Günther Jauch
© Alfred Steffen für Gala Günther Jauch

Günther Jauch "Extrem viel Glück gehabt"

So still, so bescheiden, so klug - Deutschland liebt Günther Jauch. Ein Gespräch über Talent, Erfolg und mediale Lautsprecher

Ein Paar Weißwürste, die wären schon schön jetzt.

So in der Sonne, im Biergarten, direkt am Rhein, mit Blick auf den Dom. Andererseits: Nee, lieber doch nicht - weil sie hier, also in Köln, bestimmt nur aus der Dose kommen. Günther Jauch, 52, lächelt. Er hat sich entschieden. Er bleibt beim stillen Wasser, die Vernunft hat den Genussmenschen in ihm besiegt, und man denkt: typisch Jauch. Weil es wohl keinen anderen Moderator gibt, der das Publikum mit seinem grundsoliden, abwägenden Wesen derart verzückt.

Einer, der einem alten, weißen Porsche-Cabriolet während des Gesprächs zwar ehrfürchtig hinterherschaut ("das war ein 356er!"), selbst aber in einer unauffälligen Mittelklasselimousine angereist ist.

Seit 33 Jahren moderiert er im deutschen Fernsehen, in diesem Geschäft macht ihm niemand etwas vor – und trotzdem ist Jauch sauer. Der Grund: Seine "SKL-Show" wird in der kommenden Woche zwar wieder zu sehen sein, allerdings nur auf der Homepage der Lotterie statt im Fernsehen auf "RTL". Denn im vergangenen Jahr wurde entschieden, dass das Format gegen die neuen Vorschriften für Glücksspiele verstößt.

Ärgert es Sie sehr, dass Ihre Show nur noch im Internet zu sehen ist?
Ja, für mein Empfinden ist das Verbot beinahe an der Grenze zur Lächerlichkeit. Es ist der verzweifelte Versuch, das Glücksspiel-Monopol des Staates mit völlig untauglichen Argumenten zu sichern. Ich kenne keinen einzigen Menschen, der durch die Sendung spielsüchtig geworden wäre. Und es ist vor allem absurd, weil gleichzeitig die Pokerrunden beim "DSF" weiterlaufen dürfen. Wenn da die Gefahr der Spielsucht nicht hundertmal größer ist, dann verstehen ich die Welt nicht mehr.

Kontrollieren Sie, wo und wie Ihre Töchter im Internet surfen?
Ich würde nie sagen: Vor dem 15. Lebensjahr kommt Ihr nicht mit dem Computer in Berührung! Und bestimmte Seiten zu sperren, bringt doch auch nur wenig. Was man Kindern aber beibringen kann, ist ein doppelverantwortlicher Umgang. Damit meine ich, dass sie einerseits schädliche und dumme Inhalte von vernünftigen und interessanten Inhalten unterscheiden können. Außerdem sollte man vermitteln, was für ein Zeitfresser das Internet sein kann. Wie schnell kann ich mich darin vier, fünf, sieben Stunden verlieren, um dann festzustellen, dass ich mich eigentlich nur gelangweilt habe.

Sie raten also generell zur Vorsicht?
Zumindest insofern, als dass man jedes Medium grundsätzlich kritisch betrachten sollte. Wer dem Fernsehen unkritisch gegenübersteht, gilt gemeinhin als Depp - das sehe ich ebenso.

Noch eine Vaterfrage: Madonnas jüngster Versuch, in Malawi ein Kind zu adoptieren, wurde abgelehnt. Können Sie, als jemand der selbst adoptiert hat, die Entscheidung nachvollziehen?
Grundsätzlich finde ich, dass jeder Staat das Recht haben muss, entsprechende Gesetze zu erlassen und diese anzuwenden. Von Land zu Land sind die Anforderungen natürlich sehr unterschiedlich, ebenso wie die Motive, ein Kind zu adoptieren. Ich will mir aber nicht anmaßen, zu sagen, dass der eine für so etwas besser geeignet ist als der andere. Ich kann gut nachvollziehen, dass es bei gewissen Konstellationen zu Konflikten kommt.

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