Charlie Sheen
© Michael Buckner/Getty Charlie Sheen

Charlie Sheen "Ich habe aus meinen Fehlern gelernt"

Charlie Sheen spricht erstmals über den Rosenkrieg mit Exfrau Denise Richards. Und zeigt sich dabei überraschend selbstkritisch. Ist der Hollywood-Rebell endlich erwachsen geworden?

Die Augen hinter einer Sonnenbrille versteckt, die Hände tief in die Taschen der Jeans vergraben. Pressetermine sind für Charlie Sheen, 41, auch nach so vielen Jahren im Showgeschäft noch eine Herausforderung. Kein Wunder: Der Schauspieler ist das, was man in Hollywood einen "Bad Boy" nennt, einen - flapsig übersetzt - "schlimmen Finger". Skandale um Drogen, Prostituierte, Alkohol und Glücksspiel: Charlie Sheen hat schon so ziemlich alles mitgemacht. Unlängst sorgte seine unschöne Scheidung von Denise Richards, 35, für Schlagzeilen. Im allerletzten Moment konnte die Eskalation des Rosenkriegs verhindert werden.

GALA: Sie haben das Leben immer genossen. Ist das heute noch so?

Sheen: Schöne Formulierung. Sie meinen doch, ob ich auch heute noch trinke, rumhure und zum Zocken in den Keller gehe, oder?

GALA: Na ja, wenn Sie es schon selbst ansprechen ...

Sheen: Nein, ich habe aus meinen Fehlern gelernt. Heute ist es für mich wichtig, ein guter Vater für meine Kinder zu sein. Mir ist es peinlich, wenn ich daran denke, was für Geschichten über mich verbreitet wurden.

GALA: Sie sind mit 41 Jahren also endlich erwachsen geworden?

Sheen: Ich hoffe es sehr. Man kann im Leben nur eine bestimmte Menge an Tiefschlägen einstecken, und man bekommt nur ein paar neue Chancen. Irgendwann ist das Kontingent einfach aufgebraucht.

GALA: Wie geht es Ihnen denn jetzt so? Die Scheidung von Denise Richards war ja nicht gerade lustig.

Sheen: Ich fühle mich großartig, ganz ehrlich. Natürlich ist es schwierig, wenn man eine Krise durchleben muss. Die Sache hätte eskalieren können, doch genau das wollten meine Ex-Frau und ich vermeiden. Wir haben gemeinsame Kinder. Die haben nicht verdient, dass sich Mama und Papa in der Öffentlichkeit streiten.

GALA: Sie haben sich also mit Denise an einen Tisch gesetzt und die Trennung sauber geregelt?

Sheen: Ja, wie disziplinierte Erwachsene. Ich habe schon viele schlimme Tage in meiner Karriere erlebt. Aber Hollywoood lehrt, dass es nichts Besseres gibt als ein Comeback.

GALA: Vor allem nach einem totalen Tiefpunkt.

Sheen: Ja, die beiden Extreme leben im Showbusiness tatsächlich nebeneinander. Ich passe da wunderbar ins Klischee.

GALA: Beruflich könnte es momentan kaum besser laufen. Sie sollen für ihre Serie "Mein cooler Onkel Charlie" 275000 Euro pro Sendung bekommen. Was macht man mit so viel Geld?

Sheen: Verzocken! (lacht) Nein, das war bloß ein Witz. Leider muss ich gestehen, dass diese Story nicht stimmt. Ich werde sehr gut bezahlt, habe auch gerade eine Gehaltserhöhung bekommen, aber nicht ganz so viel. Natürlich bin ich dankbar, dass ich trotz privater Probleme in der Vergangenheit noch immer im Showbusiness arbeiten darf.

GALA: Bereuen Sie es eigentlich manchmal, dass Sie sich für den Beruf des Schauspielers entschieden haben?

