Beckhams
© Getty Beckhams

Die Beckhams Eine ganz normale Familie?

Die Beckhams überlassen in Amerika nichts dem Zufall. Ihre PR-Strategie: Sie sind die nette Familie von nebenan. Das Konzept scheint aufzugehen. Abgesehen von ein paar Details ...

Als ihr Held die Arena betritt, brandet Jubel auf.

"Es gibt nur einen David Beckham", skandieren 5.000 Fans, die sich auf den Rängen des L. A.-Galaxy-Stadions in Carson, 45 Autominuten außerhalb von Los Angeles, versammelt haben. Der Star des Tages, - ge­wandet in einen silbergrauen Anzug, lacht erleichtert. "Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass der amerikanische ­Fußball auf Welt-Niveau angehoben wird und freue mich auf die Herausforderung", sagte David Beckham, nun ernster, an die 700 Journalisten gerichtet. Endlich ist er ­angekommen, der Kicker-Gott, der seinen Verein vom zweitschlechtesten Platz der Liga gen Fußball-Olymp führen soll. ­Tatkräftig unterstützt wird er dabei von ­Gattin Victoria, die sich auf ihre Weise ­präsentierte: 60 Sekunden lang posierte sie im fuchsiafarbenen Kleid, das farblich exakt passende Hermès-Täschchen leicht abge­spreizt am rechten Arm. Kurz ­zuvor hatte die umtriebige Mrs. Beckham im Fan-Shop medienwirksam bereits T-Shirts verkauft.

Keine Frage, das gerade in Los Angeles eingetroffene britische Erfolgsduo weiß sich auch in der neuen Heimat zu inszenieren. Vom triumphalen Einmarsch der beiden ­europäischen Superstars ist auch der Clubmanager restlos begeistert: "Lasst die Spiele beginnen!", kündigte Alexi Lalas die ­Beckham-Ära euphorisch an. Für den Verein hat sich der Neuzugang schon jetzt gelohnt: Fast 11.000 Dauerkarten sind verkauft, ­zudem eine halbe Million Trikots mit der Nummer 23 zu 58 Euro das Stück. Ein ­Rekord in einem Land, in dem die Show-Sportart Wrestling weitaus mehr Zuschauer begeistern kann als Soccer.

Besser als an diesem Tag im Stadion hätte der erste Auftritt in Kalifornien für die ­Beckhams kaum laufen können. Schließlich wurde das Unternehmen USA sorgfältig vorbereitet - von Mrs. Beckham herself. Denn nicht nur die Karriere des Gatten, sondern auch ihre eigene soll einen kräf­tigen Anschub bekommen. Aus diesem Grund sind ihre Töne plötzlich ungewohnter Natur: freundlich, wohlwollend und auffallend wenig zickig. "Wir lieben Amerika, die Menschen dort und die Lebensart", schmeichelte sie im Gespräch mit dem TV-Moderator Matt Lauer. Im Radio-Interview mit Ryan Seacrest erklärte sie: "Ich lache auf Fotos häufig nicht, weil ich als Mutter von drei Kindern eben ­andere Dinge im Kopf habe. Wie jede normale Mutter eben." Bei Jay Leno ließ sie sich sogar zu einem herzhaften Lachen hinreißen.

Und das ist nicht alles: Geradezu revolu­tionär offen nahm Vic bereits vor ihrer ­Abreise im US-Magazin "W" zu ihren Eheproblemen nach Davids Affäre mit Rebecca Loos Stellung: "Ich will nicht lügen. Es war eine wirklich harte Zeit. Aber wir sind daran gewachsen", bekannte die 33-Jährige. So viel Ehrlichkeit sichert Sympathiepunkte. ­Zumal sich die Beckhams nun auch mit Taten bemühen, die Amerikaner von sich zu überzeugen. Kaum in Los Angeles angekommen, fuhr die Familie zum Spielzeuganbieter Toys'R'Us und präsentierte den Fotografen wenig später die gerade erworbenen US-Fähnchen. Nett. Und so normal.

Wer angesichts dessen befürchtet, die Star-Neuzugänge könnten in Zukunft auf Eskapaden verzichten, wird positiv enttäuscht werden. Schon in ihrer Doku-Show "Victoria Beckham: Coming to America", die vorigen Montag im US-Fernsehen ausgestrahlt ­wurde, zeigte Vic, dass sie trotz aller sanften Worte weiterhin einiges zu bieten hat. Dort wetterte sie über Eddie Murphy, den Vater der kleinen Tochter ihrer Spice-Girl-Kollegin Mel B.: "Ich würde ihm definitiv ins ­Essen spucken. Und ihm am liebsten den ... abhacken." Auch der gerade an­­gelieferte Fuhrpark der Beckhams beweist, wie weit sie trotz aller guten Vorsätze von einer normalen Familie entfernt sind. "VB" steht auf Victorias Bentley GT Cabrio eingraviert, der Kühlergrill des Cadillac Escalade ihres Ehemanns wird von einer 23 geziert. So genial die Briten ihren US-Start auch eingefädelt haben, für den langfristigen ­Erfolg im Land der unbegrenzten Möglichkeiten dürfte dennoch entscheidend sein, ob David Beckham seinen bis dato unbedeutenden Verein aus der Fast-Vergessenheit kicken kann. Schon kommenden Samstag tritt er erstmals gegen den FC Chelsea an. Erst dann beginnt das Spiel tatsächlich.