Drogen in Hollywood

Die verlorenen Kinder Hollywoods

Junge Stars wie Lindsay Lohan und ihre Clique konsumieren hemmungslos Alkohol und Drogen. GALA enthüllt, wie gefährlich ihr Verhalten tatsächlich ist - und wo die tieferen Ursachen liegen

Erst wenige Tage aus dem Wonderland Center in Los Angeles entlassen,

hat ihren wundersamen Weg zurück ins Leben gefunden: Um der Welt zu beweisen, dass ihr Entzug, eine Überdosis Kokain und die Anonymen Alkoholiker längst Geschichte sind, feiert sie einfach weiter bis zum Umfallen. Zwar klammert sich die 20-Jährige bei all ihren Ausflügen zwischen Los Angeles und New York demonstrativ an ein Wasserfläschchen, doch wäre sie nicht die Erste, die Wodka als kristallklare Alternative wiederentdecken würde. Zumal der sowieso flaschenweise in jeder VIP-Ecke von St. Tropez bis für sexy Jungstars wie , , , oder eisgekühlt bereitsteht.

Designerkleider, Designerdrogen

Eine gefährliche Versuchung für Hollywoods junge Star-Gemeinde. Denn genauso wie die Youngsters darauf bauen dürfen, dass Gucci und Co. sie gratis mit hippen Designerkleidern versorgen, steht des Nachts stets die neueste Kollektion an Designerdrogen zur Verfügung. Ein kurzes Kopfnicken, die kokette Frage nach einer kleinen Erfrischung, und schon bieten sich auf der Marmorablage des Waschraums ein paar Linien zum Konsum an. Die perfekte Droge für junge Nachtschwärmer: Neben gesteigertem Selbstwertgefühl ist die aufputschende Wirkung ideal, um lange Partynächte durchzustehen. Dabei sein ist alles, ein klar strukturierter Tagesablauf außerhalb von Drehzeiten gilt als spießig.

Genau hier liegt das Problem, meint Hollywoods Star-Psychologin Suzanne Lopez: "Diesen Leuten fehlt ein geregeltes Leben und der Druck, Geld verdienen zu müssen. Alles ist nur Spaß - und der wird schnell langweilig. Das bringt sie dazu, immer größeren Unsinn anszustellen." Als Unsinn alleine kann man die Drogenexzesse allerdings längst nicht mehr abtun. "Wir benutzten während der Nacht Ecstasy zum Feiern und tagsüber Kokain, um wach zu bleiben. Um schlafen zu können, nahmen wir Valium“, berichtet über die Zeit mit Ex-Frau . Seit acht Jahren soll Britney schon nehmen, behauptet .

Kate Moss: Kokain, Skandal, strahlendes Comeback - aufs Feiern mag sie allerdings weiterhin nicht verzichten

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Ein Alkoholproblem jedenfalls besteht unbestritten. Wer sich in der "Skybar" des "Mondrian"-Hotels bereits morgens um zehn Tequilacocktails genehmigt, erregt zumindest Besorgnis. Nicht so jedoch bei Spears' Familie. Noch-Gatte Kevin Federline ist mit Rapkarriere, Fremdflirtereien und dem lukrativen Ausgang der eingereichten Scheidung beschäftigt. Fürsorge seitens ihrer Mutter und Ex-Managerin? Fehlanzeige. "Britney fühlt sich im Stich gelassen und weiß einfach nicht mehr, wem sie trauen kann. Kein Wunder, dass sie zu Drogen und greift", so ein Vertrauter der Musikerin. Hinzu kommt, dass neue Freunde wie Partybiene Paris Hilton nicht gerade für einen sorgsamen Umgang mit Genussgiften bekannt sind.

Alles nur Nervenkitzel?

Ohnehin hat sich in den vergangenen Jahren in der Künstlergemeinde Tinseltowns ein offenerer Umgang mit illegalen Substanzen breitgemacht. Und wenn Justin Timberlake nicht ohne Stolz erzählt, verschiedenste Drogen ausprobiert zu haben, Sienna Miller mit ihrer "Wodka-Diät" prahlt und Kate Moss für ihre Kokainexzesse mit einer Extraportion an Werbeverträgen belohnt wird, trägt das natürlich zum coolen Image vom exzessiven Partyleben bei.

