Cornelia Poletto

"Ich werde nicht oft zum Essen eingeladen"

Zwischen Restaurantbetrieb und heimischer Küche findet Star-Köchin Cornelia Poletto immer noch Zeit für Romantik

Cornelia Poletto: "Ich werde nicht oft zum Essen eingeladen"

Sie steht inmitten ihrer großen Küche, dem Ort, an dem sie fast jeden Sonntag für die Familie kocht oder Freunde zum Essen empfängt. Während der Stylist noch die letzten Haarsträhnen drapiert, wuseln zwei Hunde um sie herum. „Das sind Sissi und Franz“, sagt , 45. Die Viszla- Hündin und der Mischlingsrüde sind fester Bestandteil der Patchwork- Familie Poletto/Grube. Vor einem Jahr haben die prominente Köchin und der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, , 65, geheiratet. Für das GALA-Shooting hat sogar ihre Hochzeitsschuhe, ein Paar knallrote Louboutins, noch einmal rausgeholt. Hier in der schönen Hamburger Altbauvilla, in der Poletto mit ihrem Mann und ihrer Tochter Paola, 14, lebt und wo wir zu Gast sein dürfen, wollen wir über das Thema sprechen, das ihr neben der Familie besonders am Herzen liegt: essen.

Was macht in Ihren Augen gute Ernährung aus?

Gesunde Ernährung bedeutet nicht immer Verzicht. Es ist ein Irrglaube, dass man, um gut zu essen, auf Fleisch, Öl oder Kohlehydrate verzichten muss. Eine Kartoffel ist etwas Wunderbares, man sollte nur darüber nachdenken, wie man sie zubereitet und in welcher Kombination man sie isst. Jeder sollte eine Balance finden zwischen dem, was einem Spaß macht zu essen, und dem, was einem guttut.

Und wie schafft man das?

Ich würde mir wünschen, dass die Menschen ganz klar reflektieren und darauf achten, was sie eigentlich den ganzen Tag essen. Im nächsten Schritt sollte man darüber nachdenken, welche Dinge man durch gute Nahrungsmittel ersetzen kann, um gesundes Essen zu schaffen. Schlechte Fette durch kalt gepresstes Olivenöl zum Beispiel. So einfach kann man seine Ernährung aufwerten und sich etwas Gutes tun.

Wo kaufen Sie Ihre Produkte?

Ich bin jemand, der sehr produktverliebt ist. Von daher wähle ich sehr genau aus, wo die Nahrungsmittel, die bei uns gegessen werden, herkommen. Sowohl im Restaurant als auch zu Hause. Ich brauche nicht unbedingt Bio-Fleisch, aber ich will wissen, wo das Tier herkommt, wie es großgezogen wird und wo es am Ende geschlachtet wird.

Was ist mit Obst und Gemüse?

Für mich ist es das Schönste, auf den Markt zu gehen und saisonale Produkte zu entdecken, die ich dann später auch im Restaurant einsetze. Ehrlich gesagt habe ich aber kaum die Zeit dafür. Es ist eine romantische Vorstellung. In der Realität habe ich einen Gemüsehändler auf dem Großmarkt, der witzigerweise auch noch der Cousin meines Mannes ist – was wir aber erst hinterher rausgefunden haben. Bei dem weiß ich genau, was ich bekomme.

Und wenn Sie für Freunde oder die Familie kochen?

Dann kaufe ich selbst ein. Meine Tochter hasst es, mit mir in den Supermarkt zu gehen. Weil ich das so selten mache, stehe ich immer ganz lange vor den Regalen und gucke, was für neue Produkte es gibt. Meine Tochter ist dann schon immer total genervt. (lacht) Natürlich gehe ich auch gerne zum Isemarkt oder zu meinem Schlachter des Vertrauens.

Was kochen Sie, wenn es schnell gehen muss?

Eigentlich immer Pasta. Meine Tochter und ich hassen Liefer- oder Tiefkühlpizza. Eine schöne Portion Spaghetti mit Tomatensoße hingegen ist immer grandios.

