Club der roten Bänder: Luise Befort, Tim Oliver Schultz
© VOX/Martin Rottenkolber Luise Befort, Tim Oliver Schultz

Club der roten Bänder Luise Befort + Tim Oliver Schultz im Interview

Mit ihren Rollen in "Club der roten Bänder" nahmen Luise Befort und Tim Oliver Schultz schauspielerisch eine große Herausforderung an. Wie sie die Dreharbeiten erlebten, erzählen die Jungstars GALA im Interview

Tim, beschreibe uns bitte deinen Seriencharakter Leo.

Tim: Leo ist ein Kämpfer! Wie der Name schon sagt ist er ein Löwe, ein Motivator, der anderen Kraft gibt. Er ist jemand, der ziemlich gut mit verschiedenen Leuten im Krankenhaus klarkommt, auch mit den älteren. Er ist nicht Everybody’s Darling, wird aber trotzdem mit seinen Ecken und Kanten von allen gemocht. Er kämpft sich durch und realisiert am Anfang der Serie, dass es eine richtig gute Idee ist, so einen Club zu gründen und die Krankenhaus-Zeit gemeinsam mit den anderen zu überstehen. Damit hat er auch ziemlichen Erfolg.

War für dich sofort klar, dass du Leo verkörpern willst?

Tim: Ich hatte ehrlich gesagt schon ein gesundes Zögern an den Tag gelegt und mich erst gefragt, ob ich wirklich Lust habe, so lange auf eine Rolle festgeschrieben zu sein. Aber die Bücher haben einfach für sich gesprochen. Bis heute habe ich die Entscheidung auch nie bereut.

Was hat dich an der Rolle des Leos gereizt?

Tim: Die Vielfalt. Die ganzen Emotionen, die in ihm kochen. All die Situationen, die er erlebt. Er erlebt einfach so viel. Er gibt sich völlig auf, dann ist er wieder am Kämpfen und überzeugt seine Freunde, weiterzumachen. Er kämpft gegen und für alles. Diese Bandbreite hat mich anfangs ein bisschen abgeschreckt, aber auch total gereizt.

Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet?

Luise: Ihr hattet doch Profi-Training, oder?

Tim: Ja genau. Wir hatten von einem Basketballspieler, der im Rollstuhl sitzt, Training bekommen. Wir sind trotzdem ständig umgeflogen und haben ein riesengroßes Chaos am Set veranstaltet. Aber es hat super viel Spaß gemacht.

Und auf die Rolle selbst?

Tim: Da habe ich mich mit jemandem getroffen, der im gleichen Alter wie Leo an Krebs erkrankt ist und lange Zeit im Krankenhaus verbracht hat. Mit dem hatte ich lange gesprochen. Wir saßen Ewigkeiten zusammen und ich habe ihn zu allem ausgefragt – für ihn zum Teil bestimmt mit völlig blödsinnigen Fragen.

Zum Beispiel?

Tim: So belangloses Zeug: Wie ist das mit den Zimmern im Krankenhaus? Was dürft ihr da alles machen? Dürft ihr die Wände selbst streichen? Der hat mir dann total krasse Sachen erzählt. Wir sind dann durch das Krankenhaus gelaufen und ich habe ihn gefragt, wie das für ihn ist, jetzt da so langzulaufen. Der meinte dann, dass es für ihn auf eine Art wie nach Hause kommen ist. Aber auch seltsam – er hat da schließlich die schlimmste Zeit seines Lebens verbracht! Er meinte, dass er dort wahnsinnig viel Leid erfahren hat, aber mit die schönste Zeit seines Lebens da drin hatte. Das habe ich durch den Dreh dann so langsam verstanden, was das bedeutet.

Club der roten Bänder: Luise Befort verkörpert Emma, die Magersüchtige des Clubs.
© VOX/Martin RottenkolberLuise Befort verkörpert Emma, die Magersüchtige des Clubs.

Luise, wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet? Du spielst immerhin eine Magersüchtige.

Luise: Ich habe sämtliche Fachbücher durchgelesen und hatte auch Kontakt zu einer ehemaligen Magersüchtigen, die in meinem Alter war und die konnte mir all meine Fragen beantworten. Das war echt spannend. Ich habe mir auch Dokumentationen angeschaut, in denen Mädchen während der Therapie über zwei Jahre begleitet wurden.

