Heath Ledger Seine Flucht in die Einsamkeit

"The Dark Knight" bricht alle Rekorde - und erinnert schmerzhaft an das Schicksal eines stillen Stars. GALA protokolliert das tragische Ende des Heath Ledger

Auf dem Küchentisch:

Chaos. Leere Gläser, Bücher, Schachfiguren, dazwischen ein Foto von Matilda. In seinem Kopf: noch viel mehr Chaos. Einsamkeit, Schuldgefühle, Schlafmangel. Als die Reporterin Sarah Lyall den Schauspieler Heath Ledger im Herbst 2007 zu einem Interview trifft, ist er leichenblass, wirkt fahrig und schwermütig. Und er weiß offenbar, dass er so wirkt - es scheint ihm unangenehm zu sein, der Öffentlichkeit kein besseres Bild von sich selbst präsentieren zu können.

Die Journalistin der "New York Times" erinnert sich: "Heath stand auf und holte Kaffee. Er ging hinaus auf den Hof, um zu rauchen. Er nahm seine Kapuze ab, schüttelte sein Haar, band es zusammen, löste es wieder, setzte eine Mütze auf, Mütze ab. Dann ging er wieder rauchen." Drei Monate später stirbt Heath Ledger einsam in seinem New Yorker Apartment, nach einem halben Jahr tiefsten Leidens.

1. September 2007

Jener Tag, an dem er das gemeinsame moosgrüne Haus in Brooklyn verließ, der Tag der Trennung von seiner großen Liebe Michelle Williams - das war der Tag, an dem sein Leben aus den Fugen geriet. Ja, er hatte auch vorher hin und wieder mehr getrunken, als ihm am nächsten Morgen lieb war. Ja, viel früher schon hatte er gelegentlich eine Hand voll Ecstasy-Pillen eingeworfen oder eine Linie Koks gezogen. Und ja, es gab schon vor diesem 1. September 2007, an dem die dreijährige Beziehung zerbrach, Tage, an denen er sich selbst nicht finden konnte, an denen er sich müde und zugleich rastlos fühlte, als würde er in unsichtbaren Ketten liegen. Aber irgendwie hatte er bis dahin alles einigermaßen im Griff gehabt. Sein Leben, seine Schwermut, die Drogen.

Er war ein Daddy und ein liebender Freund. Seine kleine Familie, Michelle und Matilda, gab ihm Halt. Durch sie hatte er Perspektiven für sich entdeckt, die ihn auf dem richtigen Weg hielten. "Ich bin Mr. Mom: Ich besorge Müsli und koche Eier, ich wasche das Geschirr ab und mache Mittagessen. Ich liebe meinen neuen Job!", schwärmte er. Es erfüllte den medienscheuen Star, fernab von Hollywood ganz für seine Familie da zu sein. "Ich war noch nie so kurz davor, ein wirklich normales Leben zu führen", erzählte er dem "New York Magazine", kurz nachdem er sich in Boerum Hill, einem beschaulichen Viertel in Brooklyn, niedergelassen hatte. "Nirgendwo auf der Welt wäre ich lieber. Wir sind sehr glücklich."

Weiter zur nächsten Seite
Übersicht zu diesem Artikel
  • Seite 1 / 4