Darf es auch mal der Schnellimbiss oder McDonald’s sein?

Da wir uns ja sehr viel auf Reitturnieren rumtreiben, wo es gar nichtsanderes gibt, essen wir natürlich auch mal eine Bratwurst oder Currywurst. Auf McDonald’s sind meine Tochter und ich beide nicht so scharf. Ich war ein paar Mal mit ihr bei McDonald’s,als sie noch klein war, weil ich mir dachte, dass sie das auch mal kennenlernen muss. Richtig begeistert hat sie das aber nicht

Bei den Kochkünsten der Mutter ...

Stimmt, man ist halt auch relativ schnell versaut. (lacht)

Gibt es ein Gericht, das Ihre Tochter besonders liebt?

Meine Tochter ist eine große Fleischesserin, Steak mit Rosmarinkartoffeln geht also immer. Meine Familie liebt aber auch mein Hühnchen. Ganz pur mit Salat oder Couscous.

Kann Ihre Tochter auch kochen?

Viele Jahre fand sie Kochen richtig doof. Kochen hat für sie bedeutet, dass ich nicht da bin beziehungsweise arbeiten muss. Als sie älter und selbstständiger wurde, auf den Ponyhof gefahren ist und dort ein kleines Apartment hatte, musste ich ihr plötzlich Sachen zum Kochen einpacken. Ich erinnere mich noch daran, wie sie mich angerufen hat und wissen wollte, wie man Pfannkuchen macht. Sie wird aber sicher keine Köchin.

Und mit welchem Gericht können Sie Ihrem Mann eine Freude machen?

Mein Mann ist ein ganz bescheidener Esser. Meine Tochter sagt immer: „Rüdiger, es ist egal, was Mama kocht – du findest es sowieso immer toll.“ Rüdiger isst alles und gerne, Gott sei Dank. Ich könnte nie einen Mann an meiner Seite haben, der nicht gerne isst.

Wie sieht für Sie ein romantisches Candle-Light-Dinner aus?

Im perfekten Fall gibt es ein Gericht, das sich gut vorbereiten lässt, damit man nicht zu viel Zeit mit dem Kochen verbringt. Dann sollte es etwas sein, das nicht zu schwer im Magen liegt, sonst ist man müde und erschlagen. Ich finde es auch schön, wenn das Essen an sich etwas Zeit in Anspruch nimmt und man was mit den Händen machen muss. Eine Artischocke zupfen beispielsweise oder Garnelen schälen. Damit kann man dann auch ein bisschen spielen, dem Gegenüber das Artischockenblatt hinhalten – das ist total romantisch. Und dann noch mit der richtigen Beleuchtung, mehr geht nicht.

Welche aphrodisierenden Gewürze sollte man verwenden,wenn man seinen Partner verführen will?

Damit wäre ich vorsichtig. Man weiß nie, ob das Gegenüber vielleicht allergisch reagiert oder etwas nicht verträgt. Wichtig ist, dass man mit viel Liebe und Geschmack kocht. An so einem Abend sollte man außerdem eine Leichtigkeit ins Essen bringen. Sagen wir mal so: Für das erste Date ist Grünkohl nicht das perfekte Gericht. Außer bei „Bauer sucht Frau“. (lacht)

Und was gibt es dazu?

Ich lege einfach ein wenig Gemüse aufs Backblech und mariniere vorher alles mit Kräutern und Olivenöl. Das war’s. Es ist mir wichtig, dass ich mich auch um meine Gäste kümmern kann. Die Küche ist dabei mein Dreh- und Angelpunkt. Meist gibt es dort vorher einen Aperitif, und wenn das Essen erst im Ofen ist, kann man auch entspannen.

Ich habe gesehen, dass Sie nur zwei Kochplatten haben ...

