August Diehl
© PR August Diehl

August Diehl "Wir leben in einer Mozartkugel"

Angst vor der Zukunft hat August Diehl nicht, darüber nachdenken tut er trotzdem. Nicht zuletzt wegen seines neuen Films "Die kommenden Tage"

"Die kommenden Tage" zeigt ein Europa

in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft: Die Ölfelder sind nahezu versiegt, die Welt gerät ins Wanken. Konstantin, gespielt von August Diehl, ist einer der Aufständigen, der sich gegen die korrupte Gesellschaftsordung auflehnt. Allerdings nicht friedlich, sondern mit Gewalt. Im Interview mit Gala.de spricht der Darsteller über seine Rolle als Öko-Terrorist und warum das düstere Film-Szenario auch eine positive Aussage hat.

Zu Beginn des Films orgsnisiert Konstantin (August Diehl) einen Flashmob, später greift er zu radikaleren Mitteln.
© PRZu Beginn des Films organisiert Konstantin (August Diehl) einen Flashmob, später greift er zu radikaleren Mitteln.

Der Film wird als Near-Future-Drama beschrieben. Denken Sie, dass im Film die nahe Zukunft gezeigt wird?

Es ist eher ein Film über unsere Gegenwart, auch wenn er in der nahen Zukunft spielt. Er zeigt ein Europa, dass so aussieht, wie Teile der restlichen Welt heute schon aussehen. Es ist schon komisch, in was für einer Mozartkugel wir hier leben. Wenn man außerhalb von Europa war und dann zurückkommt, fragt man sich ja auch oft, wo die ganzen Menschen sind und warum jeder ein Auto hat. Wahrscheinlich wird auch Europa irgendwann zusammenbrechen.

Hat der Film Sie dazu bewegt, bewusst etwas in Ihrem Leben für Ihre eigene Zukunft zu verändern?

Das Thema hat mich schon lange beschäftigt. Daher hat mich nicht der Film zum Nachdenken angeregt hat, sondern ich habe diesem Projekt zugesagt, weil mich diese Dinge schon lange bewegen. Im Zuge der Vorbereitungen habe ich viel gelesen. Es gibt ja jede Menge intelligente Köpfe, die einem bewusst machen, dass die ganze Zivilisation auf Gewalt basiert. Man muss nicht mal sonderlich wach sein, um zu verstehen, dass unser Wohlstand und unsere Lebensqualität nur deswegen so ist, weil Milliarden anderer Menschen diese Lebensqualität nicht haben. Das nenne ich Terror! Dann gibt es Leute, die sich dagegen wehren - auch zunehmend aus unserer Bevölkerungsschicht - und die werden dann Terroristen genannt. Das ist eine seltsame Sache!

Am Anfang des Films beteiligt sich Ihre Filmfigur Konstantin an einem Flashmob. Sind Sie privat schon einmal auf die Straße gegangen, um zu demonstrieren?

Ich bin schon ein paar Mal mitmarschiert, aber ich fühle mich in großen Menschenmassen nicht so wohl und auch unehrlich. Ich bin immer misstrauisch, wenn viele Menschen einer Meinung sind. Ich mag es, solche Figuren zu spielen, aber ich bin niemand, der in großen Kampagnen mitwirken könnte oder sich irgendwo mit vielen Menschen hinstellt.

Können Sie verstehen, was einen antreibt, gewaltsam gegen die Gesellschaftsordung vorzugehen?

Das kann ich sehr gut verstehen. Letzlich ist jeder Mensch zu Gewalt bereit - die Frage ist immer nur, wie stark wir uns bedroht fühlen.

Der Film zeigt eine düstere Zukunft. Gibt es auch Dinge, auf die Sie sich in den nächsten zehn Jahren freuen?

Ja, auf meine Tochter! Letzlich glaube ich aber, dass wir uns viel zu sehr mit der Vergangenheit und mit der Zukunft beschäftigen und in der Gegenwart gar nicht richtig da sind. Letzlich ist die Zukunft nur ein Produkt von dem, wie wir uns heute verhalten. Genau wie die Welt, in der wir leben, ein Produkt unserer Eltern ist.

Hat der Film für Sie auch eine positive Aussage?

Meiner Meinung überwiegt das Positive im Film. Wir sehen vier Menschen, die nicht aufgegeben haben, an eine gute Welt zu glauben. Die Katastrophe wird erst passieren, wenn es diese Leute nicht mehr gibt. Deswegen sehen wir vier Desperados, die versuchen, die Welt zu retten. Da kann die ganze Welt zu Bruch gehen, solange es solche Menschen gibt, ist alles gut!

Wie finden Sie den Film persönlich?

Ich mag den Film, und das sage ich jetzt nicht, weil ich es sagen muss. Ich mag Filme, deren Aussagen eher nach Suche als nach Antwort klingen und die versuchen, etwas zu bewegen. Der Film gibt mir das Gefühl, das man hat, wenn man mit interessanten Leuten ein Gespräch ohne klar definierten Ausgang hatte und dieses gerne weiterführen würde.