Sheen: Es ist ein zweischneidiges Schwert. Ich wusste ja, auf was ich mich da einlasse. Aber es wäre schön, wenn Prominente wenigstens bei Beerdigungen und auf dem Kinderspielplatz in Ruhe gelassen würden. Irgendwo muss auch eine Grenze gezogen werden.

GALA: Sie haben seit einiger Zeit eine neue Freundin, die Immobilienmaklerin Brooke Wolofsky. Wirken Sie deshalb so viel ausgeglichener, glücklicher?

Sheen: Sicher, mir geht es privat wieder sehr gut. Ich bin verliebt. Außerdem bin ich auf dem besten Weg, mich mit meiner Ex-Frau erneut anzufreunden. Ich vermisse es auch gar nicht, für einige Zeit mal nicht der Mittelpunkt des Medieninteresses zu sein.

GALA: Wie erklären Sie sich diese positive Wandlung?

Sheen: Einsicht, Therapie, Geduld. Man darf nicht immer nur mit dem Finger auf andere zeigen. Man muss die Verantwortung bei sich selbst suchen. Ich glaube, damit fängt es an. Das Streben, eigene Ungereimtheiten zu erkennen und auszubessern, ist wohl der Schlüssel zum Erfolg.

GALA: Vielleicht hilft es auch, dass Sie fernab von Hollywood leben, in Südkalifornien. Sind Sie gerne am Strand?

Sheen: Eigentlich nicht. Ich mag es zum Beispiel überhaupt nicht, in Shorts durch die Gegend zu laufen. Wenn ich ins Fitnessstudio gehe, dann konzentriere ich mich immer auf den Oberkörper. Meine Beine sind also recht dürr. Deshalb ziehe ich meistens lange Hosen an.

GALA: Und wie sieht es mit dem Bräunen aus?

Sheen: Da muss ich ein Geständnis ablegen. Da ich selten in der Sonne bin, lasse ich einen mobilen Bräunungs-Service zu mir nach Hause kommen. Die Eitelkeit siegt.

GALA: Sind Sie tatsächlich so eitel?

Sheen: Meine Güte, ich bin Schauspieler, das gehört bei uns zur persönlichen Grundausstattung (lacht). Immerhin habe ich durch meine Kinder gelernt, nicht mehr so egozentrisch zu sein.

GALA: Sind sie ein guter Vater?

Sheen: Ich hoffe, dass meine Kinder von mir sagen werden, dass ich immer für sie da war. Das ist mir sehr wichtig.

GALA: Sie haben mit Martin Sheen einen berühmten Vater. War es schwierig, aus seinem Schatten herauszutreten?

Sheen: Ich bin nicht sicher, ob ich das jemals schaffen werde. Mein Vater ist ein großartiger Schauspieler und ein noch besserer Mensch. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, er sagt, was er denkt. Auch mir gegenüber.

GALA: Sie meinen, dass er keine Angst hat, seinen Sohn zu kritisieren, wenn der Unfug treibt?

Sheen: Richtig. Als ich Probleme mit Alkohol hatte, war mein Vater der Erste, der mir sagte, dass ich dieses Problem sofort mit professioneller Hilfe in den Griff kriegen muss. Ich schätze und liebe ihn dafür.

GALA: In Ihrer TV-Serie sind Sie auch nach 80 Episoden noch immer der unverheiratete Single. Ironie des Schicksals?

Sheen: Sie meinen, ich hätte lieber auf meine TV-Figur hören sollen, um private Fehler zu vermeiden? Sicher, da ist was dran. Aber keiner kann behaupten, ich hätte es nicht versucht.

GALA: Wenn Sie Ihre Prioritäten im Leben auflisten müssten, wie sähen die dann aus?

Sheen: Das ist einfach: Kinder, Familie, Freunde. Es mag Sie überraschen, aber ich habe noch nicht aufgegeben. Ich glaube immer noch an eine intakte Familie. Irgendwann einmal.