Alicia Vikander
© Getty Images Alicia Vikander

Alicia Vikander Perfekte Frau

Die Schwedin Alicia Vikander ist in "The Danish Girl" der ebenbürtige Gegenpart zu Eddie Redmayne. Mit GALA sprach sie über Liebe, Ängste und Erfolg

Nur drei Jahre hat Newcomerin Alicia Vikander gebraucht, um zum heißesten Namen Hollywoods zu werden. Nach "Die Königin und der Leibarzt", "Anna Karenina" oder "Codename U.N.C.L.E." etabliert sie sich nun mit "The Danish Girl" als eine der mutigsten Charakterdarstellerinnen im Filmbusiness. Für die Rolle als Malerin Gerda Wegener ist die 27-Jährige für den Golden Globe nominiert und wird als Oscar-Anwärterin gehandelt. Dieses Jahr wird sie in der Romanverfilmung "Das Licht zwischen den Meeren" neben Michael Fassbender im Kino zu sehen sein, außerdem in "Tulpenfieber" mit Christoph Waltz und im "Bourne"-Sequel mit Matt Damon.

Wie haben Sie Ihre Karriere in den vergangenen Jahren erlebt?

Vor fünf Jahren war Noomi Rapace die erste schwedische Schauspielerin nach Ingrid Bergman, die es bis nach Hollywood geschafft hat. So ein Erfolg war höchstens im Bereich meiner Fantasie denkbar!

Alicia Vikander: Alicia Vikander und Eddie Redmayne in "The Danish Girl"
© PRAlicia Vikander und Eddie Redmayne in "The Danish Girl"

Sie spielen in "The Danish Girl" eine Frau, die bedingungslos ihren Mann darin unterstützt, zur Frau zu werden, obwohl sie leidet. Wie erreichen Sie diese Intensität auf der Leinwand?

Was wir als Schauspieler tun, ist manchmal furchterregend. Und es macht noch mehr Angst, wenn man sich unwohl fühlt. Aber hier wusste ich, dass es okay wäre, auch mal zu versagen. Wenn ich nicht von Tom (Regisseur Tom Hooper, Anm. d. Red.) und Eddie umgeben gewesen wäre, die eine Atmosphäre von Vertrauen und Sicherheit um uns aufgebaut haben … eine Wohltat!

Oscar-Gewinner Tom Hooper gilt als harter Hund, brach bei Ihrem Casting aber in Tränen aus. Wie haben Sie das geschafft?

Castings sind schon immer sehr, sehr nervig … (lacht) Eddie und Tom sagten zu mir: "Ach, setz dich doch erst mal und entspann dich." Das hat mich wirklich so entspannt, dass ich letztendlich das vor der Kamera bringen konnte, was ich mir vorgenommen hatte.

Der Status als Hollywood-Darling muss doch sehr angenehm sein …

Die Angst, dass morgen alles schon wieder vorbei sein kann, begleitet einen Schauspieler sicher ein Leben lang. Ich werde immer Momente haben, in denen ich nervös bin, wie das Publikum auf meine Arbeit reagieren wird.

Macht Ihnen der rote Teppich denn Spaß?

Ich wusste gar nicht, dass die so lang sind! Früher war es eine große Sache, auf einer Hochzeit eingeladen zu sein und sich dafür schön herauszuputzen. Jetzt ist es der rote Teppich, für den du dir schon Wochen vorher Gedanken darüber machst, was du anziehen sollst. Das ist Stress und Spaß zugleich.

Entspricht eine Liebe bis zur Selbstaufgabe wie die der Wegeners auch Ihrer Auffassung von Liebe?

Ich möchte einfach daran glauben, dass es so etwas wie bedingungslose Liebe gibt. (räuspert sich)

Sie lassen sich Skripts von Ihrer Mutter, die Schauspielerin ist, und Ihrem Vater, einem Psychiater, abnicken. Was haben die beiden zu "The Danish Girl" gesagt?

Das Verrückte ist: Mein Vater hat zwei Jahre vor "The Danish Girl" eine Stelle angenommen, wo er Menschen betreut, die kurz vor ihrer Geschlechtsumwandlung stehen. Also wusste ich, dass ich von ihm ein sehr spezifisches Urteil erwarten konnte. Mein Dad ist so ein ganz harter Typ, der ungerührt "Dr. House" ansieht und dann erzählt, warum das alles ganz anders ist. Als ich ihn anrief, war ich also auf harsche Kritik und seine "Das ist in Wahrheit ganz anders"-Sprüche gefasst. Aber er sagte: "In diesem Skript liegt so viel emotionale Wahrheit. Greif zu!"

Wie gehen Sie mit Erwartungsdruck um?

Es ist ja nur allzu menschlich, davor Angst zu bekommen. Da tut es gut, die Nähe zu den Menschen zu suchen, die dich schon lange gut kennen – meine Familie und Freunde.

Wie gelingt es Ihnen, sich mit ihnen zu treffen – bei Ihrem großen Reisepensum?

Einmal haben meine Freundinnen und ich in einer Gruppe geskypt: Jede hatte sich eine Flasche Wein gekauft und sich etwas zu essen gekocht, jede saß am Tisch – und so haben wir zusammen Dinner via Skype gehabt. Das Ganze begann als Witz, aber dann hat’s tatsächlich funktioniert. So gut, dass wir am Ende wirklich überlegt haben, wo wir noch einen Absacker trinken gehen – bis uns einfiel, dass das gar nicht drin ist. Trotzdem war’s ein großartiger Abend!