David Kross

Die Entdeckung der Welt

Mit gerade mal 18 Jahren spielt David Kross an der Seite von Kate Winslet in "Der Vorleser". Der Start in eine internationale Karriere?

David Kross

Besonders gern spricht David Kross über Glück.

Über das Glück, Schauspieler zu sein. Über das Glück, Erfolg zu haben, und über die glückliche Fügung, dass ausgerechnet seine letzte Filmpartnerin war - denn die 33-Jährige habe ihm die Angst vor Liebesszenen genommen: "Sie ist extrem unkompliziert und irre lustig. Sie wollte immer wissen, wie ich mich fühle, und hat mich mit ihrem Humor zum Lachen gebracht."

Berlinale 2009

Berlin im Bärenfieber

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Birgit Minichmayr mit ihrem "Silberen Bären" für die beste Hauptdarstellerin in "The Milk of Sorrow"
Ben Foster und sein "Silberner Bär" zeigen ihre Freude

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Gerade mal 18 Jahre alt ist und hat mit seiner Hauptrolle in "Der Vorleser" das geschafft, wofür viele Kollegen ihn bewundern, einige auch beneiden: eine internationale Produktion! Mit Kate Winslet! Und überhaupt: Der Junge hat immer nur Kinofilme gedreht! "Glück" ist in so einer Situation die wohl bescheidenste Erklärung für einen Erfolg, den in so jungen Jahren bislang kein anderer deutscher Schauspieler vorweisen konnte. Jetzt, mit dem "Vorleser" weltweit in den Kinos, schlägt bislang größte Stunde. Der Junge, das steht für viele fest, ist auf dem Sprung zu einer beispiellosen Karriere.

Andere Jungs in seinem Alter würden in dieser Situation durchdrehen, mit ihrem Ruhm spielen. Doch aus Bargteheide, einer Kleinstadt vor den Toren Hamburgs, tickt anders. Abheben kommt nicht in Frage. Klar, er ist noch jung, aber drei Jahre Berufsleben als Schauspieler haben ihn erwachsen werden lassen. Mit reifem Blick sitzt er in einer Hotel-Suite, schlägt die schlaksigen Beine übereinander, ignoriert seine Müdigkeit und erzählt bei einer Tasse Tee, wie das damals, also 2006, mit seinem Karrierestart wirklich war.

David Kross und Kate Winslet bei der Premiere von "Der Vorleser" in Berlin

David Kross und Kate Winslet bei der Premiere von "Der Vorleser" in Berlin

David Kross wird auf der Berlinale zum "Shooting Star 2009" gekürt

David Kross wird auf der Berlinale zum "Shooting Star 2009" gekürt

David Kross' Mutter nämlich kannte zufällig die Frau von , dem Regisseur. Sie kannte sie nicht besonders gut, aber eben gut genug, um ihr von ihrem schauspielernden Sohn vorzuschwärmen. Diese flüchtige Bekanntschaft sollte für den Teenager zum Glücksfall werden. Frau Buck erzählte ihrem Gatten vom jungen Kross, und weil Buck gerade für seinen Film "Knallhart" nach einem Hauptdarsteller suchte, schickte er seine Tochter in Bargteheide vorbei, um sich den Bengel mal genauer anzuschauen. Als Bernadette Buck plötzlich vor seiner Haustür stand, ahnte der damals 15-jährige David nicht, dass er gerade so etwas wie ein Casting durchmachte.

Detlev Buck entschied sich für Kross. Er gab ihm nicht nur die erste Hauptrolle, sondern verpflichtete ihn wieder und wieder: erst für "Hände weg von Mississippi" und Ende 2008 für "Same Same But Different", den er zum großen Teil in Kambodscha drehte. Zwischendurch spielte Kross für Regisseur den Waisenjungen "Krabat". Die Verfilmung des Jugendromans, Seite an Seite mit den berühmten Kollegen und , machte Kross zum Teenie-Liebling.

Es ist das große Glück des Schleswig-Holsteiners, dass für die Leinwand andere Gesetze als für den Schulhof gelten: David Kross ist weder vorlaut noch überdurchschnittlich attraktiv. Er beschreibt sich selbst als "zurückhaltend" und hat ein Gesicht, an dem man im Kino hängen bleibt, in einer Fußgängerzone aber vorbeilaufen würde. Entsprechend hat er die mittlere Reife am Eckhorst-Gymnasium noch abgelegt, gab seine Abi-Pläne aber zu Gunsten des Filmgeschäfts vorerst auf.

Die Jahre im Filmgeschäft haben David Kross nicht zu seinem Nachteil verändert. Er tritt heute selbstbewusster auf, reicht nicht mehr zaghaft die Hand, sondern packt zu. Seine Antworten sind genau durchdacht. Auf die Frage, ob er als Karrierestart auch in einer TV-Soap mitgespielt hätte, antwortet er zum Beispiel so: "Ganz sicher kann ich mir nicht sein, weil sich die Frage nie gestellt hat, aber ich denke nicht, dass ich so versessen auf diesen Beruf bin, dass ich da mitgemacht hätte." Aber vielleicht ja doch, ausgeschlossen ist nichts - er will niemanden verärgern. Kross sitzt in Sachen Karriere längst auf einem hohen Ross, benimmt sich aber so, als würde er von einem Zwergpony blicken. Seit über einem Jahr ist er nun ständig unterwegs. Die nächsten Monate will er sich aber zurückziehen, endlich wieder so etwas wie Alltag haben. Außerdem müsse er sich sortieren, entscheiden, wie es weitergeht. Bei beidem wünscht man ihm Erfolg, Glück braucht David Kross längst nicht mehr.

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