Und körperlich, hast du viel abnehmen müssen?

Luise: Ich habe Diät gehalten, in der ich ungefähr drei bis vier Wochen keine Kohlehydrate zu mir genommen habe. Das war echt nicht einfach, aber ich habe daraus super viel gelernt. Auch, was für einen Einfluss die Ernährung auf einen hat. Ich war in der Zeit total unausgeglichen, hatte total wenig Energie und war schnell reizbar – das war schon nicht ohne!

Wie viel Kilo hast du im Endeffekt dann abgenommen?

Luise: Das waren zwei, drei Kilo. Das hört sich nach wenig an, aber ich bin schon von Natur aus sehr leicht. Da fiel das schon extrem auf.

Viele hochkarätigen Schauspieler wie Christian Bale, Matthew McConaughy, Jake Gyllenhaal haben für ihre Rollen krass abgenommen – kommt das für euch infrage, sich für eine Rolle so krass zu verändern?

Tim: Natürlich gibt es immer Grenzen. Und meistens bekommt man ja auch Profis zur Seite gestellt, die einen dabei auch begleiten. Christian Bale wurde da ja krass beaufsichtigt.

Luise: Wenn es richtig wäre für das Projekt und die Rolle mich reizen würde, auf jeden Fall.

Tim: Ich würde für eine Rolle zunehmen – auch ein kleines Bierbäuchlein anfuttern, warum nicht?! Wenn es die richtige Rolle und dafür wichtig ist …

Und was hast du dann als erstes gegessen?

Luise: Die Lasagne meiner Mutter!

Club der roten Bänder: Tim Oliver Schultz spielt Leo, den Anführer des Clubs.
© VOX/Martin RottenkolberTim Oliver Schultz spielt Leo, den Anführer des Clubs.

Tim, wie war der Moment für dich, als du dir deine Haare abrasiert hast?

Tim: Das war ziemlich hart. Ich hatte beim Casting schon gesagt, dass ich das machen würde. Da war das gar keine Überlegung und kein Problem. Es hatten sich ja auch schon viele große Schauspieler eine Glatze rasiert, das gehört ja irgendwie dazu, dass man das macht. Als es dann aber wirklich soweit war, war es ein ziemlich großes Ding für mich. Bis ich dann wirklich angesetzt habe… das hat Ewigkeiten gedauert.

Wie waren die Reaktionen auf deine Glatze?

Tim: Besser als gedacht. Es gab einige Frauen, denen das besser als vorher gefallen hat.

Luise, wie ist die Beziehung zu Leo und wie zu Jonas? Der Zuschauer fragt sich ja schon, für wen sich Emma wohl entscheiden wird.

Tim: Ja, da bin ich jetzt aber auch mal gespannt!

Luise: Das verrate ich natürlich nicht!

Tim: Was sind denn die Vorzüge von uns beiden, was uns attraktiv macht? Sag doch mal!

Luise: Jonas ist einer, der einem zuhört und immer für einen da ist. Und Leo ist eher so der Aufbrausende, der Rebell – das macht natürlich auch sehr attraktiv. Zwischen Emma und Leo gibt es immer mal wieder Streitereien, aber was sich neckt, das liebt sich ja auch… Ohne zu viel zu verraten: Emma steht wirklich zwischen zwei Fronten.

Für wen der beiden würdest du dich privat entscheiden?

Luise: Jetzt darf ich nichts Falsches sagen.

Tim: Ich halte mir auch die Ohren zu!

Luise: Ganz diplomatisch: Vielleicht für Toni? (lacht)

Schon in jungen Jahren müssen eure Charaktere viel durchmachen – hattet ihr in eurem Leben mal so einen Schicksalsschlag, der euch so geprägt hat?

