Charlotte Gainsbourg

"Schade, dass ich kein Kind mehr bin"

Ihre Eltern sind Pop-Heilige, und auch Charlotte Gainsbourg feiert Erfolge als Schauspielerin und Sängerin. Trotzdem steckt sie voller Selbstzweifel

Charlotte Gainsbourg

Charlotte Gainsbourg

Meistens haben internationale Stars eine große Entourage an Assistenten im Schlepptau. Nicht so Charlotte Gainsbourg. Sie kommt in Begleitung ihrer Kinder, Tochter Alice, 7, und Sohn Ben, 13, ins Foyer der Berliner Volksbühne. Die beiden haben dieselben Kulleraugen wie ihre Mutter und sagen artig Guten Tag. Charlotte lächelt unsicher. "Tut mir leid, unser Mittagessen hat länger gedauert."

Sie lotst uns durch den Backstage-Bereich des Theaters in ihre Garderobe. Heute Abend wird sie in der Volksbühne mit ihrer Band auftreten. "Ich bin zum ersten Mal auf Tour. Alles ist so neu. Außerdem habe ich vor den Auftritten wahnsinniges Lampenfieber", gesteht sie. Ihre Familie hat sie zur Unterstützung dabei. Wenn es passt, reist auch ihr Lebensgefährte mit, Regisseur Yvan Attal.

Lässiges Kreativ-Paar: 2001 lernten sich Charlotte Gainsbourg und Regisseur und Schauspieler Yvan Attal, 45, bei einem Filmdreh

Lässiges Kreativ-Paar: 2001 lernten sich Charlotte Gainsbourg und Regisseur und Schauspieler Yvan Attal, 45, bei einem Filmdreh kennen. Das Paar ist nicht verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Paris.

Charlotte Gainsbourg ist die Tochter der britischen Schauspielerin Jane Birkin und des französischen Chansonniers Serge Gainsbourg ("Je t’aime ... moi non plus"). Das Leben ihres berühmten Vaters wurde gerade verfilmt, der Film kommt im Herbst ins Kino. Charlotte ist selbst längst eine gefeierte Schauspielerin und Sängerin. Dennoch ist sie im Interview scheu und fast schmerzhaft selbstkritisch.

Brauchen Sie viel oder wenig Gepäck, wenn Sie reisen?
Ich wünschte, ich könnte sagen, wenig. Aber ich neige dazu, zu viele Sachen einzupacken, die ich nicht brauche. Keine Klamotten oder so. Es sind Bücher, die ich dann doch nie lese, DVDs, die ich nie sehe, Drehbücher, die ich nie durcharbeite. Dazu ein Berg verschiedener Teesorten. Hier, die Leica-Kamera habe ich extra gekauft, aber ich komme nicht dazu, Fotos zu machen. Oft denke ich, wir müssten die Zeit besser nutzen. Mit den Kindern die Städte erkunden, Ausstellungen anschauen.

Singende Schauspieler

Diese Stars haben Musik im Blut

Überraschungsgast bei Coldplay: Chris Martin bittet plötzlich Schauspieler Michael J. Fox auf die Bühne. Gemeinsam spielen sie die Hits aus dem Film "Zurück in die Zukunft".
Im Kino ist Bruce Willis meistens dafür zuständig die Welt zu retten. Auf der Bühne beweist der Schauspieler aber auch seine musikalische Seite. Seine Platte "The Return of Bruno" beispielsweise ist mit Platin ausgezwichnet worden.
Johnny Depp ist nicht nur ein begnadeter Schauspieler, sondern auch talentierter Musiker. Gemeinsam mit Alice Cooper spielt er in der Band "Hollywood Vampires".
Mit seiner Band "Kevin Costner and Modern West" wandelt der Schauspieler auf den Spuren von Country und Rock 'n' Roll.

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Scheue Künstlerin: Charlotte Gainsbourg, 39, hat heute noch Lampenfieber, wenn sie auf die Bühne geht. Richtig wohl fühlt sie si

Scheue Künstlerin: Charlotte Gainsbourg, 39, hat heute noch Lampenfieber, wenn sie auf die Bühne geht. Richtig wohl fühlt sie sich in privaten Momenten.

Sie haben mal gesagt, dass Ihre eigene Kindheit eine wunderbare Zeit war. Was ist Ihnen bei der Erziehung Ihrer Kinder heute wichtig?
Vor allem finde ich es schade, dass ich kein Kind mehr bin. Mein Sohn und meine Tochter sagen oft zu mir, dass ich sie nicht verstehe, weil ich ein Erwachsener sei. Schrecklich. Mein Mann und ich versuchen die Dinge einfach laufen zu lassen. Obwohl in den letzten Jahren bei mir immer mehr der strengere Charakter meiner Mutter durchkommt.

