Günther Jauch

"Extrem viel Glück gehabt"

So still, so bescheiden, so klug - Deutschland liebt Günther Jauch. Ein Gespräch über Talent, Erfolg und mediale Lautsprecher

Günther Jauch

Ein Paar Weißwürste, die wären schon schön jetzt.

So in der Sonne, im Biergarten, direkt am , mit Blick auf den Dom. Andererseits: Nee, lieber doch nicht - weil sie hier, also in Köln, bestimmt nur aus der Dose kommen. , 52, lächelt. Er hat sich entschieden. Er bleibt beim stillen Wasser, die Vernunft hat den Genussmenschen in ihm besiegt, und man denkt: typisch Jauch. Weil es wohl keinen anderen Moderator gibt, der das Publikum mit seinem grundsoliden, abwägenden Wesen derart verzückt.

Einer, der einem alten, weißen Porsche-Cabriolet während des Gesprächs zwar ehrfürchtig hinterherschaut ("das war ein 356er!"), selbst aber in einer unauffälligen Mittelklasselimousine angereist ist.

Seit 33 Jahren moderiert er im deutschen Fernsehen, in diesem Geschäft macht ihm niemand etwas vor – und trotzdem ist Jauch sauer. Der Grund: Seine "SKL-Show" wird in der kommenden Woche zwar wieder zu sehen sein, allerdings nur auf der Homepage der Lotterie statt im Fernsehen auf "RTL". Denn im vergangenen Jahr wurde entschieden, dass das Format gegen die neuen Vorschriften für Glücksspiele verstößt.

Ärgert es Sie sehr, dass Ihre Show nur noch im zu sehen ist?
Ja, für mein Empfinden ist das Verbot beinahe an der Grenze zur Lächerlichkeit. Es ist der verzweifelte Versuch, das Glücksspiel-Monopol des Staates mit völlig untauglichen Argumenten zu sichern. Ich kenne keinen einzigen Menschen, der durch die Sendung spielsüchtig geworden wäre. Und es ist vor allem absurd, weil gleichzeitig die Pokerrunden beim "DSF" weiterlaufen dürfen. Wenn da die Gefahr der Spielsucht nicht hundertmal größer ist, dann verstehen ich die Welt nicht mehr.

Kontrollieren Sie, wo und wie Ihre Töchter im Internet surfen?
Ich würde nie sagen: Vor dem 15. Lebensjahr kommt Ihr nicht mit dem Computer in Berührung! Und bestimmte Seiten zu sperren, bringt doch auch nur wenig. Was man Kindern aber beibringen kann, ist ein doppelverantwortlicher Umgang. Damit meine ich, dass sie einerseits schädliche und dumme Inhalte von vernünftigen und interessanten Inhalten unterscheiden können. Außerdem sollte man vermitteln, was für ein Zeitfresser das Internet sein kann. Wie schnell kann ich mich darin vier, fünf, sieben Stunden verlieren, um dann festzustellen, dass ich mich eigentlich nur gelangweilt habe.

Sie raten also generell zur Vorsicht?
Zumindest insofern, als dass man jedes Medium grundsätzlich kritisch betrachten sollte. Wer dem Fernsehen unkritisch gegenübersteht, gilt gemeinhin als Depp - das sehe ich ebenso.

Noch eine Vaterfrage: Madonnas jüngster Versuch, in Malawi ein Kind zu adoptieren, wurde abgelehnt. Können Sie, als jemand der selbst adoptiert hat, die Entscheidung nachvollziehen?
Grundsätzlich finde ich, dass jeder Staat das Recht haben muss, entsprechende Gesetze zu erlassen und diese anzuwenden. Von Land zu Land sind die Anforderungen natürlich sehr unterschiedlich, ebenso wie die Motive, ein Kind zu adoptieren. Ich will mir aber nicht anmaßen, zu sagen, dass der eine für so etwas besser geeignet ist als der andere. Ich kann gut nachvollziehen, dass es bei gewissen Konstellationen zu Konflikten kommt.

Günther Jauch im Gespräch mit Gala-Redakteur Alexander Stilcken (li.)

Günther Jauch im Gespräch mit Gala-Redakteur Alexander Stilcken (li.)

Sie haben eine der konstantesten TV-Karrieren im deutschen Fernsehen hingelegt. Wie wichtig war Glück dabei?
Ich habe extrem viel Glück gehabt. Ich habe einfach immer wieder Leute kennengelernt, die mir wohlgesonnen waren, und ich habe sicherlich auch manchmal im richtigen Augenblick "ja" gesagt, statt mich zu ducken.