Tim: Bei mir war es die erste Filmrolle, die mich geprägt hat. Ich war früher total klein, mir wurde sogar Kleinwuchs attestiert und die Ärzte haben mir gesagt, ich werde nicht größer als 1,55m. Als ich mit zwölf dann meine erste Filmrolle bekam hat sich alles verändert. Da bekam ich positives Feedback vom Regisseur, die Leute haben mir so viel zugetraut und das war damals für mich völlig neu. Ab dem Zeitpunkt bin ich dann auch gewachsen. Meine erste Rolle war ein Life Changer!

Und wie groß bist du jetzt?

Tim: 1,98m … nein, 1,79m.

Luise, hattest du mal so ein Erlebnis?

Luise: Schon einige! Die Schauspielerei hat mich natürlich positiv geprägt. Negativ: Als ich fünf Jahre alt war, hat meine Mutter Brustkrebs bekommen und der kam dann nach sechs Jahren, also als ich elf Jahre war, zurück. Das hat mit mir natürlich auch viel gemacht. Das Thema Tod hat generell schon eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Ich habe vor ein paar Jahren einen sehr guten Freund verloren und habe dadurch auch erfahren, was wahre Freundschaft ist.

Tim: Jedenfalls ist es einmalig, was die Kids im Krankenhaus miteinander erleben. Das gibt denen eine ganz große Reife und nimmt denen auch die Kindheit, weil sie in Leos und Emmas Fall mit 16 Jahren viel erwachsener sein müssen, als sie sind.

Warum glaubt ihr, hatte die Serie so einen super Quoten-Start? Warum erreicht ihr damit so viele Menschen?

Tim: Jeder kann irgendwo andocken. Die Serie lässt einfach niemanden kalt und man denkt dadurch über sein eigenes Leben und seine eigene Beziehung zum Tod nach.

Luise: Die Geschichte ist einfach total generationsübergreifend.

Club der roten Bänder: Albert Espinosa (Mitte) besucht das Set von "Club der roten Bänder"
© VOX/Martin RottenkolberAlbert Espinosa (Mitte) besucht das Set von "Club der roten Bänder"

Wie war es, als euch Albert Espinosa am Set besucht hat?

Tim: Als ich die Szene im Chemoraum gedreht habe, in der ich total im Eimer bin und sehr leide, stand er da plötzlich und hat mich umarmt. Er hat mir gesagt, ich hätte die Leo-Augen. Ich sei ein Anführer. Das war ganz krass. Auch im Nachhinein hat er in mir so viel von Leo gesehen. Völlig abgefahren! Er ist der inspirierendste Mensch, den ich je getroffen habe.

Luise: Absolut!

Tim: Er sagt so Kalendersprüche, die total nerven würden, wenn sie nicht von ihm kämen. Aber bei ihm kommt es aus tiefstem Herzen. Danach hab ich ihn noch zwei Mal getroffen und es ist unglaublich schön, mit ihm zu reden.

Luise: Und er strahlt so viel Positives aus und sprudelt vor guter Energie, die sich auf jeden überträgt. Als er in den Raum kam, war es magisch. Und er hat gesagt, dass jede einzelne Figur wirklich existiert hat.

Hat euch dieser Dreh sehr zusammengeschweißt? Seid ihr nun alle Freunde fürs Leben?

Tim: Wir sind da wahnsinnig zusammengewachsen, haben teilweise auch mit dem Team heute noch Kontakt, schreiben ständig und telefonieren miteinander.

Luise: Wir haben miteinander gelacht und geweint. Wir treffen uns ständig und es gibt ein paar Menschen aus dem Team, die ich im meinem Leben nie wieder missen möchte.

Tim: Wenn man sich vor dem Zuschauer so sehr nackig macht - das macht man als Schauspieler in solchen Szenen - und sich so emotional aufreißt, dann wächst man am Set auch als Team zusammen. Dann hat man eine Verbundenheit, eine Zusammengehörigkeit. Genauso, wie es auch in der Serie ist.

Glaubt ihr, es wird eine zweite Staffel geben?

Tim: Juhuuuu! Hmm wir wissen noch nichts.

Luise: Wir wissen noch nicht, hoffen aber natürlich. Wenn die Einschaltquoten so bleiben, sieht es auf jeden Fall gut aus.

Also – Staffel 2?

Tim: Wie gesagt, wir wissen noch nichts, aber hätten Lust, die Geschichte weiter zu erzählen.