Andreas Gabalier im Gala-Interview

"Die Mädels haben immer Freude mit mir"

Andreas Gabalier wurde mit strammen Waden und Elvis-Tolle zum Frauenschwarm. In GALA verrät der "Volks-Rock'n'Roller", was seine Freundin dazu sagt, wie er nach seinen Shows entspannt – und ob er auch privat Leder trägt

Andreas Gabalier

Er steht für handfestes Entertainment, für Songs wie "I sing a Liad für di", die jeder sofort mitgrölen kann. So füllt der gebürtige Kärntner , 32, die größten Stadien. Jetzt schlägt er bei "MTV Unplugged" leise Töne an. Für viele eine Überraschung. Für ihn die Erfüllung eines Kindheitstraums.

Beim GALA-Interview im Hamburger "East"-Hotel überrascht er gleich zu Beginn mit seiner Bestellung: Er lässt sich eine große Auswahl Sushi bringen. Dabei hatte er uns erst beim vorigen Treffen erzählt, wie sehr er saftige Steaks mag. Überhaupt ist Gabalier ein Mann der Gegensätze, wie sich immer mehr herausstellt. Laut auf der Bühne, aber still, wenn es ihm mal nicht gut geht. Er liebt seine Art, Musik zu machen, und ist gleichzeitig Opern-Fan. Mit den Kumpels brettert er auf dem Motorrad durch Europa – mit seiner Freundin , 34, fährt er regelmäßig nach Venedig.

Ein Romantiker muss man ja trotzdem nicht sein.

Waren Sie eigentlich schon als Kind eine Rampensau?

Ich bin eigentlich ein sehr ruhiger Mensch. Wahrscheinlich kommt das durch meine diversen Sportarten – Football, Wrestling oder Eishockey, das ich seit 26 Jahren spiele. Da war ich schon immer wild unterwegs. Dadurch ruhe ich die restlichen 20 Stunden am Tag komplett in mir. Und zur nötigen Zeit lasse ich dann wieder die Sau raus.

Mit Silvia Schneider, einer österreichischen TV-Moderatorin, ist Andreas Gabalier seit 2013 liiert. Die beiden führen eine Fernbeziehung: Sie lebt in Linz, er in Graz

Mit Silvia Schneider, einer österreichischen TV-Moderatorin, ist Andreas Gabalier seit 2013 liiert. Die beiden führen eine Fernbeziehung: Sie lebt in Linz, er in Graz

Was für ein Typ waren Sie in der Schule?

Ich habe ums Überleben gekämpft. Ich bin total gern in die Schule gegangen – und dann auch wieder nach Hause. (lacht) Sprachen haben mich schon immer interessiert: Italienisch, Latein, Französisch. Englisch sowieso. Das ist bis heute geblieben. Für Mathe und Rechnungswesen habe ich eher nur das Nötigste getan.

Waren Sie vorlaut?

Ich war nicht der Bravste, die Betragensnoten waren nicht immer die besten. Das hat schon in der Grundschule angefangen: Wir haben so gern gerauft und gecatcht im Hof. In den Neunzigern gab es bei uns einen Wrestling-Hype.

Wann waren Sie zum ersten Mal verliebt?

Mit acht habe ich den ersten Brief bekommen. "Willst du mit mir gehen? Nein, Ja, Weiß nicht, Hab Angst, Vielleicht." Damals habe ich auch das erste Busserl von der Marion bekommen. Auf die Wange.

Welche Antwort haben Sie denn in dem Brief angekreuzt?

"Vielleicht." (grinst) Das war übrigens die Nichte einer Nachbarin, die war so einmal im Monat nach der Schule bei uns. Am Balkongeländer haben wir dann zusammen Schokoküsse gegessen. Mein erstes Liebesabenteuer.

Was ist der Unterschied zwischen dem dem Bühnenmensch Andreas Gabalier und dem Privatmensch Andi?