Der Grat zwischen Sünde und Sucht erweist sich dabei als denkbar schmal. Ist es reiner Nervenkitzel oder Abhängigkeit, wenn Paris Hilton laut Ex-Lover Nick Carter auf Transatlantikflügen Haschisch in ihrem Teddybär schmuggelt? In jedem Fall steht wohl die Gewissheit dahinter, dass die Familienanwälte sie ohnehin aus jeder Bredouille retten. Jetzt soll die wegen Trunkenheit am Steuer bereits vorbestrafte Erbin während der Dreharbeiten zur Realityshow "The Simple Life" gar Drogen an Minderjährige verschenkt haben - um die Kids locker zu machen, heißt es. Paris' TV-Partnerin Nicole Richie wird wohl kaum ein Machtwort mit ihrer Freundin gesprochen haben. Jüngst mal wieder als bekiffte Geisterfahrerin unterwegs, blickt die 25-Jährige nicht nur einer drohenden Gefängnisstrafe entgegen, sondern auch auf eine lange Drogenkarriere zurück. "In meinem Umfeld war es normal, mit 13 zu kiffen. Mit 14, 15 habe ich angefangen, Kokain zu nehmen. Dann habe ich damit aufgehört und mit weitergemacht - da war ich etwa 19", sagt die Tochter von Schlagerbarde Lionel heute. "Wenn man bedenkt, dass ich mich nur an die Hälfte dessen erinnern kann, was passiert ist, kann ich nur ahnen, wie sehr ich die Kontrolle verloren hatte." Wo die schützende Hand des Vaters während der verzweifelten Eskapaden seiner Tochter war? Vermutlich um ein Konzertmikro geschlungen.

Nicole Richie: Tabletten, Abmagern, Alkohol am Steuer - eine typische Partykarriere

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Magersucht ist die legale Droge

Statt Heroin hat Nicole mittlerweile neben Tabletten und Haschisch eine neue Droge entdeckt - Magersucht. Das Tragische daran: Selbst renommierte Jungschauspielerinnen wie Keira Knightley und Kate Bosworth sind ihr verfallen. Dazu ist sie vollkommen legal und kostet nichts. Nachteil: Lebensgefährlich ist auch sie. Dass besonders junge Frauen von Richie über Lohan bis hin zu Mary-Kate Olsen oft drogen- und magersüchtig sind, ist kein Zufall, ähneln die Motive doch einander: "Menschen, die eine Essstörung entwickeln, greifen Strömungen der Gesellschaft auf und haben meist ein geringes Selbstwertgefühl. Die Gründe können eine Trennung, Probleme in der Familie, Missbrauch oder das Streben nach Perfektion sein", so Diplompsychologe Andreas Schnebel. Der extrem frühe Einstieg ins Showgeschäft, Selbstzweifel und familiäre Probleme sind wohl vielen jungen Suchtpatienten Hollywoods gemein. Dabei sollte man doch denken, dass ausgerechnet die wohlbetuchte, erfolgreiche Elite der Traumfabrik dank des märchenhaften Starts ins Leben nichts anderes als ein Happy End erwartet.

Tribut ans frühe Arbeitsleben

Doch der frühe Arbeitsbeginn in Hollywood fordert oft seinen Tribut. Falsche Freunde und ein Leistungsdruck, der nicht selten aus dem eigenen Elternhaus kommt, lastet schwer auf den zarten Schultern der jungen Künstler. Zudem durch Verkaufszahlen und den Zuspruch einer wankelmütigen Fangemeinde definiert zu werden, kann einen wenig gefestigten Charakter schnell aus der Bahn werfen. Nicht zu vergessen der ständige Druck schlank zu bleiben, der besonders bei Frauen ein Bindeglied zwischen Magersucht und der Abhängigkeit von hungerstillenden Substanzen wie Kokain bildet.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten herrschen in diesem Punkt sowieso andere Gesetze. Wo Alkohol auf der Straße in braune Packpapiertüten verbannt wird und Barbesuche erst mit 21 erlaubt sind, feiert die doppelte Moral ungebremst Erfolge. "Andere Kinder gingen zur Schule, ich ins Studio 54", erinnert sich etwa Drew Barrymore, die mit sieben Jahren ihr Schauspieldebüt gab und als Elfjährige die Partyszene eroberte. "Meine Mutter nahm mich immer mit in den Club, für sie war ich schließlich der Garant, reinzukommen." Mit neun trank Drew regelmäßig Alkohol, drei Jahre später rauchte sie Haschisch, mit 13 schnupfte sie Kokain. Erst als es schon fast zu spät war, reagierte die Familie und verordnete dem Mädchen eine Therapie.

Jack Osbourne: Tabletten "als wär's Kaugummi" wurden ihm angeboten

Jack Osbourne: Tabletten "als wär's Kaugummi" wurden ihm angeboten

Die allerdings ist nicht das größte Problem. Vielmehr die Überzeugung und die Disziplin, clean zu bleiben. Aufputschmittel gefällig? "In Los Angeles kann man in nahezu jede Bar spazieren und nach Vicodin fragen", erzählt Jack Osbourne. "Die Leute fischen dann aus ihren Taschen eine Tablette und geben sie dir, als wär's Kaugummi." Als Sohn von Altrocker Ozzy und Star in der Realityshow "The Osbournes" kam er wie seine Schwester Kelly schon als Teenager mit illegalen Substanzen in Kontakt. Jack ließ sich mit 18 einweisen, mittlerweile hat die halbe Familie einen Entzug hinter sich.

