Annette Bening
© Getty Annette Bening

Annette Bening "Ich stehe zu meinen Fehlern"

Die 48-Jährige hat in Hollywood viel erreicht: Eine beständige Ehe mit Warren Beatty, 69, und neben dem Familienleben immer noch spannende Filmprojekte - wie die Satire "Krass", die gerade ins Kino kommt

Die Hände wirken zart und geschmeidig. Im Gesicht zeichnen sich leichte Linien ab - Erinnerungen an ein erfülltes Filmstar-Leben ohne Schönheitsoperationen. Annette Bening ist auch mit 48 Jahren noch immer eine atemberaubend schöne Frau. Eine, die es geschafft hat, Hollywoods größten Playboy zu zähmen: Seit 15 Jahren ist sie mit Warren Beatty, 69, glücklich, gemeinsam hat das Paar vier Kinder. Für Annette Bening auch der Grund, weshalb ihr Privatleben immer den Vorrang vor der Karriere hatte. Nun kommt die Schwägerin von Shirley MacLaine mit "Krass", einer hämischen Familiensatire, zurück ins Kino. GALA traf Mrs Bening im "Four Seasons" in Los Angeles, um mit ihr über ihr Glück als Ehefrau und Mutter und über die Angst vorm Älterwerden zu sprechen.

GALA: In "Krass" spielen Sie eine manisch-depressive Schriftstellerin. Haben Sie im wirklichen Leben schon einmal unter Depressionen gelitten?

Annette Bening: Das fängt ja gut an. Sie wollen wissen, ob ich depressiv bin? (lacht) Es gibt im Leben doch unterschiedliche Depressionen. Da sind die "Heute fühle ich mich einfach schlapp"-Depressionen. Die habe ich sicherlich schon häufig erlebt. Aber wer kennt die nicht? Von einer klinischen Depression bin ich zum Glück bisher verschont geblieben.

GALA: Stimmen Sie mit Kollegen wie Tom Cruise überein, dass Depressionen nicht medikamentös behandelt werden sollten?

Annette Bening: Nein, ich denke, Medizin ist in solchen Fällen sehr wichtig. Gute psychiatrische Behandlung ist ein Muss.

GALA: Sie sind bekannt dafür, dass Sie kein Blatt vor den Mund nehmen. Warum trauen sich so viele Schauspieler in Hollywood nicht, ihre Meinung zu äußern?

Annette Bening: Das liegt doch in der Natur des Geschäfts. Hollywood mag es nicht, wenn Schauspieler zu politischen Aktivisten mutieren. Damit bietet man zu viel Angriffsfläche. Ich bin schon lange im Business. Und ich habe noch ein Leben, dass sich außerhalb der Filmstudios bewegt.

GALA: Apropos: Wie schaffen Sie es, Mutter von vier Kindern und trotzdem erfolgreich zu sein?

Annette Bening: Das ist nicht immer leicht. Doch ich habe vor einiger Zeit die Entscheidung getroffen, dass meine Familie an erster Stelle steht. Ich möchte sehen, wie meine Kids aufwachsen, möchte ihnen zur Seite stehen. Eigentlich ein ganz natürlicher Mutterwunsch.

GALA: Aber normalerweise müssen häufig beide Elternteile arbeiten, um das nötige Geld nach Hause zu bringen.

Annette Bening: Ich weiß, dass ich mich sehr glücklich schätzen kann. Und ich weiß auch, dass Millionen anderer Mütter jeden Tag zur Arbeit gehen müssen, um ihre Familie zu unterstützen. Aber ich bin keine von diesen Hollywood- Müttern, die ihre Kinder früh morgens bei der Nanny abliefern, um sich einen schönen Tag zu machen.

GALA: Sind Sie eine strenge Mutter?

Annette Bening: Ich bin mit Sicherheit eine, die Regeln im Haushalt aufstellt. Ich bin fest davon überzeugt, dass Kinder Menschen brauchen, die ihnen eine gewisse Richtung geben. Die Welt ist verrückt genug.

GALA: Drehen Sie deshalb heute nicht mehr so viel?

Annette Bening: Genau. Als Mutter habe ich ja schon einen Fulltime-Job, der mich total ausfüllt.

GALA: Könnten Sie ohne Hollywood leben?

Annette Bening: Natürlich. Finanziell sind wir so gut abgesichert, dass ich nicht mehr arbeiten muss. Aber es macht mir noch immer Spaß, vor der Kamera zu stehen. Es ist ein schöner Ausgleich. Und es gibt mir das Gefühl, ein produktives Mitglied der Gesellschaft zu sein.

GALA: Haben Sie dieses Gefühl als Mutter nicht?

Annette Bening: Doch, ich schon. Aber unsere Welt erkennt es leider immer noch nicht an, dass Mütter eine Arbeit leisten, die eigentlich bezahlt werden müsste.

GALA: Haben Sie nicht manchmal Angst, dass Sie in Vergessenheit geraten, weil sie nur noch selten auf der Leinwand zu sehen sind?

Annette Bening: Das ist ein wunder Punkt, über den wohl jeder Schauspieler nachdenkt. Man muss im Gespräch bleiben, keine Frage. Meine persönliche Eitelkeit spielt da sicherlich auch eine Rolle. Klar freue ich mich, wenn Menschen mich erkennen.

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