Anke Engelke
© Getty Images Anke Engelke

Anke Engelke "Alles muss sich mit Nemo messen"

Den Doktorfisch "Dorie" hat Anke Engelke schon vor zehn Jahren gesprochen. Jetzt kommt "Findet Nemo" in 3D in die Kinos. Gala.de erzählt die Schauspielerin, warum "Nemo" sie nicht mehr losgelassen hat

Anke Engelke ist aus dem deutschen Showbusiness nicht mehr wegzudenken. Sie ist Komikerin, Schauspielerin, Entertainerin, Synchronsprecherin, Moderatorin und Musikerin. Schon als Elfjährige sang sie mit ihrem Schulchor in der ZDF-Reihe "Sing mit Heino". Es folgte ein Duett mit Udo Jürgens. Heute ist sie beliebt für ihre schrille Art und dafür, dass sie nicht auf den Mund gefallen ist. Wer erinnert sich nicht an den Satz "Es ist gut, eine Wahl zu haben", den sie beim Verkünden der Ergebnisse für den "Eurovision Song Contest" in Aserbaidschan, live in die Kamera sagte? In die Herzen der Kinder sprach sich Anke als "Dorie" in "Findet Nemo", der jetzt noch einmal in einer 3d-Fassung ins Kino kommt. Viel zu besprechen mit Frau Engelke ...

Am 14. Februar moderieren Sie den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest und "Findet Nemo" kommt in die Kinos. Sollen die Zuschauer lieber ins Kino gehen oder vor dem Fernseher sitzen?

Der Film läuft einem nicht weg. Je früher man reingeht, desto besser. Aber ESC zu gucken ist Pflicht. Obwohl man das ja kombinieren kann, so ein Tag hat viele Stunden. Und da es ein Film ist, der Kindern und Erwachsenen Spaß macht, geht man einfach am Nachmittag rein.

Warum ist ESC Pflicht?

Für mich auf jeden Fall, ich bin Fan. Im Laufe der letzten Jahre ist das ein qualitativ hochwertiges Programm geworden, eine gute Veranstaltung, die man sich ruhig anschauen kann.

Würden Sie dann nicht vielleicht lieber auch gucken, anstatt zu moderieren?

Nö, es ist doch schön mittendrin zu sein. Zudem habe ich einen Beruf, den ich ganz gerne ausübe.

Anke Engelke: Findet Nemo
© PR/DisneyFindet Nemo

Und zu ihrem Beruf gehört auch die Synchronisation. Die "Dorie" in "Findet Nemo" haben Sie schon 2003 gesprochen. Können Sie sich eigentlich noch erinnern, wie das war?

Na klar, solch intensive Erfahrungen bleiben hängen. Ich habe nur gute Erinnerungen daran, auch wenn das Synchronisieren die anstrengendste, anspruchsvollste Disziplin innerhalb der Schauspielerei ist. Ich mache das zwar schon sehr lange, aber "Nemo" war ein Höhepunkt der letzten Jahrzehnte. Alles, was ich seitdem mache, misst sich an dem Film. Vorher habe ich nichts erlebt, was so intensiv und beglückend war und danach eigentlich auch nicht.

Was genau war intensiv und beglückend?

"Nemo" ist nicht nur ein Animationsfilm. Da liegen eine Idee, Philosophie und ein Drehbuch zugrunde, mit denen man auch gern gearbeitet hätte, wenn es ein Realfilm wäre. Die Figurenzeichnungen sind so präzise, die Handlungsstränge klasse verbunden, die einzelnen Episoden so stimmig, dass wir auch heute noch Drehbücher, die uns angeboten werden, an "Nemo" messen. Christian Tramitz, der Nemos Vater Marlin spricht, geht's genauso. Wir fragen uns dann immer: Wo ist da das aktuelle Problem? Wie bei Nemo, der alleinerziehende Vater oder der Halbwaise. Wo sind die brillanten Dialoge? Wo ist der Witz? Humor ist und bleibt einfach schwierig in Film und Fernsehen. Insofern ist "Nemo" ein beglückendes Projekt.

Sie haben gesagt, sie hatten Schiss "Dorie" zu sprechen, weil das Ellen DeGeneres im Original so toll gemacht hat. Wäre das mit Ihrer Erfahrung mittlerweile anders?

Ich habe immer Schiss, weil ich soviel Respekt vor der Arbeit anderer habe. Mit dem Synchronisieren habe ich ja schon als Elfjährige angefangen und kleine Rollen in verschiedenen Kinderserien gesprochen. Der Respekt und der Schiss sind immer geblieben. Schon einige Jahre zuvor habe ich in Disneys "Tarzan" die "Jane" gesprochen, im Original war's Minnie Driver und die hat auch vorgelegt. Da muss man sich erst mal heranwagen. Man verbeugt sich kurz und fängt mit der Arbeit an.

Warten Sie eigentlich auch auf "Findet Nemo 2", so wie Ellen DeGeneres, die sich in ihrer Fernsehshow darüber lustig macht, dass jetzt der Film in 3D kommt, aber immer noch keine Fortsetzung?

Ja klar, wir sind - ohne uns abgesprochen zu haben - einer Meinung. Christian und ich haben auch schon überlegt, dass es doch toll wäre, wenn Marlin und Dorie ein Paar werden und ein Kind adoptieren. Aber noch fehlt die Geschichte und die muss stimmen. Da will man denen auch nicht dazwischenfunken und sagen: Nun macht!

Anke Engelke: Findet Nemo
© PR/DisneyFindet Nemo

Stimmt es, dass Christian Tramitz und Sie anfangs gemeinsam im Synchronstudio waren und dann nicht mehr zusammen aufnehmen durften, weil sie so albern waren?

Da ist was dran. Wir kennen uns schon so lange und ergänzen uns im Humor sehr gut. Abgesehen davon ist es technisch nicht immer ratsam, zu zweit im Studio zu stehen. Wenn einer in einem Take nicht synchron war oder sich verhaspelt hat, müssten es beide noch mal machen. Das ist auf Dauer nicht effektiv. Meine Simpsons mache ich auch alleine. Bei der "Tarzan"-Premiere gab's den schönen Effekt, dass ich auf dem roten Teppich zum ersten Mal den Kollegen getroffen habe, der Tarzan synchronisiert hat, weil wir uns vorher gar nicht gesehen, aber ganz intensive Szenen miteinander gespielt haben. Das ist manchmal etwas grotesk.

In diesem Jahr haben Sie wieder bei der Berlinale moderiert. Im Vergangenen waren Sie auch als Reporterin unterwegs. Wie sind Sie als Schauspielerin an diesen Job herangegangen?

Gute Frage, ich stecke ja im Dilemma zwischen Kollegentalk und Journalistengespräch. Es bringt nichts, nur auf Kollegenniveau Gespräche zu führen, da schließt man alle anderen aus. Eine Rolle zu spielen, finde ich auch falsch, das wäre verlogen und nur journalistisch zu arbeiten, ist auch verkehrt, weil man die Unterhaltung nicht vernachlässigen sollte. Wenn man Menschen fürs Kino und Filme begeistern möchte, muss man sie auch erreichen.