Gab es den einen großen Glücksfall?
Nein, denn die meisten Sachen wurden mir immer angetragen. Ich wurde zum Beispiel gefragt: "Möchten Sie Hauptstadtkorrespondent in Bonn werden?" Oder: "Möchten Sie mit in Bayern Radio moderieren?" Insofern musste ich nicht selbst kreativ werden, sondern mich nur fragen: Will ich das? Kann ich das? Will ich das zum jetzigen Zeitpunkt?

Und wie haben Sie Ihre Entscheidungen gefällt?
Immer mit viel Bauchgefühl. Wenn die jeweilige Entscheidung erst einmal getroffen war, dann sind meist langjährige Partnerschaften daraus entstanden.

Wenn man sich Ihre Karriere anschaut, dann bekommt man den Eindruck, dass das Glück im TV-Geschäft mit den Tüchtigen ist.
Ach, das wäre schön! Denn dann wäre Erfolg ja berechenbar. Das wäre wie eine Maschine, in die man oben einen Euro reinwirft und unten kommen zwei wieder raus. So ist es zum Glück nicht, weil die Zuschauer nach wie vor in hohem Maße unberechenbar sind.

Sie haben aber inzwischen vermutlich einen guten Blick für die Erfolgsaussichten von TV-Formaten, oder?
Ehrlich gesagt: Ich bin ein ganz schlechtes Trüffelschwein. Die einzige Ausnahme war "Wer wird Millionär?". Da hat man mir das englische Original auf Kassette mitgegeben, und ich hatte eigentlich überhaupt keine Lust, ein Quiz zu machen. Aber als ich mir die Sendung angeschaut habe, da habe ich gemerkt, wie es mich gepackt hat, und dass das Format wirklich Potenzial hatte.

Günther Jauch ist einer der beliebtesten Moderatoren im deutschen Fernsehen

Günther Jauch ist einer der beliebtesten Moderatoren im deutschen Fernsehen

Sie gelten als extrem sparsam. Macht Sie die Wirtschaftskrise noch vorsichtiger?
Ich habe gelesen, dass nur 8 Prozent der Deutschen wirklich Aktien oder "toxische" Papiere haben, und 92 Prozent so gesehen nur betroffen sind, wenn es um den Job geht. Das ist natürlich eine ernste Sache, aber ich fürchte, dass die Krise in noch gar nicht so richtig angekommen ist. Für mich ist es vorstellbar, dass das erst Ende des Jahres, also nach der Bundestagswahl, richtig passiert.

Sparen Sie als Unternehmer in Ihrer Produktionsfirma ?
Zunächst einmal: Ich habe noch nie jemanden entlassen müssen. Die Frage ist nun für mich, ob ich gerade in der Krise auf Wachstum setze und expandiere, also noch einmal 30 Leute einstelle, oder mich eher defensiv bewege. Und da neige ich schon seit einiger Zeit dazu, eher letztere Strategie zu verfolgen. Das Publikum schätzt Ihre zurückhaltende Art.

Würden Sie sich selbst als bescheiden bezeichnen?
Das kann ich nicht. Ich kann nur über andere Leute sagen: "Der ist aber bescheiden." Über mich selbst mag ich das nicht. Mir fehlt aber auch nix.

Steckt nicht in jedem Moderator auch eine kleine Rampensau?
Hm, ich selbst sehe mich sicherlich nicht so, und man muss auch nicht Tag und Nacht ein medialer Lautsprecher sein. Aber als ewiger Schüchti wird es auch schwierig. Angesichts von Selbstdarstellern wie wirkt es häufig so, als wären Sie der Exot im TV-Geschäft. Das ist doch das Tolle! Ich verstehe einen erfolgreichen Sender als ein großes Kaufhaus. Am Eingang gibt’s die Wühltische mit den Sonderangeboten, auf die man sich schnell stürzt, an denen man aber irgendwann auch die Lust verliert oder die nur als Saisonartikel taugen. Aber es gibt dort auch Ecken mit Markenware oder einem Shop-in-Shop-System. Was ich sagen will: In einem Kaufhaus kann man ohne Probleme ganz unterschiedliche Waren und Qualitäten unterbringen, und genau so muss auch das Angebot in einem guten Sender sein. Den ganzen Tag Kulturprogramm machen geht nicht, aber nur Rudis Resterampe geht eben auch nicht.

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