"Rehab" entwickelt sich zum Hit

Doch während Osbourne junior im Lauf seiner Behandlung alles andere als eine angenehme Zeit durchlebte, entwickelt sich "Rehab" in den USA zum Hit. Im Gegensatz zu Nicole Kidmans Gatten Keith Urban, der noch in alter Manier in der Betty-Ford-Klinik Toiletten schrubben und Gruppentherapien besuchen musste, bucht Hollywoods Jeunesse Doree lieber Rehab de Luxe. Auch wenn man im "Wonderland" statt 15.000 satte 60.000 Euro monatlich hinblättert. Dafür sind dort aber Beautyberater, Spitzenköche und Tennistraining inbegriffen. Chris Prentiss, Gründer der luxuriösen Suchtklinik "Passages" in Malibu bietet für 43.000 Euro zusätzlich zu seinem 30-Tage-Entzugsprogramm gar eine Erfolgsquote von 84,4 Prozent. Selbst bei einer Rückkehr ins gewohnte Umfeld gäbe es "keinen Zwang mehr, zur Flasche zu greifen", beteuert er gegenüber GALA. Willkommen im Land der begrenzten Horizonte?

"Schlichtweg unseriös" befindet der Hamburger Suchtexperte Klaus Behrendt solche Aussagen. "Gerade bei einer Rückkehr ins gewohnte Umfeld bedarf es einer enormen inneren Stabilität, um clean zu bleiben", weiß Behrendt. "Sucht ist eine Verhaltensstörung, und Verhaltensänderungen sind das wohl Schwierigste überhaupt. Teils braucht man Monate, teils Jahre - 14 Tage jedenfalls reichen ganz sicher nicht aus", lautet seine klare Ansage. Von solch unschönen Wahrheiten will man an der Pazifikküste nichts wissen. Gerade weil Alkoholismus und Drogensucht mittlerweile nicht mehr verschämt unter den Teppich gekehrt werden, droht das Suchtproblem des jungen Hollywood zum Smalltalk-Thema zu verkommen. Und bei dem will natürlich jeder mitreden können.

Therapie wird zum Showfaktor

"Ich würde zwar nicht direkt sagen, dass es schick ist, einen Entzug zu machen, aber in dieser verrückten Gesellschaft ist Rehab eben das neue Ashram-Wochenende", sagte Carlos Souza, PR-Chef von Valentino, der "New York Times". Ganz up to date schickte das Label auf der Fashionshow in Paris seine Models zum Song "Rehab" von Amy Winehouse über den Laufsteg und begeisterte damit nicht nur Paris Hilton, die sich bereits mit der trinkfreudigen Sängerin zeigte. Auch Lindsay Lohan tanzte Mitte März in New York versonnen lächelnd zum Winehouse-Hit, in dem die 23-Jährige gegen die Einweisung in eine Entzugsklinik ansingt.

Lindsay Lohan: "nur ein bisschen ins Taumeln geraten", sagt ihre Mutter

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Wie auf diese Weise ein ernsthafter Umgang mit der eigenen Sucht gelernt werden kann? Gar nicht. Doch glaubt man Lohans Mutter Dina, besteht dazu eigentlich auch kein Grund. Schließlich sei ihre Tochter trotz Treffen bei den Anonymen Alkoholikern und Entzug keine Trinkerin. "Sie ist nur eine 20-Jährige, die ein wenig ins Taumeln geraten und genetisch suchtgefährdet ist", beteuerte die 44-jährige Blondine im Gespräch mit "Harper's Bazaar". Lindsays Vater Michael, selbst in der Vergangenheit dreimal Patient der Betty-Ford-Klinik und erst kürzlich aus dem Knast entlassen, trägt ihrer Meinung nach die ganze Schuld - eine fragwürdige Auseinandersetzung mit dem Suchtproblem der Tochter.

Das Rezept: Liebe

So kann man nur froh sein, dass es neben teils wenig hilfreichen Ärzten und Familienmitgliedern neuerdings oft die Kollegen sind, die sich als wahre Freunde entpuppen. "Das ist eine mutige Sache, und ich unterstütze ihn hundertprozentig", kommentierte jüngst Eva Longoria den Entzug ihres "Desperate Housewives"-Kollegen Jesse Metcalfe. Gwen Stefani schickte Britney Spears indes aufmunternde Grüße: "Ich hoffe, dass es ihr gut geht. Ich möchte sie am liebsten aufrichten und ihr einen Kuss geben". Genau hier liegt wohl auch das simple und doch so schwer erreichbare Rezept zur Gesundung: Liebe und Beistand. Garantiert kostbarer und beständiger als jeder Klinikaufenthalt für 60.000 Euro.

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