Ich bin nicht wirklich verstellt, wenn ich unterwegs bin. Klar bin ich auf der Bühne etwas aufgedrehter als daheim. Wenn ich weiß, dass 70.000 Menschen auf mich warten, gehe ich schon drei Tage vorher mit einem Grinsen ins Bett. Ich brauche relativ viel Zeit für mich. Wenn ich drei Wochen lang im Studio war, möchte ich danach zu Hause sein. Da brauche ich dann niemanden. Ich schlafe den ganzen Tag und gehe vielleicht auf den Berg, bis mir die Füße abbrechen. Würde ich das nicht machen, wäre ich vielleicht griesgrämig.

An wen wenden Sie sich, wenn es Ihnen mal nicht gut geht?

An mich. Ich fresse es eher in mich hinein und gehe auf den Berg. Da komme ich runter.

Teilen Sie sich danach mit?

Vielleicht meinem besten Freund oder meinem Bruder, auf ein Bier. Aber seit dem Tod meiner Schwester vor sechs Jahren hat es nichts mehr gegeben, das mich aus der Bahn geworfen hätte.

Und wenn Sie in Ihrer Beziehung etwas ärgert, sagen Sie das dann ganz offen?

Da hat es noch nie etwas gegeben. Wir sehen uns zu wenig, um uns in die Haare zu kriegen. Die Silvia nimmt mich, wie ich bin, akzeptiert, dass ich mir hin und wieder die Nächte um die Ohren schlage mit meinen Jungs. Sie sagt: "Du brauchst das, mach das!" Wir waren noch nie ungut zueinander oder hätten einen Punkt gehabt, über den wir wirklich diskutiert hätten, weil wir zweierlei Meinung gewesen wären.

Wird Ihre Freundin manchmal eifersüchtig?

Ich glaube nicht. Dass es nicht immer leicht ist für ein Mädchen, wenn die Fans mir die Unterwäsche auf die Bühne werfen, verstehe ich. Wenn sie mal bei den Konzerten ist wie neulich in Schladming, ist das sicher hart für sie bei den Aftershowpartys. Da stellt sie sich dann lieber in eine andere Ecke mit ihren Freundinnen.

Andreas Gabalier bei "MTV Unplugged"

Andreas Gabalier bei "MTV Unplugged"

Kennen Sie selbst Eifersucht?

Wie drückt man es jetzt charmant aus, dass es nicht großkotzig rüberkommt …? Die Mädels haben immer eine Freude gehabt mit mir. (grinst) Streiten kann man mit mir dagegen überhaupt nicht.

Wie kommt das?

Weil ich mir schon immer eine Freundin gesucht habe, die mich genommen hat, wie ich bin. Die Streitigkeiten, die ich von Freunden kenne, entstehen ja, weil es Punkte gibt, mit denen die Partner nicht leben können. Das hat es in meinen Beziehungen nie gegeben.

Kann ja auch langweilig werden.

Ich bin gespannt.

Wer ist Ihnen ein Vorbild?

Meine Oma in ihrer unglaublichen Bescheidenheit und Selbstlosigkeit. Sie war immer nur für alle anderen da. Ich glaube, das habe ich von ihr. Es leben alle rundherum ganz gut mit mir. Ich gebe sehr gerne und kann mich am Schenken erfreuen. Ich freue mich, wenn ich meine Familie und Freunde sehe. Da brauche ich nichts außer vielleicht einem Sechserträger Bier für uns alle.

Bei "MTV Unplugged" singen Sie nun auch "In diesem Moment" von Roger Cicero, der im März gestorben ist. Sie widmen ihm diese Coverversion. Wie nah standen Sie einander?

Wir haben uns bei "Sing meinen Song" in Südafrika angefreundet. Das war wie eine Klassenfahrt, so unkompliziert und unbeschwert.

Wie haben Sie von seinem Tod erfahren?

Ich war an dem Tag auf der Alm und habe Holz gehackt, mitten im Wald. Es kam eine SMS, dann wurden es immer mehr. Ich war bestürzt. Es war anders als beim Tod meiner Oma neulich – da hat man schon gewusst, sie mag nicht mehr mit ihren 90 Jahren. Sie ist friedlich eingeschlafen. Aber bei war es eine Schock-Nachricht.