Zum Beispiel?
Mein Sohn hatte jahrelang keine Lust auf den Klavierunterricht, der mir sehr am Herzen lag. Ich habe ihn gedrängt, obwohl er absolut nicht wollte. Das hat mich unglücklich gemacht. Jetzt hat er sich für die Gitarre entschieden, was okay für mich ist. Ich will, dass meine Kinder glücklich aufwachsen.

Berühmte Familie: Das Glamour-Paar Jane Birkin und Serge Gainsbourg mit ihrer gemeinsamen Tochter Charlotte im August 1971.

Berühmte Familie: Das Glamour-Paar Jane Birkin und Serge Gainsbourg mit ihrer gemeinsamen Tochter Charlotte im August 1971.

Die Indie- Ikone: Mit ihrem Singer/Songwriter-Stil ist Charlotte Gainsbourg zum Liebling der Alternativ-Pop-Szene aufgestiegen.

Die Indie- Ikone: Mit ihrem Singer/Songwriter-Stil ist Charlotte Gainsbourg zum Liebling der Alternativ-Pop-Szene aufgestiegen. Ihr aktuelles Album heißt "IRM"

Sie hatten geplant, das Haus in Paris, in dem Serge Gainsbourg lebte und in dem Sie in den Siebzigerjahren aufwuchsen, in ein Museum umzuwandeln. Warum haben Sie sich anders entschieden?
Ich habe festgestellt, dass ich doch zu sehr daran hänge. Es ist komisch, ich selber könnte in dem Haus nicht leben, aber ich kann es auch nicht verkaufen oder vermieten. Es ist noch genauso eingerichtet wie damals, und ich möchte, dass ein paar Dinge um meinen Vater ihr Geheimnis bewahren können. Er ist vor knapp 20 Jahren gestorben, aber dennoch ist das immer noch eine offene Wunde für mich. Vielleicht brauche ich noch mehr Zeit.

Was würden Sie als Ihre größte Stärke bezeichnen?
Dass ich nicht viel nachdenke. Ich folge meinem Instinkt und mache einfach, wozu ich Lust habe, ohne groß nachzudenken, was andere davon halten. Was nicht immer gut sein muss.

Sie tragen meistens Stiefel, Turnschuhe und Jeans – der typische Indie-Look. Aber dennoch wirkt alles stylish und bewusst gewählt. Wie eitel sind Sie?
Ich mag es, wenn man etwas findet, das einem steht, und dann dabei bleibt. Ich habe Kinder, ich laufe viel herum, ich sitze auf dem Boden. Also trage ich immer Jeans, Sachen, die komfortabel und einfach sind. Natürlich bin ich eitel, aber nicht extrovertiert. Ich bin keine Plastik-Schönheit. Das würde mit meinem Körper auch gar nicht gehen. Ich muss mich mit dem zufriedengeben, was ich tragen kann.

Sind Sie unzufrieden mit Ihrem Körper?
Ich habe einen kleinen Po, kleine Brüste – damit fühle ich mich noch heute nicht wohl. Es ist mir fast peinlich. Meine Mutter hat auch keinen großen Busen, aber sie hatte tolle Hüften und wirkte damals sehr feminin. Sie hatte das gewisse Etwas. Früher waren die Selbstzweifel bei mir noch schlimmer, das hat sich erst durch Nicolas geändert.

Nicolas Ghesquière? Der Modedesigner, der Sie seit vielen Jahren berät?
Ja, er hat mir geholfen, mich zu entwickeln. Bis dahin habe ich nur unscheinbare Sachen getragen, in denen mich keiner bemerkte. Durch ihn habe ich gelernt, mich weiblicher zu kleiden.

2007 kam es bei Ihnen nach einem Sturz beim Wasserski zu einer gefährlichen Gehirnblutung. Sie mussten sich operieren lassen. Achten Sie seitdem mehr auf Ihre Gesundheit?
Vor dem Unfall habe ich nie auf meinen Körper gehört. Heute mache ich mir sofort Gedanken, wenn ich nur leichte Kopfschmerzen habe. Ich lebe sehr gesund, ich trinke nicht, ich rauche nicht, ich nehme keine Drogen. Aber die Angst bleibt.

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