Diablo Cody

"Lieber nackt als im Büro"

"Oscar"-Preisträgerin Diablo Cody verrät in ihrer freimütigen Autobiografie Details aus ihrem früheren Leben als Stripperin

Diablo Cody

Diablo Cody

sexy über den roten Teppich zu gehen, braucht sie nicht mal High Heels. Bei der letztjährigen "Oscar"-Verleihung, sie kassierte den Preis für das beste Drehbuch, flanierte Diablo in flachen Goldslippern gen Kodak Theatre - und stahl trotzdem allen die Show. Das Posen vor Publikum beherrscht die 30-Jährige eben aus dem Effeff. Denn früher jobbte sie, als Abwechslung zu ihrem eintönigen Bürodasein, im Rotlichtmilieu, tanzte an der Stange, strippte und räkelte sich hinter Glas. Ihre einschlägigen Erfahrungen mit dem ältesten Gewerbe der Welt schildert Brook Busey-Hunt - so lautet Geburtsname - in ihrer Autobiografie "Candy Girl", die jetzt unter dem Titel „Nackt“ auf Deutsch erscheint.

Bei der letztjährigen "Oscar"-Verleihung kassierte sie den Preis für das "Beste Drehbuch"

Bei der letztjährigen "Oscar"-Verleihung kassierte sie den Preis für das "Beste Drehbuch"

Sie haben es weit gebracht - von der Stripperin zur Oscar-Gewinnerin. Wie kam's?
Ach, wissen Sie, ich bin aus so ziemlich jedem Job herausgeflogen, den ich ausprobiert habe. Aber das Schreiben habe ich immer geliebt und liebe es auch heute noch. Und ich bin sehr ausdauernd, wenn ich etwas erreichen will.

"Nackt" ist ein ehrliches Buch über das Stripperinnen-Milieu. Wie sind Sie dort hineingeraten?
Diese Seite der Gesellschaft hat mich schon immer magisch angezogen. Und ich muss zugeben, dass ich es sehr genossen habe, ein Teil davon zu sein.

Normalerweise landen doch eher Mädchen aus kaputten Familien in Stripclubs...
Nein, nicht immer. Ich zum Beispiel komme aus einer guten katholischen Familie und bin sehr behütet aufgewachsen.

Dann waren Sie einfach von Ihrem Bürojob gelangweilt?
Ja, und wie. Lieber tanze ich nackt, als dass ich angezogen im Büro herumsitze.

Sie haben eine erstaunliche Karriere hinter sich: vom Bühnenstrip über Lap Dance bis hin zu Telefonsex. Alles wohl geplant?
Es steckt kein System dahinterm - es ist einfach so passiert. Ich habe immer das Nächstbeste ausgewählt. Wenn man erst einmal in diesem Job arbeitet, steht man dem Ganzen sowieso relativ gefühllos gegenüber und denkt nicht andauernd darüber nach.

"Lieber tanze ich nackt, als dass ich angezogen im Büro rumsitze"

"Lieber tanze ich nackt, als dass ich angezogen im Büro rumsitze"

Was war das Schwierigste beim Verfassen Ihrer Erinnerungen?
Viele Mädchen, die in der Sexindustrie arbeiten, haben viel mitgemacht und mir davon erzählt. Ihre Geschichten haben mich wirklich sehr mitgenommen.

Sie haben sowohl Ihre als auch das "Oscar"-Drehbuch zu "Juno" im Café geschrieben. Warum?
Ich bin sehr gern unter Menschen, wenn ich schreibe. Ich bin schon etwas exzentrisch, das gebe ich zu. In Minneapolis, wo ich zuvor gewohnt habe, habe ich auch in einem Waschsalon geschrieben. Ich konnte mir damals keine eigene Waschmaschine leisten und habe nach einem warmen Plätzchen gesucht.

Das dürfte mittlerweile ja kein Problem mehr sein. Was hat sich seit dem Oscar bei Ihnen verändert?
Oh Mann, mein ganzes Leben. Ich habe ein Skript für die TV-Show "United States of Tara" und das Drehbuch zu der Horrorkomödie "Jennifer’s Bod" geschrieben. Und ich werde in "Beverly Hills, 90210" auftreten. Dafür hätte ich alles getan, sogar ein Bärenkostüm angezogen – ich liebe diese Serie! Sie sehen: mein Leben ist wirklich aufregend.

Einen "Enthüllungsroman" nennt Diablo Cody ihre Autobiografie

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Was haben Ihre Eltern zu Ihrem rasanten Aufstieg gesagt?
Sie haben mich gerade erst wieder für fünf Tage besucht, und an Tag vier hat mein Vater endlich von meinem Oscar Notiz genommen, der im Wohnzimmer steht. Daraufhin hat er ihn erst einmal eine Weile mit sich herumgetragen - wie es übrigens die meisten Leute tun,die zu Besuch kommen.

Und wann haben Sie Ihren Eltern gebeichtet, dass Sie Stripperin waren?
Erst, als ich den Buch-Deal eingetütet hatte. Ich dachte, wenn das Buch herauskommt, wird es schwer, diesen Teil meines Lebens weiter vor ihnen zu verstecken.

Was würden Sie tun, wenn es mit dem Schreiben eines Tages nicht mehr klappte?
Dann würde ich ruck, zuck wieder auf der Bühne stehen.

Ernsthaft?
(lacht) Klar. Es war eine sehr lustige Erfahrung, das kann ich Ihnen sagen.

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