Hillary Clinton
© Getty Hillary Clinton

Hillary Clinton Mit Gefühl ins Weiße Haus

Bei den US-Vorwahlen setzt Hillary Clinton verstärkt auf Emotionen - und Privates: Jetzt sprach sie sogar über die Untreue ihres Gatten

Auf tränenfeuchte Augen

warteten die Zuschauer zwar vergebens, hochemotional ging es trotzdem zu. Erstaunlich offen plauderte Hillary Clinton in der "Tyra Banks Show" über ihr Privatleben - und ließ dabei auch ein besonders dunkles Kapitel nicht aus, zu dem sie bislang eisern geschwiegen hatte. Zehn Jahre ist es her, dass der damalige US-Präsident Bill Clinton, 61, seine Frau mit der Praktikantin Monica Lewinsky im Weißen Haus betrog. Eine Sexaffäre, die das Land erschütterte.

Familie Clinton hält zusammen
© GettyFamilie Clinton hält zusammen: Hillary, Ehemann Bill und Tochter Chelsea

Und dennoch: "Ich habe niemals an Bills Liebe zu mir gezweifelt, nie meine Verantwortung gegenüber unserer Tochter und unserer Großfamilie in Zweifel gezogen", betonte die 60-Jährige. Zugleich räumte sie aber ein, dass sie lange gebraucht habe, um herauszufinden, was für sie selbst und ihre Familie richtig gewesen sei.

"Ich war wütend und enttäuscht - all das ging mir durch den Kopf. Ich habe jedoch gelernt, dass man niemals in der Hitze des Augenblicks Entscheidungen treffen darf", erzählte die Bewerberin um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Und antwortete auf Tyra Banks' Nachfrage, warum sie trotz der vielen Lügen zu ihrem Mann hielt: "Man muss einfach ehrlich zu sich selbst ein. Keine Geschichte ähnelt der anderen. Niemand kann über einen anderen urteilen. Man muss das tun, was für einen selbst das Richtige ist. Und das ist nicht unbedingt das, was irgendjemand sonst glaubt."

Hillary Clinton in South Carolina
© GettyHillary Clinton in South Carolina: Das Image des kühlen Kopfes will sie durch das der warmherzigen Zuhörerin ersetzen

Emotionen statt Härte lautet Hillary Clintons neue Strategie auf ihrem Weg ins Weiße Haus. Tief saß der Schock über den überraschenden Vorwahlsieg von Konkurrent Barack Obama, 46. Dort, in Iowa, hätte sie laut Umfragen eigentlich klar gewinnen müssen. Doch Hillary wirke zu kalt, zu unnahbar, um die Herzen der Bürger tatsächlich zu gewinnen, analysierte ihr Beraterteam. Dann kam die Wende: Am Rande einer Wahlveranstaltung kämpfte die ehemalige First Lady auf Nachfrage nach ihrem Befinden vor laufender Kamera plötzlich mit den Tränen. Ein Moment, der ihr Sympathien einbrachte - und den Sieg bei den Vorwahlen in New Hampshire.

Der Start für eine radikale Image-Korrektur scheint geglückt. Seitdem gibt sich Hillary Clinton auffallend viel Mühe, in Talkshows und Wahlkampfreden menschlicher, herzlicher zu wirken. Was sich offenbar auszahlt: Schon zwei Tage nach ihrem Auftritt bei Tyra Banks schlug Clinton Obama auch in Nevada - und diesmal wählten sie besonders viele aus Tyras Hauptzielgruppe: die Frauen.