Anthony Hopkins
© Wireimage.com Anthony Hopkins

Anthony Hopkins Mörderisch gut

Er ist rückfällig geworden: Oscar-Preisträger Sir Anthony Hopkins wird auch in seinem neuen Film zum Killer. Worauf man sich wirklich freuen kann

Der Mann kann einem schon Angst machen. Er galt jahrelang als einer der kauzigsten Typen von Hollywood und tritt darüber hinaus genauso auf, wie man ihn aus seiner Paraderolle als eleganter Killer Dr. Hannibal Lecter kennt: Im cremefarbenen Anzug und mit Hut spaziert Anthony Hopkins in das "Four Seasons" in Beverly Hills. Doch wenn man mit dem gebürtigen Waliser ins Gespräch kommt, verliert sich jede Beklommenheit. Der 69-Jährige ist ein charmanter und aufgeschlossener Interview-Partner. Kaum ist der Tee serviert, plaudert Sir Anthony munter los - über Liebe, Kunst und das Altern in der Filmindustrie.

Anthony Hopkins: Oh Kekse! Darf ich mal zugreifen?

Gala: Selbstverständlich.

Erzählen Sie das aber bitte nicht meiner Frau. Sie versteckt zu Hause immer die Süßigkeiten. Ich frage dann immer: "Schatz, haben wir irgendwo Kekse?" Und sie schüttelt den Kopf. Natürlich weiß ich, dass sie lügt ... Sie behandelt mich ein bisschen wie einen Alkoholiker, der vom Suff loskommen will (lacht laut und beißt genüsslich in einen Schoko-Keks).

Gala: Sie wirken so ruhig und entspannt. Wie ein Mann, der dort angekommen ist, wo er immer hin wollte. Oder täuscht dieser Eindruck?

Nein, überhaupt nicht. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen, ich suche mir in meinem Job einfach die Rosinen raus, und ich genieße die Zeit, die mir noch bleibt. Es ist eine wunderbare Reise, die ich erleben darf. Ich fühle mich großartig und hoffe, dass es noch lange so weitergeht.

Gala: Denken Sie eigentlich ab und zu darüber nach, einfach aufzuhören?

Ja, sogar sehr oft. Und immer, wenn ich bereit bin, "Ja" zum Ruhestand zu sagen, kommt ein Regisseur mit einem guten Skript auf mich zu. Es ist wie verhext, sie lassen mich einfach nicht in Ruhe abtreten.

Gala: Haben Sie rückblickend eine rationale Erklärung für Ihre wirklich außergewöhnliche Karriere?

Im Alter blicke ich immer öfter zurück. Und ich komme immer wieder mit derselben Erklärung: ein bisschen Talent und sehr viel Glück. Ich war niemals ein guter Schüler, sondern eher rebellisch. Heute glaube ich, dass zuviel Planung im Leben nicht gut ist. Du musst dich ein bisschen treiben lassen, dann findest du schon dein Glück. Das ist meine Lebensphilosophie.

Gala: Sie sind als Hannibal Lecter zur Legende geworden. In Ihrem neuen Film "Das perfekte Verbrechen" spielen Sie nun nach langer Zeit erneut einen Killer, den man irgendwie gernhaben muss. Sie haben ein Faible für liebenswerte Bösewichte, oder?

Stimmt, das Skript hat mich schon ein bisschen an "Das Schweigen der Lämmer" erinnert. Aber meine Motivation für eine gute Rolle hängt, und da werde ich Sie jetzt vielleicht enttäuschen, an einem viel banaleren Motiv.

Gala: Nämlich?

Geld. Wenn die Kohle stimmt, dann ist der alte Mann an Bord (lacht laut).

Gala: Verraten Sie uns auch das Geheimnis für einen erfolgreichen Thriller?

Ein Krimi ist immer ein bisschen wie ein Schachspiel: Zwei Protagonisten spielen einander aus. Beide glauben, dass sie am Zug sind und dass sie gewinnen. Das Publikum schaut zu und bildet sich eine eigene Meinung. Die Spannung steigt ins Unermessliche. Und dann: der Höhepunkt. Der kann durchaus ganz leise sein, das ziehe ich persönlich sogar vor. Kein großes Bang-Bang-Finale. Vielmehr ein leiser Schock, ein unerwartetes Ende. Das macht für mich einen guten Thriller aus.

Gala: Ihre Figur in "Das perfekte Verbrechen" ist sehr smart. Haben Sie schon einmal jemanden getroffen, der vielleicht ein bisschen schlauer war als gut für ihn war?

Oh ja, sicher. Ich hatte mal mit einem Theaterdirektor in England zu tun, der sich für so smart hielt, dass keiner mehr mit ihm arbeiten wollte. Du triffst immer mal wieder Menschen im Leben, die glauben, dass sie perfekt sind. Aber ich bin jemand, der Arroganz überhaupt nicht schätzt.

Gala: Und wie geht es Ihnen dabei mit den Amerikanern? Sie sind in Wales geboren, leben seit langem in Los Angeles und sind vor vier Jahren US-Staatsbürger geworden.

Ich liebe Los Angeles. Vor allem, weil das Wetter einfach nicht zu schlagen ist. Meine Freunde aus England sagen auch immer: "Wie kannst du nur in Amerika leben? Das Land ist doch so unkultiviert." Tja, die Antwort ist: Ich bin begeisterter Hobbygärtner und hier in L.A. wächst einfach alles das ganze Jahr über. Das finde ich großartig. Ich kann den ganzen Tag im Boden herumwühlen.

Gala: Sie besitzen auch noch eine kleine Farm in Idaho.

Meine Frau rettet gequälte Tiere. Die Farm ist ein guter Ort, an dem sich die kleinen Racker erholen können. Und ich bin ein großer Naturfreund.

Gala: Und tragen zum Umweltschutz bei, immerhin sind Sie bekannt dafür, dass Sie ein Hybrid-Auto besitzen ...

Ich fahre sehr gern Auto, aber ich bin kein Rennfahrer. Deshalb passt der Hybrid auch gut zu mir, damit kann ich in aller Ruhe durch die Gegend kutschieren. Wenn ich dabei auch noch der Umwelt etwas helfen kann, warum denn nicht?

Gala: Die Natur ist für Sie aber nur eine Ihrer vielen Leidenschaften. Sie sind auch ein begeisterter Hobby-Künstler. Kommen Sie überhaupt noch zum Malen?

Oh, mittlerweile wieder sehr oft. Meist in Öl. Einige meiner Motive sind schon verkauft worden. Das hat mich mächtig stolz gemacht und meinen Ehrgeiz angestachelt. Ich bevorzuge Landschaften, und komischerweise ist es immer die Farbe Rot, die meine Bilder dominiert.

Gala: Und was ist dran an den Gerüchten, dass Sie auch Musik schreiben?

Das sind keine Gerüchte. Ich spiele ja selbst Klavier und ich komponiere tatsächlich. Im vergangenen Jahr wurden einige meiner Stücke sogar in einem Konzert in San Antonio gespielt.

Gala: Sieht ganz so aus, als würde alles, was Sie anfassen, auch gelingen.

Nun, das ist vielleicht doch ein wenig übertrieben. Ich habe auch schon viele Fehler in meinem Leben gemacht. Fragen Sie mal meine Ex-Frauen.