Genau. Das eine ist eine Wok-Mulde, darin mache ich Risotto, Pasta-Sugo … Und auf der anderen Platte steht der Topf, in dem die Pasta kocht. Man braucht keine große Küche und man bracht auch nicht viele Kochfelder, um gut zu kochen.

Wie ist das so, wenn Sie eingeladen werden?

Ich werde nicht oft zum Essen eingeladen, verständlicherweise. (lacht) Wenn es dann so kommt, setzen sich die Gastgeber häufig viel zu sehr unter Druck, stehen meist die ganze Zeit in der Küche und geben sich tierisch Mühe, während ich alleine am Tisch sitze und ein Glas Wein trinke.

Backen Sie eigentlich auch?

Als junge Frau habe ich sehr viel gebacken, dadurch habe ich auch das Interesse am Kochen entdeckt. Heute macht sich meine Tochter oft lustig, weil meine Geburtstagskuchen immer recht bescheiden ausfallen. Trotzdem: Kekse backen, vor allem in der Weihnachtszeit, ist immer noch total angesagt.

Wofür sündigen Sie?

Wiener Würstchen. Die sind immer bei uns im Kühlschrank, für die ganze Familie, auch für die Hunde. (lacht) Und ich muss zugeben: Ich kann zu jeder Tageszeit Käse essen. Nicht den Magerkäse, sondern die richtig leckeren, fetten Rohmilchkäse. Und dazu geht eigentlich auch immer ein Glas Wein.

Was findet man sonst noch in Ihrem Kühlschrank?

Immer ein Stück Parmesan, Kefir, den liebe ich, und natürlich die Klassiker: Kartoffeln, Schalotten, Knoblauch und eine Tomatensoße.

Was halten Sie von Flugzeugessen?

Es ist sehr lustig, dass Sie mir diese Frage stellen. Gerade habe ich die Kindermenüs der Lufthansa neu konzipiert, die es ab 2017 geben wird. Es ist leider so, dass immer mehr eingespart wird und ich selbst in der besseren Klasse feststellen muss, dass das Essen wirklich nur sehr mittelmäßig ist. Das ist schade und traurig. Ich glaube, dass es viele Menschen gäbe, die auch mehr für ein qualitativ hochwertiges Essen zahlen würden.

Gehen Sie im Bordrestaurant der Bahn essen?

Bevor ich meinen Mann kennenlernte, habe ich für die Bahn einen Monat lang gekocht. Und dann saß er da und verkündete: "Heute gibt es die Linsensuppe mit Wiener Würstchen von Cornelia Poletto." (lacht) Tatsächlich bin ich aber nicht der Typ, der auf der Strecke von Hamburg nach Berlin das Bordrestaurant aufsucht.

Kocht Ihr Mann auch für Sie?

Als wir uns kennenlernten, hat er mir gesagt, er könne die besten Bratkartoffeln bei 800 Grad zubereiten. Da habe ich ihn gefragt, was er meint für einen Ofen zu besitzen, der 800 Grad schafft. Das war sehr lustig. Bis auf ein paar Bratkartoffeln und ein Spiegelei passiert da noch nicht viel. Obwohl er uns am Sonntag gerade erst Eier gekocht hat, die besser waren als meine. Er ist also auf einem guten Weg. (lacht)

Frühstücken Sie gerne?

Ich bin ein großer Genussmensch und nehme leider ohne Sport sehr schnell zu. Deswegen esse ich immer nur dann, wenn ich Appetit habe. Ich trinke morgens meinen Tee, starte in den Tag, trinke in meinem Restaurant einen Cappuccino, und irgendwann gegen Mittag schaue ich, worauf ich gerade Lust und Hunger habe. Das ist quasi mein Frühstück. Nachmittags esse ich zusammen mit meinen Mitarbeitern.

Und am Wochenende?

Am Samstag und am Sonntag frühstücken wir immer zusammen. Das ist uns heilig.

Geht Liebe durch den Magen?

Natürlich geht Liebe durch den Magen. Mit Kochen habe ich meinen Mann rumbekommen!

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