Haben Sie Konsequenzen gezogen in Bezug auf Ihr eigenes Leben?

Nein. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich einen Gang runterschalten müsste oder mir alles zu viel wäre. Ich passe gut auf mich auf und treibe ja sehr viel Sport.

Wie entspannen Sie sonst noch?

Es gibt Phasen, da bin ich nur auf dem Berg oder fahre Ski, nehme vielleicht mal ein Demo-Tape auf mit ein paar Ideen, die ich gesammelt habe. Ich gehe gern mal einen heben mit meinen Jungs. Oder ich schmeiße eine Party zu Hause, nach der mir zwei Tage lang alles egal ist. So wie im Sommer, als ich einen Monat Auszeit hatte.

Große Ehre! Als erster Österreicher wurde Andreas Gabalier zu einem Konzert für die "MTV Unplugged"-Reihe eingeladen. Im Wiener "Odeon"-Theater spielte er mit einem 50-köpfigen Orchester (am 25. November auf MTV, dann ist auch das Album erhältlich)

Große Ehre! Als erster Österreicher wurde Andreas Gabalier zu einem Konzert für die "MTV Unplugged"-Reihe eingeladen. Im Wiener "Odeon"-Theater spielte er mit einem 50-köpfigen Orchester (am 25. November auf MTV, dann ist auch das Album erhältlich)

Was haben Sie da gemacht?

Ich bin gewandert, habe viel gebadet, bin Motorrad gefahren, habe einfach Zeit wie früher verbracht. Das ist wichtig, damit man gesund bleibt. Der Roger war ein Perfektionist, der konnte nie etwas aus der Hand geben, er wollte immer noch ein bisschen mehr feilen. Da bin ich anders. Wenn ich im Studio bin, sage ich irgendwann: So gefällt es mir jetzt! Natürlich kann man es noch zehnmal verändern und sich nächtelang den Kopf darüber zerbrechen, ob man es nicht doch irgendwie anders produziert. Aber ich sage mir: So ist es jetzt – und fertig.

Sie können also gut loslassen?

Ja. Wenn ich zu Hause bin, hängt die Lederhose am Nagel. Ich wasche nach wie vor meine Wäsche selber, stelle den Staubsauger an, lege ein paar Schallplatten auf und drehe laut auf, damit alle Nachbarn mitkriegen, dass es am Nachmittag ein kühles Bierchen gibt.

Privat tragen Sie keine Lederhosen?

Nur zu Festivitäten, aber nicht im Alltag. Privat trage ich lieber Jeans.

Stimmt es, dass Sie zwei Unterhosen darunter tragen?

Manchmal sogar drei. Mir ist auf der Bühne immer sehr warm, und das hilft gegen den Schweiß. Anschließend lege ich die Lederhose über Nacht in die Badewanne. Manchmal habe ich sie ja fünf Tage die Woche an. Aber ich wechsle sie auch, ich habe ungefähr neun verschiedene und miste sie auch regelmäßig aus.

Wie oft sehen Sie Ihre Freundin, wenn Sie frei haben?

Jede Woche.

Nehmen Sie sie auf Ihre Motorradtouren mit?

Manchmal schon, dann sitzt sie hintendrauf.

Sie sprachen vorhin vom Tod Ihrer Schwester. Auch Ihr Vater hat seinem Leben selbst ein Ende gesetzt – zehn Jahre danach hat Ihre Mutter noch einmal geheiratet. Wie war das für Sie?

Traumhaft! Der Gerd ist eine Bereicherung, so ein lieber, intelligenter, fleißiger Kerl. Er hat eine große Modefirma in Felsbach und ist nebenbei Uni-Professor. Da haben wir riesengroßes Glück gehabt. Wir freuen uns alle gewaltig mit der Mama. Wir haben schon nicht mehr daran geglaubt, dass das noch einmal gut ausgeht, dass sie sich nach zehn Jahren, die der Papa tot ist, noch mal so verliebt! Da sind wir sehr happy und erleichtert. Die zwei haben richtig Spaß miteinander, sind laufend unterwegs – und kommen zu meinen Konzerten.

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