Germany's Next Topmodel

Heidi hat sie alle im Griff

Tränen, Stress und Puschen - Heidi Klum bringt nichts aus der Fassung. GALA hat sie exklusiv beim Dreh der neuen Staffel von "Germany's Next Topmodel" begleitet

Heidi Klum

Eine halbe Minute kann verdammt lang sein.

Den Bewerberinnen beim Casting von Germany's Next Topmodel auf dem Düsseldorfer Messegelände kommen diese 30 Sekunden vor wie eine kleine Ewigkeit. Die 45 Mädchen sitzen auf weißen Sitzpolstern im Schmink- und Umkleidebereich. Vor ihnen steht Heidi Klum und ver¬kündet, welche 25 in die nächste Runde kommen. Die Kameras laufen, diese Szenen werden in der ersten Folge der neuen Staffel zu sehen sein. Heidi Klum könnte die Namen natürlich einfach nur vorlesen, aber das wäre nicht dramatisch genug. Also steht hinter ihr ein Monitor. Auf dem werden vor jeder Namensverkündung die Porträts aller Bewerberinnen im Schnelldurchlauf gezeigt, bis das Foto der Glücklichen schließlich - zack! - auf dem Schirm prangt. Jedes Mal vergehen dafür 30 Sekunden. Das zieht sich. Für die Mädchen ist das viel Stress, einige seufzen gequält, für Heidi einfach nur eine zu lange Wartezeit. Nach der Fünften knurrt sie kurz zur Seite: "Das zieht sich aber." Sofort kommt Bewegung ins Team. "Durchlauf auf zehn Sekunden", zischt jemand. So geschieht es, Heidi drückt dem nächsten Mädchen ihren "Mmmna?"-Kuss auf die Wange, und die Kamerateams fangen die nächsten Tränen der Freude ein - oder der Enttäuschung.

Es ist der erste Drehtag für die vierte Staffel von "Germany's Next Topmodel", und für Heidi und ihre beiden Juroren Peyman Amin und Rolf Scheider ist es ein 24-Stunden-Vollpower-Einsatz. Über 1000 Mädchen standen am Morgen vor der Messe - als Neuerung gab es ein offenes Casting. Jetzt, am frühen Abend, sind nach den Einzelpräsentationen, Interviews und dem Catwalk im Bikini noch 25 übrig. Pause? Fehlanzeige. Man liegt hinter dem Zeitplan. Als nächstes steht eine Fotosession auf dem Plan.

Obwohl der Dreh also unter Hochdruck weitergeht, strahlt Heidi Klum, die den Tag in schwarzen, hochhackigen Lederstiefeln durchsteht, immer noch eine unglaubliche Energie aus. Wenn die Kamera angeht, ist sie sofort voll konzentriert. Hier zeigt sich mal wieder die Professionalität, mit der sie es vielleicht nicht in die Weltklasse der Models, aber eben zu einer der bekanntesten deutschen Prominenten weltweit gebracht hat. Kinder, Karriere, die Ehe mit Seal - alles ist miteinander vernetzt und läuft reibungslos. Mit Heidi als treibender Kraft in der Mitte.

Bei ihrer Bewerbung müssen die "Topmodel"-Aspirantinnen einen Fragebogen ausfüllen. Der letzte Punkt lautet: Was möchtest du Heidi unbedingt mal fragen. Viele schreiben an dieser Stelle: Wie schafft sie das alles bloß? Ein wichtiger Garant dafür schlurft bei den Dreharbeiten in Sandalen, Jeans und Strickjacke durch die Gänge: Papa Günther. In der Hand hat er eine Flasche Mineralwasser. Natürlich die Marke, für die Heidi wirbt. Harmlos wirkt er, ist es aber nicht. "Bei Heidi und ihm ist das wie guter Cop, böser Cop. Heidi ist die Gute, und wenn sie etwas nervt, sagt sie es den Leuten nicht selbst. Sie sagt es Günther, und der haut dann auf den Tisch", erzählt ein Mitarbeiter. Diese Stressvermeidung ist das wahre Entspannungs-Geheimrezept von Heidi. Sie macht kein Yoga, lässt sich nicht massieren. Ihr einziger Luxus ist ein eigener Raum, in den sie sich zurückziehen kann. Und gelegentlich mogelt sie ein bisschen, wie sie später gegenüber GALA zugibt: "Bei den Einstellungen, bei denen nur der Oberkörper im Bild ist, schlüpfe ich schon mal aus den High Heels raus und in ein paar bequeme Puschen rein."

