlich mehr Aufmerksamkeit bekommt als andere Frauen in meinem Alter, aber die Ängste sind dieselben.

Gala: In Ihrem neuen Film spielen Sie eine Mutter, die ein bisschen zu fürsorglich die Hand über ihr Kind hält. Wie ist denn eigentlich die echte Mutter Keaton?

Mit Sicherheit kein solcher Control-Freak wie im Film! Als alleinerziehende Mutter konnte ich mich allerdings sehr gut in diese Rolle hineinversetzen. Ich weiß, wie schwierig es ist, Kinder großzuziehen.

Gala: Wenn man einen Film wie "Von Frau zu Frau" macht, überlegt man dann, welche Fehler man als Mutter selbst gemacht hat?

Sie meinen, ob ich meine eigenen Erziehungsmethoden in Frage stelle? Ein bisschen schon. Ich denke oft über die Fehler nach, die ich als Mutter bisher gemacht habe. Es ist anmaßend für jeden von uns, die Rolle des Reiseführers übernehmen und all die Antworten parat haben zu wollen, die unsere Kinder verlangen. Für mich war und ist es eine der demütigsten Aufgaben meines Lebens, als Mutter durchs Leben meiner Kinder gehen zu dürfen.

Gala: Sie haben sehr viel erreicht im Leben. Würden Sie heute wieder zunächst eine Karriere ansteuern und dann die Familie gründen?

Das ist ganz schwer zu beantworten, weil ich beides sehr genieße. Intellektuell kann ich es wie folgt beantworten: Ja, ich hätte gerne früher Kinder gehabt, weil ich als Mutter nicht zu alt sein möchte. Aber dann hätte ich wahrscheinlich nicht diese große Karriere gemacht - und auf die bin ich sehr stolz.

Gala: Hätten Sie denn auch als Mutter so viele Filme gemacht?

Ich glaube schon. Ich bin davon überzeugt, dass du als Frau heute beides haben kannst, Karriere und Familie. Biologisch habe ich mich niemals unter Druck gefühlt, nun endlich Kinder zu haben.

Gala: Lassen Sie uns über Sex reden. In ihren letzten drei Filmen haben wir Sie entweder nackt oder beim Sex mit einem Mann gesehen. Wie kommt's?

Was wollen Sie denn damit andeuten? Dass Frauen in meinem Alter keinen Sex mehr haben? Das war nicht geplant. Nancy hat mich da reingequatscht. Ich war fest davon überzeugt, dass wir nie das Geld für einen Film kriegen würden, in dem zwei alternde Hollywood-Stars nackt zu sehen sind.

Gala: Sie spielen auf den Kassenschlager "Was das Herz begehrt" mit Jack Nicholson an?

Ja, genau. Und dann ist es doch passiert. Die Botschaft ist doch toll: Frauen über 40 haben sehr wohl noch ein gutes Verhältnis zu ihrem Körper. Das find ich fantastisch.

Gala: In "Von Frau zu Frau" gibt es eine Szene auf dem Sofa, in der Sie Ihre Tochter fragen, wie sich ein Orgasmus anfühlt. Glauben Sie, dass es noch immer Frauen in einem reiferen Alter gibt, die diese Erfahrung nicht gemacht haben?

Oh, mein Gott, ich hoffe doch mal nicht! Ich hoffe ganz schwer, dass jede Frau schon einmal einen Orgasmus hatte...

Gala: Wie sieht es denn bei Ihnen privat aus, reden Sie mit Ihren Freunden über solche Sachen?

Über Sex im Allgemeinen reden wir sehr gerne - nur in die Details gehen wir nicht. Das überlassen wir anderen (schmunzelt).

Gala: Warum haben Sie eigentlich nie geheiratet?

Meine Eltern waren recht traditionell, aber meine Mutter hat mich niemals wirklich angespornt zu heiraten. Ich kann mich ganz gut um mich selbst kümmern. Ich finde, jeder muss da seinen Instinkten folgen.

Gala: Würden Sie denn heute noch heiraten, wenn Sie den richtigen Mann treffen?

Warum nicht? Ich mag die Idee der Ehe - eine Verbindung mit jemandem, dem man total vertraut, mit dem man sein Leben teilen kann. Das ist eine wunderbare Idee, aber man darf es nicht erzwingen. Es kommt, wenn es kommen soll.

Gala: Eltern müssen heute ganz besonders auf ihre Kinder aufpassen. Das Internet öffnet die Kinderzimmer manchmal auch - wie in diesem Film angesprochen - für ungebetene Gäste. Machen Sie sich diesbezüglich auch Sorgen um ihre Kinder?

Ja, sicher. Und ich versuche auch, ihre Online-Aktivitäten zu kontrollieren: Kein Computer im Kinderzimmer hinter verschlossenen Türen, sondern nur in den Räumen, in denen ich auch bin. Das hilft.

Gala: Sie tun nicht so, als seien Sie 20 Jahre jünger, als Sie wirklich sind. Wie beurteilen Sie den Jugendwahn in Hollywood?

Es ist völlig egal, ob man 48 Jahre alt ist und wie 30 aussieht - man kriegt trotzdem nur noch Rollen, die für 48-Jährige gedacht sind. That's showbusiness, Baby!