David Bowie (†): David Bowie
© Getty Images David Bowie

David Bowie (†) "Anders, als alle dachten"

Auf der ganzen Welt trauern die Fans um David Bowie. In GALA erzählt eine Berliner Weggefährtin, wie sie den Ausnahmemusiker erlebte – und welches Erbe er hinterlässt

Die gemeinsame Zeit in Berlin

Die Nachricht sei ihr "direkt in die Magengrube gegangen", sagt Claudia Skoda mit brüchiger Stimme. "Ich stehe immer noch unter Schock." So erging es am vergangenen Montag Millionen Fans, als sie vom Tod David Bowies erfuhren. Doch die Berliner Modedesignerin, die ein eigenes Geschäft in Mitte betreibt, hat eine ganz persönliche Verbindung zu dem Musiker. Mitte der Siebzigerjahre, als David Bowie in Berlin lebte und gemeinsam mit seinem Kumpel Iggy Pop durch die Klubs zog, wohnte Claudia Skoda in der legendären WG "Fabrikneu", einem umgebauten Loft in Kreuzberg. Dort gingen nicht nur Künstler wie Martin Kippenberger und Sigmar Polke ein und aus, sondern auch die Kult- Musiker David Bowie und Iggy Pop. "Mit ihm ist ein Teil einer Generation gegangen", sagt Skoda jetzt.

David Bowie (†): Freundin aus Berlin: Modedesignerin Claudia Skoda, 71
© ImagoFreundin aus Berlin: Modedesignerin Claudia Skoda, 71

"Das war damals die Zeit, als wir jung waren. Die Musik hat einen so stark berührt, das war ein Lebensgefühl, wie man es nie wieder hatte. Ab und zu gab es Dinner bei uns, wir sind zusammen ausgegangen, haben uns getroffen und gequatscht. Manchmal sind wir schwimmen gegangen, im Pool des Hotels ,Kempinski‘, danach in die Sauna. Natürlich mit Badebekleidung", erzählt die Designerin. Privat sei David Bowie ganz anders gewesen, als die Welt ihn erlebt habe. "So normal und häuslich und liebenswürdig. Als er in Berlin lebte, war er ja eher inkognito unterwegs, seine ganz wilde Zeit hatte er da schon hinter sich gelassen."

Seine Krebserkrankung, gegen die Bowie in den vergangenen eineinhalb Jahren kämpfte, hatten der Mega-Star, seine Familie und Freunde bis zuletzt verschwiegen. Vollkommen zurückgezogen lebte der Musiker mit seiner Ehefrau, dem somalischen Supermodel Iman, 59, und der gemeinsamen Tochter Alexandria, 14, in New York. Er gab keine Konzerte, keine Interviews, seine einzigen Lebenszeichen kamen über die Musik. In ihr erfand sich Bowie, der im Lauf seiner Karriere in so verschiedene Rollen wie Ziggy Stardust, den Thin White Duke und den Harlekin schlüpfte, bis zuletzt immer wieder neu.

Album als Abschiedsgeschenk

Dass sich der Brite in den vergangenen Monaten intensiv mit seinem bevorstehenden Tod auseinandergesetzt hat, belegt sein neues Album "Black Star". Es erschien erst vor einer Woche, an Bowies 69. Geburtstag. Jetzt weiß man: Er hat sich sein eigenes Requiem geschrieben. Im Video zum Song "Lazarus" sieht man den Sänger im Krankenhausbett liegen, die grauen Haare hochgestellt, die Wangen faltig, den Blick ins Jenseits gerichtet. Mit unverwechselbarer Stimme singt er Zeilen wie "Schaut hoch, ich bin im Himmel", "Ich habe nichts mehr zu verlieren“ und "Ich werde frei sein wie diese Drossel". "Das Album ist sein Abschiedsgeschenk an uns", resümiert Bowies langjähriger Produzent Tony Visconti. "Sein Tod war genau wie sein Leben – ein Kunstwerk." Das sieht auch Claudia Skoda so: "So viele andere Rockstars sind mit 27 Jahren gestorben. David Bowie hat uns gezeigt, wie man in dieser Branche altern kann. Seine musikalische Hinterlassenschaft ist einzigartig." Wie sie ihn ganz persönlich in Erinnerung behalten wird? "Im gelben Anzug, auf der Bühne in Berlin. Er sah einfach blendend aus!"