Brad Pitt
© Frazer Harrison/Getty Brad Pitt

Brad Pitt "Ich hatte es nie besser als heute"

Normalerweise hält sich der Hollywood-Star eher bedeckt, wenn es um Privates geht. Doch im GALA-Gespräch schwärmt Brad Pitt von seinem Leben mit Angelina Jolie und den drei Kindern

Winter 2006, der Mann ist kaum wiederzuerkennen. Zwei turbulente Jahre haben bei Brad Pitt Spuren hinterlassen: Da war die Trennung von Ehefrau Jennifer Aniston, 37, und seine neue Liebe zu Hollywood-Kollegin Angelina Jolie, 31. Da war die Vaterrolle für die beiden Adoptivkinder Maddox, 5, und Zahara, fast 2. Und im Mai die Geburt der gemeinsamen Tochter Shiloh. Auch wenn Brad Pitt zwischendurch gestresst und überfordert aussah - die neue Verantwortung scheint ihm gut zu tun. Der 42-Jährige wirkt heute erwachsener, reflektierter. Ein Leben ohne seine Kinder könne er sich gar nicht mehr vorstellen, erzählt der Hollywood-Star im GALA-Interview. Schon jetzt freue er sich darauf, ihnen eines Tages seinen neuen Film "Babel" zu zeigen, der am 21. Dezember in die deutschen Kinos kommt. An der Seite von Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett spielt Pitt einen vom Kummer gezeichneten Ehemann, der in der Wüste Marokkos nach Linderung sucht. Viele meinen, es sei seine bislang reifste Rolle. In Hollywood, wo das Drama bereits vor einem Monat anlief, wird Brad Pitt gar für den Oscar gehandelt. Doch das scheint für den Star keine große Rolle zu spielen. "Mir sind jetzt andere Dinge wichtiger", verrät Pitt. Zum Beispiel die Familie.

GALA: Sind Sie ein guter Vater?

Brad Pitt: Meinen Kindern etwas beizubringen, ihnen ein Vorbild zu sein, steht für mich an erster Stelle. Es gibt nichts Wichtigeres als die Familie.

GALA: Wie hat sich Ihr Leben durch die Kinder verändert?

Pitt: Ich kann mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Das ist alles, was ich dazu sagen kann. Ich kann nicht ohne sie leben.

GALA: "Babel" gibt vielen Talenten eine Chance.

Pitt: Es sind Schauspieler aus Japan und Mexiko und Laiendarsteller aus Marokko zu sehen. Viele der Darsteller in Marokko kamen aus dem Dorf, in dem wir drehten. Sie haben das Schauspielern richtig schnell gelernt. Natürlich hat es meine Leistung ein wenig geschmälert, zu sehen, dass sie ihre Rollen so authentisch spielen konnten, ohne vorher geübt zu haben. Als ich mir den Film angeschaut habe, fiel es mir schwer, zu unterscheiden, wer ein erfahrener Schauspieler und wer zum ersten Mal dabei war.

GALA: Ist es Ihnen recht, nicht allein die Hauptrolle zu spielen?

Pitt: Ja. Teil eines Teams zu sein bringt immer mehr Spaß. Dann ist man nicht allein für das Ergebnis verantwortlich.

GALA: Können Sie Liebe definieren?

Pitt: Der Begriff von Liebe ändert sich, wenn man älter wird. Als ich 13 Jahre alt war, hatte ich meine erste Freundin. Ich dachte, dass ich in sie verliebt sei. Erst heute verstehe ich, worauf es ankommt. Und je besser ich die Frau, die ich liebe, kenne, desto mehr verstehe ich auch, was ihr wichtig ist und was für uns als Team zählt. Ich hatte es nie besser, war nie glücklicher als heute. Damit das so bleibt, sollte man in der Liebe jedoch immer kreativ sein.

GALA: Worauf kommt es außerdem in einer Beziehung an?

Pitt: Ich finde nicht, dass zwei Personen zu einer verschmelzen müssen. Sie sollten immer starke, unabhängige Menschen bleiben.

So wie er und Angelina Jolie. Die Schauspielerin ist verantwortlich für Pitts Wandel. Durch sie, sagt er, habe er nicht nur einen neuen Begriff von Liebe gewonnen, sondern auch ein geschärftes soziales Bewusstsein. Er begleitete die Unicef-Aktivistin zu humanitären Einsätzen nach Kenia, Pakistan, Haiti, Namibia und ins Schweizer Davos. Von Anfang Oktober bis Ende November hielt sich die Familie in Indien auf. Hier drehte das Paar "A Mighty Heart", einen Polit-Thriller nach den Memoiren von Mariane Pearl, der Witwe des in Pakistan ermordeten Journalisten Daniel Pearl. Drehfreie Tage nutzten Brad, Angelina und die Kids zum Sightseeing und für Abstecher nach Vietnam und Kambodscha, dem Geburtsland von Adoptivsohn Maddox.

GALA: Sie wirken in letzter Zeit sehr rastlos, sind ständig mit Ihrer Familie unterwegs.

Pitt: Ich liebe das Abenteuer. Es ist toll, Filme an abgeschiedenen Orten zu drehen. Ein Land so hautnah zu erleben ist ein großes Privileg. Das ist genau mein Ding. Ich bin ein Weltbürger geworden.

GALA: Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Rollen aus?

Pitt: Ich möchte mich als Schauspieler ständig weiterentwickeln, mein Repertoire erweitern. Mir kommt es auf die Rollen an, nicht auf mein Image. Die Schauspielerei ist mit viel Arbeit verbunden. Wenn man so viel Zeit in etwas investiert, sollte es einem auch etwas bedeuten. Mir ist es wichtig, gute Filme zu machen.

GALA: War das früher anders?

Pitt: Seit ich Vater bin, hat sich die Sichtweise geändert, mit der ich meine Rollen auswähle. Ich überlege mir jetzt: "Was denken meine Kinder darüber?" Ich bin reifer geworden. Ich freue mich schon auf den Zeitpunkt, wenn sie sich "Babel" ansehen werden. Ich bin stolz auf den Film.

Darin spielt Brad Pitt ausnahmsweise mal keine schillernde Rolle, sondern einen braven Ehemann. Wie schon in Filmen wie "Fight Club", "Snatch" oder "12 Monkeys" beweist der Star, dass er sich nicht das Image des coolen Frauenhelden aufzwängen lässt, sondern bemüht ist, interessante, ungewöhnliche Rollen zu übernehmen. Pitt versucht heute, ein Gleichgewicht zu schaffen zwischen unterhaltsamen und anspruchsvollen Filmen. Mit "Ocean's Thirteen" und "Babel" ist ihm das gelungen.

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