Die aktuelle Jury

Die aktuelle Jury: Rolf Scheider, Heidi Klum und Peyman Amin

Germany's Next Topmodel

Heidi Klum und ihre Mädchen

Staffel 11  Kaum sind die Castings in Deutschland vorbei, da wird schon wieder geshootet, was das Zeug hält. Hinter der Kamera gibt Heidi Klum ihren in neonpink gekleideten Models Tipps. Der Spaß kommt dabei natürlich nicht zu kurz.
Ganz der Profi: Mit einem prüfenden Blick checkt Heidi Klum die Foto-Resultate ihrer Mädchen. So richtig warm scheint es in Los Angeles jedoch nicht zu sein. Das Topmodel muss sich mit einem flauschigen Mantel warmhalten.
Doch nicht nur hinter der Kamera hält sich Heidi auf. Sie erklärt auch direkt am Shooting-Set, wie man am allerbesten posiert. Sie weiß es ja schließlich.
Das offizielle Jury-Foto ist da: Gemeinsam mit Thomas Hayo und Designer Michael Michalsky sucht Heidi Klum "Germany's Next Topmodel" 2016.

118

Im Konferenzsaal der Messe steht die nächste Bewährungsprobe an, die 25 Möchtegern-Models sollen für GALA fotografiert werden. Sie wissen: Auch hier wird aussortiert, nach dem Shooting müssen zehn von ihnen nach Hause fahren. "Ihr habt eine Viertelstunde zur Vorbereitung", ruft Heidi. Der Satz löst hektisches Treiben aus, die zehn Stylisten arbeiten fieberhaft an den Outfits und Frisuren der Mädchen. "Es ist erstaunlich, wie schnell sich einige in gewisse Rollen begeben", erzählt der Hair- und Make-up-Artist Peter Scholles aus Budenheim. "Eine ist die Starke, die andere das Sensibelchen, die dritte hat nur die Konkurrenz im Blick." Während er redet, steht plötzlich eine kleine Blondine auf Pfennigabsätzen, in Minirock und fleischfarbener Strumpfhose mit schwarzen Streifen neben ihm. Eine ausgeschiedene Kandidatin? Nein, Helena, die langjährige Stylistin von Heidi Klum. Aufmerksam beobachtet die Amerikanerin, wie Scholles einem Model die Haare verknotet. Kurz darauf steht sie mit Heidi am Tisch und zeigt ihr die Frisur. "Isn't that great?" Ja, auch Heidi findet's "great" und lässt sich die Kreation erklären. So viel Zeit muss bei allem Stress sein.

Unterdessen begutachten Rolf Scheider und Peyman Amin im Konferenzsaal die Bühne. Scheider schiebt seine Gleitsicht-Brille in die Haare und reibt sich die müden Augen, Amin cremt seine Lippen zum x-ten Mal mit einem Labello-Stift ein. Heidi kommt, ihr Bodyguard, den sie immer bucht, wenn sie in Deutschland ist, hebt sie auf die Bühne, und die Jury bespricht den weiteren Ablauf. Dann Aufmarsch der Models. Durchzählen. Ups! Drei fehlen. "Bitte alle Toiletten checken", ruft der Produktionsleiter. Die Assistenten sprinten los. Kurz darauf kann es weitergehen. Jeweils eine Fünfer-Gruppe muss vor einem Fotografen posieren. Die Mädchen werfen sich ins Zeug, während die Jury sie mit Anweisungen bombardiert: "Gebt Gas!", "immer zur Kamera schauen", "Sabrina, einfach nur sexy reicht nicht", "Laura, sei frech", "Melanie, nicht nur Sonnenschein-Blick", Sabrina! Wir sind nicht beim 'Playboy'-Shooting", "nicht verstecken", "Sabrina!! Guck mal ernst. Ernst, sage ich! Nicht traurig." Am Ende reicht es für Sabrina nicht. "Du musst leider gehen", sagt Heidi - und Sabrina verlässt unter Tränen die Bühne. Man kann sehen, wie Heidi kurz überlegt, ihr nachzugehen. Sie lässt es aber.

Während die Fotoaufnahmen weitergehen, packen die Verliererinnen im Stylingraum ihre Sachen. Und jede von ihnen stellt sich dieselbe Frage: "Warum ich?" Zwei umarmen sich, Telefonnummern werden getauscht, eine Rothaarige hat nasse Augen. "Dein Freund wird jetzt wohl glücklich sein", sagt eine zu ihr. Die Rothaarige schnieft. Für geplatzte Träume gibt es nun mal keinen Trost.

Star-News der Woche

Gala entdecken